Studieren in Leipzig Mei Leipzsch lob'sch mir

Das Leben in Leipzig ist günstig. Noch. Die Mieten steigen auch hier. Beste Chancen auf eine günstige Wohnung hat, wer gerne Holz hackt. Wie man in Leipzig als Student auch sonst gut leben kann, zeigt der Ratgeber von SZ.de und jetzt.de.

Text: Clemens Haug; Illustration: Katharina Bitzl

Wohnen

Neuankömmlingen mag der Leipziger Wohnungsmarkt paradiesisch erscheinen - besonders denen, die überteuerte Mietpreise in Städten wie Hamburg, München, Köln und inzwischen auch Berlin kennen. Leipzig bietet jede Menge bezahlbare Wohnungen und WG-Zimmer in Gründerzeitaltbauten mit hübschen Treppenhäusern, hohen Räumen und Stuck an den Decken. Mit 5,81 Euro pro Quadratmeter liegen die Mieten einen Euro unter dem deutschen Durchschnitt und ganze zehn Euro unter dem von München.

Allerdings: Auch in Leipzig steigen die Kosten für eine Wohnung - in den vergangenen beiden Jahren um knapp 30 Cent pro Quadratmeter. Und weil nicht nur Mieten, sondern auch die persönlichen Nettoeinkommen (etwa 1153 Euro) unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen, wird in Leipzig nun ebenfalls besorgt über Gentrifizierung diskutiert.

Tipps für die Wohnungssuche:

  • Wohnungen oder WG-Zimmer zu finden, in Leipzig ist relativ unkompliziert. Den Blick in gedruckte Immobilienanzeigen kann man sich meistens sparen, gerade mal eine Seite mit Mietangeboten liegt dem Wochenendteil der Leipziger Volkszeitung (LVZ) bei. Die kostenlosen Anzeigenblätter Leipziger Rundschau (mittwochs) und Sachsensonntag (sonntags) bieten meist nur eine halbe Seite Wohnungsmarkt.
  • Reichlich Auswahl findet sich dagegen auf den einschlägigen Immobilienportalen im Internet (zum Beispiel Immonet, Immoscout24 oder Wohnungsboerse.net).
  • Nachmieter werden hier häufig über Ebay-Kleinanzeigen gesucht. Das hat mitunter den Vorteil, einen Mietvertrag zu alten und damit günstigeren Konditionen übernehmen zu können.
  • WG-Zimmer findet man vor allem über Wg-gesucht.de. Die Alternative Studenten-wg.de ist in Leipzig dagegen deutlich weniger bekannt.
  • Etwas unübersichtlich, dafür aber exklusiv von und für Studenten ist das Schwarze Brett im Netz. Außer WG-Zimmer kann man hier auch bei der Jobs oder gebrauchte Möbel finden.
  • Wer extrem günstigen Raum etwa für ein Tonstudio, ein Atelier, teilweise aber auch zum Wohnen sucht, sollte sich an den Verein Haushalten wenden. Der sucht immer wieder Nutzer für die sogenannten Wächterhäuser, leerstehende Gründerzeithäuser, die durch Nutzung vor Vandalismus und Verfall geschützt werden sollen. Man muss allerdings bereit sein, auf manchen Komfort zu verzichten: Moderne Heizkörper gibt es meist nicht. Stattdessen wärmt ein Kohleofen. Das heißt: Kohlen schleppen und Anfeuerholz kleinmachen.

Studentenwohnheime

Im Studentenwohnheim ist gut aufgehoben, wer keine Möbel mitbringt, wer neben dem Studium ein Kind großzieht oder eine rollstuhlgerechte Wohnung braucht. Etwa 5200 Zimmer in 15 Wohnanlagen hat das Leipziger Studentenwerk im Angebot. Die Preise variieren zwischen knapp 200 Euro für ein WG-Zimmer und bis zu 430 Euro für ein Einzelzimmer im aufwendig sanierten Altbau.

Idyllische Lage: Besonders hübsch ist beispielsweise das Wohnheim an der Bornaischen Straße in Markkleeberg. Die Anlage besteht aus drei kleinen Gebäuden, die direkt an den südlichen Auenwald grenzen. Studierende mit Kind können hier Wohnräume mit eigenem Kinderzimmer mieten und finden außerdem eine Kindertagesstätte direkt auf dem Gelände.

Günstig in der Platte: Einen etwas weiteren Weg zur Uni haben diejenigen, die in das Studentenwohnheim Gärtnerstraße einziehen. Der Block liegt in Leipzigs größter Trabantenstadt Grünau, ein in den 1970ern und 80ern errichtetes Plattenbauviertel. Dafür ist das Wohnen in der Platte mit 190 Euro für ein WG-Zimmer ziemlich günstig.

Einen Wohnheimführer mit Beschreibung und Vergleich der Wohnsituation haben Leipziger Journalistik-Studenten im Sommersemester 2013 erstellt.

Unterwegs

Die Leipziger Studenten haben seit Eröffnung des S-Bahn-Netzes ein Semesterticket - verpflichtend. Die Gebühren von 110 Euro werden direkt mit dem Semesterbeitrag eingezogen. Dafür kommt man mit dem Ticket recht weit, es gilt für den gesamten Verkehrsverbund und damit auch für Ausflüge in die Nachbarstadt Halle, die hübschen kleinen Altstädte von Torgau, Wurzen, Oschatz und Döbeln oder ins Saaletal rund um Weißenfels und Naumburg. Dass das Ticket unter den Studenten lange umstritten war, liegt unter anderem daran, dass man in der Stadt selbst am besten auf dem Fahrrad unterwegs ist. Hügel gibt es kaum und die Wege zwischen den beliebten Vierteln sind kurz.

Öffentliche Verkehrsmittel

Mit 518 Haltestellen und insgesamt 150 Kilometer Strecke hat Leipzig nach Berlin das zweitgrößte oberirdische Straßenbahnnetz Deutschlands. Die Bahnen und Busse der Leipziger Verkehrsbetriebe fahren bis etwa 24 Uhr regelmäßig an alle Stadtränder. Danach gibt es einen Nachtverkehr, dessen Fahrzeiten man sich - auch in Schnapslaune - leicht merken kann: Wochentags ist Abfahrt um 1.11 Uhr, 2.22 Uhr und 3.33 Uhr am Hauptbahnhof. In den Nächten zu Samstag und Sonntag gibt es zwei zusätzliche Fahrten.

Partypublikum bevölkert dann vor allem die Linien 10 und 11 zwischen Hauptbahnhof und Lößnig bzw. Markkleeberg-Ost. Beide Bahnen durchqueren die Südvorstadt auf der Karl-Liebknecht-Straße und kommen dabei an zahlreichen Kneipen und Veranstaltungsorten vorbei.

Seit kurzem hat Leipzig auch eine U-Bahn: Der 1,4 Kilometer lange Citytunnel unterquert die Innenstadt von Norden nach Süden. Nächstgelegene Haltestelle vom zentralen Campus der Universität ist Wilhelm-Leuschner-Platz. Von dort aus fahren die S-Bahnen auf fünf Linien täglich zwischen 5 und 23 Uhr nach Halle und in alle Mittelstädte der Umgebung. Am Wochenende verkehren zusätzliche Nachtzüge.

Praktisch, um von A nach B zu kommen, ist die easy.go-App: Das Handyprogramm des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds sucht nicht nur die nächste Verbindung zum gewünschten Ziel, sondern lotst seine Nutzer auch per GPS von ihrem Standort zur nächsten Haltestelle.

Mit dem Fahrrad

Gebrauchte Fahrräder findet man am günstigsten über den Kleinanzeigenmarkt von Ebay oder das Leipziger Schwarze Brett. Die Leipziger Sektion des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) hat zudem im Netz eine Liste mit Händlern und Werkstätten angelegt. Ab und an versteigert das Fundbüro herrenlos aufgefundene Räder, entweder im Internet oder bei einer Auktion, deren Termin zuvor auf der Fundbüroseite bekanntgegeben wird.

Aber Obacht: Die Polizei hält - nicht nur nachts - gern Fahrradfahrer an, um die Lichtanlage zu prüfen. Wer im Dunkeln ohne Licht fährt, wird in Leipzig zügig zur Kasse gebeten.

Per Taxi

Taxifahren in Leipzig ist recht günstig, auch aufgrund der kurzen Wege. Die Funktaxizentrale (Telefon: 0341/ 4884) bietet eine Handy-App an, ebenso das Unternehmen Löwentaxi (0341/98 22 22). Über die Apps und über die Webseite der Anbieter lässt sich bequem vorbestellen. Und wenn es mal protzig sein soll: Fahrten mit der Stretch-Limousine gibt es natürlich auch in Leipzig.