Schule Korrigieren Lehrer immer fair?

Lehrer müssen beim Korrigieren auf viele Dinge achten.

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Beim Bewerten von Schulaufgaben lassen sich Lehrer von persönlichen Antipathien leiten, fürchten manche. Zwei Lehrkräfte erzählen, wie sie sich um Vergleichbarkeit bemühen.

Von Matthias Kohlmaier

Die Leserfrage

Meine Tochter besucht die 10. Klasse eines Gymnasiums in Bayern. Ich denke aber, dass meine Frage auch für andere Schulformen und Bundesländer relevant ist. Es geht mir darum, wie Lehrer Klassenarbeiten korrigieren und ob es dabei immer gerecht zugehen kann. Gerade in Deutsch oder Kunsterziehung scheinen mir die Zensuren manchmal vollkommen willkürlich gewählt.

Wie sehen die Vorgaben beim Korrigieren für Lehrkräfte aus? Und wie stellen sie sicher, dass sie bei einer Schulaufgabe mit 30 Schülern von der ersten bis zur letzten Aufgabe alle gleich bewerten?

Die Antwort

Viele klare gesetzliche Vorgaben haben Lehrer bei der Korrektur nicht zu beachten. Im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) werden sie etwas schwammig dazu angehalten, "unter Wahrung der Gleichbehandlung aller Schülerinnen und Schüler in pädagogischer Verantwortung der Lehrkraft" die Leistungen zu bewerten.

Für eine ordentliche Korrektur ist also zu großen Teilen jede Lehrkraft selbst verantwortlich. Bevor sie eine Klassenarbeit schreiben, formulieren Lehrer einen sogenannten Erwartungshorizont: Welche Antwort muss auf welche Frage folgen, damit der Schüler die volle Punktzahl bekommt? Und trotzdem gibt es beim Korrigieren nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau - Grenzfälle, bei denen immer wieder neu entschieden werden muss, wie sie zu bewerten sind. Zwei Lehrer aus verschiedenen Fachbereichen erzählen, wie das bei ihnen abläuft:

Die Mathelehrerin

"In Mathe ist das Korrigieren deutlich weniger komplex als zum Beispiel in Deutsch oder den modernen Fremdsprachen. Ich erstelle vor jeder Schulaufgabe einen Erwartungshorizont, in dem die verschiedenen Rechenwege abgebildet sind und genau steht, wie viele Punkte es für welchen Rechenschritt gibt. Da entstehen bei der Korrektur kaum problematische Fälle. Damit es vergleichbar bleibt, korrigiere ich zudem aufgabenweise, bewerte also zuerst bei allen Schülern nacheinander die erste Teilaufgabe, dann die zweite und so weiter.

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Um die Leistungen von Schülern auch klassenübergreifend möglichst gerecht beurteilen zu können, schreiben wir an meiner Schule auch häufig in Parallelklassen zeitgleich Schulaufgabe. Gestern haben wir in fünf neunten Klassen die gleiche Arbeit geschrieben, die danach jeder der zuständigen Lehrer anhand des gleichen Erwartungshorizonts korrigiert. Da bleibt eigentlich kein Spielraum mehr für ungerechtfertige Zensuren."