Stipendienprogramm vom Unternehmensberater Die Multimillionäre sind oft zugeknöpft

Der Mentor entwickelt mit dem Stipendiaten, deren Eltern und Lehrern individuelle Förderpläne. Sie ermuntern zum Sport, zur Musik, zur Kunst. In den Ferien und an den Wochenenden gibt es für die Stipendiaten zudem Seminare, in denen sie zum Beispiel etwas über gute Ernährung lernen, über Werte, über Rhetorik. Sie machen zusammen Sport und Musik oder üben gemeinsam, wie jüngst an der Dresdner Semperoper, ein großes Bühnenstück ein, "Das Konzert der Tiere" von Erich Kästner, und führen es auf.

Dieses Programm ist nicht billig, denn Berger bietet seinen Zöglingen mehr als andere Bildungsstifter. Sein Stipendium nennt sich entsprechend "Deutsches Schülerstipendium". Deshalb reichen die Zinsen, die das Stiftungsvermögen von 50 Millionen Euro abwirft, auch nicht aus, um den jährlichen Etat der Stiftung zu decken. Berger versucht daher regelmäßig weitere Spenden einzuwerben.

Bei Firmen ist er oft erfolgreich. Wenn der Multimillionär Berger bei anderen Multimillionären vorspricht und um eine Gabe aus dem Privatvermögen bittet, erfährt er aber oft Ablehnung. "Man trifft da auf ziemlich viele zugeknöpfte Taschen", sagt er. Manchmal bekommt er gar zu hören, er verderbe mit seiner großzügigen Spendertätigkeit die Preise. Will heißen: Er tue zu viel des Guten.

Der Stifter Berger trifft aber noch auf eine andere Form der Skepsis, weil er vielen Menschen als der kalte Sanierer gilt, als jemand, der Firmen auf Effizienz trimmt, was am Ende auch heißen kann, dass die Zahl der Arbeitsplätze in ein Unternehmen nicht steigt, sondern sinkt. So einer wie er wolle sich doch mit seiner Stiftertätigkeit bloß einen guten Anstricht geben. Berger weiß das. Er räumt ein: "Manchmal ist es mit meinem Namen sogar schwerer, Gutes zu tun." Doch das ficht ihn nicht an. Er macht trotzdem weiter. Unermüdlich. Sammelt Geld. Sammelt Erfahrungen. Und freut sich, wenn seine Stipendiaten den Übertritt aufs Gymnasium geschafft haben oder das Abitur in Händen halten.

Roland Berger sagt, er habe als Kind "Glück gehabt mit meinem Elternhaus und viel menschliche Zuwendung erfahren". Seine Eltern hätten ihm unglaublich viel gegeben, und das habe seine Persönlichkeit geformt. Nun, in der immer noch umtriebigen, aber etwas ruhigeren Endphase seines Berufsleben, hat er das Ziel, junge Menschen "in ihrer ganzen Persönlichkeit zu fördern, was automatisch dazu führt, dass sie später auch einen Beitrag zur Gesellschaft leisten." Und wenn man ihn sieht im Kreis der Stipendiaten, wie er mit ihnen genauso ernsthaft plaudert wie mit Konzernchefs, dann sieht man, wie sehr er in dieser Rolle aufgeht.

Aber will er, dass am Ende dabei lauter kleine Unternehmensberater herauskommen? Um Himmels Willen, nein. Berger ist ein Schöngeist, er liebt die Musik, die Oper, die Malerei. Wenn aus seinen Stipendiaten am Ende erfolgreiche Künstler würden, vielleicht auch Lebenskünstler, dann würde er sagen: Es hat sich gelohnt!