Stipendienprogramm vom Unternehmensberater Nachhilfe vom Multimillionär

Er ist der einflussreichste Unternehmensberater der Republik und deshalb nicht unumstritten - doch nun, nachdem er viele Millionen verdient hat, will er vor allem Gutes tun: Roland Berger vergibt Stipendien an Schüler aus armen Familien. Er will, dass auch sie eine Chance bekommen - so wie er selbst.

Von Ulrich Schäfer

Da stehen sie nun also, der Olli und der Herr Berger, hoch oben in einer Sponsorenloge der Fröttmaninger Arena, und sprechen über Siege und Niederlagen. Da unten, sagt der Olli, und zeigt auf das Tor direkt unterhalb der Tribüne, hat der Bastian Schweinsteiger im Champions-League-Finale beim Elfmeterschießen nur den Pfosten getroffen.

Als Stifter vergibt Roland Berger Stipendien an Schüler, die es sonst aus verschiedenen Gründen vermutlich nicht schaffen würden.

(Foto: Astrid Schmidhuber)

Der Olli weiß, wie man sich fühlt in solch einem Moment, allein vor Zehntausenden von Zuschauern im Stadion und Millionen an den Fernsehschirmen. Auch er hat solche Momente durchlitten. Und ist trotzdem wieder aufgestanden. Niederlagen und Rückschläge, sagt auch Herr Berger, seien Teil des Lebens: "Danach muss man wieder an sich glauben, an sich arbeiten." Es gehe darum, ruft er seinen Zuhörern zu, "das ihr das aus euch macht, was in euch steckt".

Die 30 Kinder und Jugendlichen, bayerische Schüler zwischen sieben und 18 Jahren, folgen den Ausführungen der beiden Männer gebannt. "Du packt es!", heißt das Seminar, das sie hier besuchen. Den Olli kennen die Kinder und Jugendlichen alle. Oliver Kahn. Der Torwart-Titan. Einst Torhüter beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft. Die Mädchen und Jungen wissen, wie Kahn sich fürchterlich ärgern kann nach Niederlagen und wie er sich freuen kann nach einem Sieg.

Aber was der Herr Berger so macht, dieser ältere, sonnengebräunte Mann mit den grauen Haaren und dem freundlichen Lachen? Da wissen die meisten nicht so genau. Reich ist er, gewiss. Sehr reich. Und ihm gehört ein Unternehmen, das anderen Unternehmen sagt, was sie machen sollen. Aber so richtig verstehen die meisten nicht das Geschäft, das der Herr Berger betreibt. Ist ihnen ja auch egal. Sie sind ihm einfach dankbar, dass er ihnen das Motivationsseminar mit Olli Kahn ermöglicht. Und dass er ihnen auch sonst hilft mit all dem Geld, das er verdient hat.

Denn Roland Berger, geboren 1937 in Berlin und seit diesem Donnerstag 75 Jahre alt, ist nicht bloß Firmengründer und politischer Berater, unternehmerischer Tausendsassa und gesellschaftlicher Strippenzieher. Der Mann, der noch während des Studiums mit einer Wäscherei im Münchner Stadtteil Bogenhausen begonnen und später dann die größte deutsche Unternehmensberatung aufgebaut hat, ist in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten Stifter Deutschlands geworden. 50 Millionen Euro hat er vor fünf Jahren aus seinem Privatvermögen genommen und damit eine nach ihm selbst benannte Stiftung dotiert. Es kann gut sein, dass er demnächst weitere 50 Millionen Euro, vielleicht sogar 100 Millionen Euro in die Roland Berger Stiftung stecken wird, getreu dem englischen Motto, das er gern zitiert: "You learn, you earn, you return."

Roland Berger ist jetzt in der dritten Phase seines Lebens angekommen. Er hat als Schüler in Landshut, München und Nürnberg und als Student in München und Hamburg erst viel gelernt. Danach hat er von 1967 bis 2003 die von ihm gegründete Unternehmensberatung geleitet und sehr viel verdient. Regelmäßig taucht er in der Liste der vermögendsten Deutschen auf und als "living brand", als lebende Marke seines Unternehmens, ist er immer noch viel unterwegs, gerade in Asien. Aber nun, in Phase drei seines Lebens, will er vor allem Gutes tun: Er zahlt zurück, wie er das nennt, und hat dazu 2008 die Stiftung gegründet.