Stipendienprogramm vom Unternehmensberater Berger kennt das Leben in Not

Und weil Roland Berger weiß, was ein Leben in Not bedeutet, weil er im Zweiten Weltkrieg aufgewachsen, in Trümmern und bisweilen ohne seinen Vater, der immer wieder von der Gestapo verhaftet wurde und zeitweise im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war - deshalb hat er sich zum Ziel gesetzt, Kindern aus Problemvierteln und sozial schwachen Familien zu helfen. Kindern in Not. Als Stifter vergibt er Stipendien, mittlerweile 500, an Schüler, die es sonst vermutlich nicht schaffen würden, weil sie keinen Rückhalt daheim haben, weil sie aus armen Verhältnissen kommen, aus bisweilen zerrütteten Elternhäusern, oft aus Familien mit Migrationshintergrund.

Berger will ihnen bei ihrer Schullaufbahn helfen, ihnen eine Chance geben, sie begleiten auf ihrem Weg heraus aus einer Welt, die vielfach bestimmt wird von der Arbeitslosigkeit der Eltern, von Hartz IV und dem, was Pädagogen gern als Bildungsferne bezeichnen. Er wolle, sagt Berger, "der offensichtlichen Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen und dabei helfen, jedes Talent zu mobilisieren, weil jeder Mensch für die Gesellschaft wichtig ist". Er wolle die soziale Schieflage in diesem Land "ein bisschen positiv beeinflussen".

Roland Berger macht dies mit der Zielstrebigkeit und Konsequenz, die ihn zu einem der einflussreichsten Unternehmer der Republik hat werden lassen, zum Berater, der den Bossen der Dax-Konzerne erklärt, wie sie ihre Unternehmen zu führen haben. Er ist die Gründung der Stiftung so angegangen, wie seine Berater die Sanierung eines maroden Betriebs angehen: mit einem klaren definierten Businessplan, einer Bilanz und sauber umrissenen kurz- und mittelfristigen Zielen.

In der Firmenzentrale von Roland Berger Strategy Consultants, in den gläsernen, 37-stöckigen Highlight Towers im Münchner Norden, hat er ein Büro einrichten lassen, das die Infrastruktur der Unternehmensberatung nutzen kann; der Stiftung hat er mit Regina Pötke, der ehemaligen Leiterin eines großen Gymnasiums, eine engagierte Vorstandsfrau verschafft; und er hat seine Kontakte spielen lassen zur Politik. Er hat für sein Projekt bei Ministerpräsidenten und Kultusministern geworben, und mit dem Segen der Politik hat die Stiftung dann alle Schulen in den jeweiligen Bundesländern angeschrieben und ist auf die Suche nach Stipendiaten gegangen.

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Wer bei Roland Berger ein Stipendium bekommen will, muss besondere Begabungen und Interessen mitbringen, eine Empfehlung des Lehrers und sich in zwei Juryrunden inklusive Vorstellungsgespräch behaupten, aber wer es dann geschafft hat, der bekommt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem auch einen Mentor an die Seite. Dieser Mentor ist eine Art Coach, der den Stipendiat anruft, wenn es um die Schule geht oder um andere Nöte; der mit ihm Ausflüge macht, ins Theater, ins Museum, ins Fußballstadion, in den Englischen Garten.

Denn, so erzählt Berger, "es gibt 13- oder 14-Jährige, die ihr Stadtviertel noch nie verlassen haben und die das bürgerliche Leben sonst wahrscheinlich nie kennenlernen würden". Die Mentoren werden von der Stiftung ausgesucht; Studenten sind ebenso darunter wie Firmenchefs, Banker ebenso wie Berater von Roland Berger, aber auch Architekten oder pensionierte Lehrer.