Studium Doppelt forscht besser

Gemeinsam auf dem Campus: Das Frankfurter Wissenschaftlerpaar Christiane und James Thompson mit Job-Koordinatorin Marlar Kin (von links).

(Foto: Uwe Dettmar)

Wissenschaftler müssen weltweit mobil sein, Karrierewege sind meist verschlungen. Deshalb unterstützen viele Unis Ehepartner von Professoren bei der Jobsuche. Ein Besuch bei den Thompsons in Frankfurt.

Von Johann Osel

Lernen sich eine Deutsche und ein Amerikaner an einer Universität im US-Staat Illinois kennen, verlieben sich, gehen dann gemeinsam in ihr Heimatland; nach Wuppertal zum Beispiel und nach Halle, zwischendurch gibt es Aufenthalte in der Schweiz und in Belgien - und die beiden landen schließlich in Frankfurt am Main. Das klingt fast wie der Beginn eines Witzes, die Pointe wäre wohl, dass Wissenschaft heutzutage Mobilität erfordert, weltweit oder zumindest innerhalb eines Landes. Es ist aber die Geschichte eines echten Paares, der Pädagogik-Professorin Christiane Thompson und des promovierten Philosophen James Thompson.

Solche Karrierewanderungen sind nichts Ungewöhnliches in der Forschung. Eher ein neuer Trend ist aber, wie die Eheleute in Frankfurt angekommen sind; wie dort James Thompson, als seine Frau einen Ruf an die Goethe-Universität bekam, seinen neuen Job fand. Die "Dual-Career"-Stelle der Hochschule half ihm. Den Service für solche Doppelkarrieren leisten sich längst nicht alle Unis - aber es werden mehr.

Vor fünf Jahren haben sich die zuständigen Mitarbeiter an Universitäten zu einem bundesweiten Netzwerk vereint, kürzlich kamen sie zu einer Jubiläumsfeier zusammen. Und sie stellten fest: Wurde das Netzwerk 2010 noch von 20 Dual-Career-Stellen gegründet, ist es jetzt auf 37 Mitglieder gewachsen, bundesweit gibt es insgesamt sogar 45 Stellen an Unis. Hinzu kommen weitere Angebote an Fachhochschulen und Privatuniversitäten.

Das Prinzip, das aus der freien Wirtschaft stammt, funktioniert offenbar ganz gut. "Wichtig ist: Man kommt nicht als Bittsteller. Natürlich kann ich auch nicht zaubern und schnell passende neue Stellen schaffen, sondern ich muss in den Netzwerken in der Region die Möglichkeiten sondieren und kann dann die Kontakte herstellen", sagt Marlar Kin. Sie ist die Sprecherin des bundesweiten Netzwerks - und die Karriere-Ermöglicherin an der Universität Frankfurt, sie begleitete James Thompson.

Ein Treffen im Campus-Café an der Goethe-Uni, das den Namensgeber ein bisschen zu sehr betont, Gretchen-Frühstück mit Croissant, Erlkönig-Salat mit Rinderhack. Das Ehepaar Thompson hat es nicht weit, sie kommt vom Uni-Institut für Erziehungswissenschaft herüber, er vom Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte - dort arbeitet James Thompson nun. Seine Frau hatte in den Berufungsverhandlungen auf das Thema Familie hingewiesen. Fernbeziehung? Keine Option, die beiden 43-Jährigen haben ein Kind. "Es wurde in der Wissenschaft lange nicht im Entferntesten mitgedacht, dass der oder die Person, die neu an eine Hochschule kommt, nicht nur wissenschaftlich arbeitet, sondern auch ein Leben hat", sagt die Professorin.