Software zur Plagiat-Erkennung Wider das Abschreiben

Es geht wieder los an den Hochschulen der Republik: Studenten recherchieren für ihre Abschlussarbeiten. Doch schreibt tatsächlich noch jeder selbst? Nach den Plagiatsaffären des vergangenen Jahres sind die Institute misstrauisch geworden - und setzen auf Software zur Erkennung von Betrügern.

Von Sebastian Ehm

Jedes Semester geht das Spiel von vorne los: Studenten an den Hochschulen müssen einige ihrer Lehrveranstaltung mit wissenschaftlichen Arbeiten beenden. In Bayern studieren derzeit mehr junge Leute als je zuvor - etwa 320.000 sind immatrikuliert. Damit haben die Lehrenden jede Menge Seminar- und Abschlussarbeiten zu lesen. Und: Jedes einzelne Schriftstück muss ganz genau auf Einzigartigkeit überprüft werden.

Denn: Kaum ein Student erfindet ein Thema neu - und so kann sich kein Dozent sicher sein, dass nicht das Internet zu Hilfe genommen wird. Auf einschlägigen Seiten veröffentlichen unbekannte Autoren ihre Werke, für vergleichsweise wenig Geld kann man sich dort dann fertige Arbeiten herunterladen. Für manche Studenten sind solche Portale und das Internet ganz generell ein riesiger Fundus an Ideen. Und eine Versuchung, der sie nicht widerstehen können.

Um betrügerisches Abschreiben aufzudecken, kommt an deutschen Hochschulen schon seit einiger Zeit Software zum Aufspüren von Plagiaten zum Einsatz. Das bekannteste dürfte "Turnitin" sein, der Weltmarktführer aus den USA, der diesen Dienst seit einigen Jahren anbietet und mittlerweile eine riesige Datenbank aus wissenschaftlichen Texten aufgebaut hat. Auch von deutschen Firmen werden Programme angeboten. Verwendet werden unter anderem "PlagiarismFinder" und "PlagScan". Die Funktionen sind bei allen Programmen ähnlich. Die Software sucht Internet und Datenbanken (sofern vorhanden) nach Wortgruppen ab, die eine Ähnlichkeit mit dem eingegebenen Text haben. Anschließend wird ein Bericht erstellt, in dem alle gefundenen Verdachtsfälle aufgelistet sind.

Verwendung in Bayern

Auch an den bayerischen Hochschulen kommen die Programme zum Einsatz. Anders als etwa in Großbritannien wird im Freistaat allerdings nicht ein einziges Programm für alle Studiengänge verwendet. Nicht einmal für jede Universität oder sogar Fakultät gibt es ein einheitliches Programm. Das Thema Plagiatssoftware wird dezentral geregelt. Jedes Institut ist auf sich allein gestellt. Die einen entscheiden sich für, andere gegen eine flächendeckende Verwendung. Wieder andere liegen genau dazwischen und überlassen den Lehrbeauftragten die Entscheidung. Warum nimmt man nicht, wie in England, ein zentrales Programm für alle bayerischen Universitäten?

"Das macht wenig Sinn", meint Stefan Jablonski, Professor für Informatik an der Universität Bayreuth, "die Plagiatsfälle sind oftmals fachspezifisch. Beispielsweise sind Plagiatsfälle von Informatikern ganz anders geartet als in anderen Fachdisziplinen." Das Problem bei der Verwendung einer einheitlichen Software sei auch die "Immunisierung gegen dieses eine Programm", meint Bernhard Goodwin, Geschäftsführer des Instituts für Kommunikationswissenschaften und Medienforschung an der LMU (IfKW). Die Studenten könnten sich so bayernweit gegen eine Software wappnen. Das führe deren Sinn ad absurdum.