Jura-Studium Langsam scheint das Bewusstsein zu wachsen

Vor drei Jahren hat die Rechtsanwältin Daniela Schweigler im Anschluss an ihr Referendariat der bayerischen Justizausbildung in einem Aufsatz ein Sexismusproblem diagnostiziert: Die Übungsfälle waren aus ihrer Sicht nur ein Symptom eines insgesamt nicht gerade frauenfreundlichen Klimas.

Im Rahmen einer darauffolgenden Anfrage aus dem Landtag verneinte das Bayerische Staatsministerium der Justiz einen Handlungsbedarf. Dabei verwies es unter anderem darauf, dass die Geschlechter in den Examensfällen gleichmäßig vertreten seien und sich über die Ausbildungsmaterialien außer Schweigler noch niemand beschwert habe. Valentiner und Schweigler sagen, sie hätten nach ihren Veröffentlichungen viele Rückmeldungen bekommen, die zeigen, dass es durchaus andere Leute gibt, die sich ebenfalls an den Fällen stören.

Wenn die Verwaltungsbeamtin einen Baum fällt

Dass die Übungsfälle mit bösem Willen gestrickt werden, will Valentiner niemandem unterstellen. Es mangele aber am Bewusstsein für das Thema. Erst wenn das vorhanden sei, könne sich etwas ändern und auf Klischees verzichtet oder - so ein weiterer Vorschlag der Studie - auch mal gezielt mit Klischees gebrochen werden. So habe eine Klausur kürzlich von einer Verwaltungsbeamtin gehandelt, die einen Baum mit der Motorsäge fällen musste.

Langsam scheint das Bewusstsein zu wachsen: Egal ob an den Fakultäten in München, Erlangen oder Frankfurt - alle, mit denen man spricht, möchten die Studie zumindest verbreiten. Auch Martin Groß, Präsident des Gemeinsamen Justizprüfungsamts von Berlin und Brandenburg, sagt, er werde den Befund zum Anlass nehmen, in seinem Mitarbeiterstab für Sensibilität zu werben, denn: "Wir wollen von unseren Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie die gesellschaftliche Auswirkung von Recht und Rechtsanwendung im Blick behalten." Und das könne nur glaubwürdig beanspruchen, wer dafür sorgt, dass die gesellschaftliche Realität auch in den eigenen Ausbildungsfällen abgebildet wird.

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