Mobilität von Lehrern Lehrerjahre sind nun Wanderjahre

Die nervigsten Lehrer-Typen

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Abschlüsse wurden nicht anerkannt, Fächerkombinationen waren unerwünscht: Bisher konnten Pädagogen nur schwer einen Job in einem anderen Bundesland finden. Das soll sich nun ändern. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entscheidung der Kultusminister.

Von Roland Preuß

Es klingt nach der Entscheidung, auf die Tausende Lehrer gewartet haben: sie sollen künftig leichter zwischen den 16 Bundesländern wechseln können. So hat es die Konferenz der Kultusminister (KMK) am Donnerstag beschlossen. Dies wäre eine deutliche Verbesserung für viele Pädagogen. Die Ministerrunde hatte allerdings schon früher Erleichterungen angekündigt, die dann nur teilweise erfüllt wurden. Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem Beschluss.

Wer profitiert von der Entscheidung?

Die Einigung dürfte insbesondere angehenden Lehrern, die ihren Master oder das Erste Staatsexamen in der Tasche haben, das Leben erleichtern. Sie können sich bundesweit mit deutlich weniger Einschränkungen für den sogenannten Vorbereitungsdienst (auch Referendariat) bewerben, also eine Stelle an einer Schule, welche die Ausbildung an der Universität ergänzt. Das gleiche gilt für fertige Referendare. Aber auch der Abschluss von Lehrern, die bereits eine Stelle haben, wird bei einem Umzug leichter anerkannt. Zudem sollen die zulässigen Fächerkombinationen vereinheitlicht werden, was Studenten den Wechsel zwischen Hochschulen verschiedener Ländern erleichtern könnte. "Ansonsten wird der Wechsel im Lehramtsstudium allerdings nicht leichter, etwa zwischen Bachelor-Abschluss und Master", sagt Martin Jungwirth, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerbildung der Universität Münster.

Um wie viele Betroffene geht es?

Dazu ist bislang nur wenig bekannt. Die KMK schätzt, dass jedes Jahr allein vor und nach dem Referendariat etwa 6000 bis 9000 Pädagogen das Bundesland wechseln. Bei etwa 700 Wechselwilligen wurde demnach der Antrag abgelehnt. Nach einer Untersuchung des Stifterverbandes wechselt etwa jeder fünfte Lehramts-Absolvent für das Referendariat das Bundesland.

Was sind bisher die Haupthindernisse für einen Umzug?

Jedes Land hat seine eigenes Modell von Schulformen und Studiengängen entwickelt. Mal wird nur für die Grundschule ausgebildet, mal für die Klassenstufen eins bis zehn. Bundesweit gibt es zudem mehr als 100 verschiedene Typen von weiterführenden Schulen. Dementsprechend passt bei einem Umzug die Ausbildung oft nicht mehr auf die Stelle im neuen Bundesland. Die Abschlüsse von Lehrern werden deshalb oft nicht anerkannt, weil sie die Schulbehörde als nicht gleichwertig ansehen. Ein Hindernis sind auch Fächerkombinationen, die unerwünscht sind - oder Fächer, die es nur in einzelnen Bundesländern gibt. Schon die Abschlüsse selbst sind unterschiedlich: In acht Bundesländern beenden Lehrer mit Bachelor und Master, in vier Bundesländern wird weiterhin das Erste Staatsexamen verlangt.

Was ändert sich konkret?

Es gibt künftig deutlich weniger Gründe für die Länder, einen auswärtigen Stellenbewerber abzulehnen. Jeder, der einen Masterabschluss oder das Erste Staatsexamen mitbringt, kann sich künftig in jedem Bundesland gleichberechtigt für das Referendariat bewerben. Ein Absolvent aus Rheinland-Pfalz muss also nicht mehr fürchten, in Bayern zunächst einmal Studieninhalte oder Prüfungen nachholen zu müssen. "Der Zugang zum Vorbereitungsdienst verbessert sich damit deutlich, die Kleinstaaterei wird weniger", sagt Jungwirth. Hat jemand das Referendariat erfolgreich abgeschlossen, soll er sich ebenfalls bundesweit gleichberechtigt um eine Stelle bewerben können.

Welche Einschränkungen bleiben bestehen?

Es wird weiterhin nicht möglich sein, das Referendariat in einem Land zu machen, in dem das studierte Fach gar nicht angeboten wird, beispielsweise Niederländisch in Baden-Württemberg. Zudem haben Bayern und Hessen Sonderregelungen durchgesetzt: Sie wollen weiterhin nur diejenigen Bewerber als Referendare nehmen, die passende Fächerkombinationen haben. Grund- und Hauptschullehrer müssen zum Beispiel Deutsch und Mathematik studiert haben. Immerhin: eine weitere Harmonisierung soll geprüft werden, dann könnte diese Hürde entfallen.

Wird sich diesmal die Lage der Lehrer wirklich verbessern?

Die Probleme umziehender Lehrer beschäftigen die KMK schon lange, vor acht Jahren einigte man sich bereits auf "Eckpunkte für die gegenseitige Anerkennung". Der jetzige Beschluss ist allerdings viel konkreter und mit einer Frist versehen. Die Kultusminister haben verbindlich vereinbart, bis Ende dieses Jahres Vorschriften auf den Weg zu bringen und hierzu sogar "Musterformulierungen" festgehalten. Zudem unterwerfen sie sich selbst einer Erfolgskontrolle: Jedes Jahr soll ein Bericht über die Früchte des Beschlusses veröffentlicht werden.

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