Leistungsstudien Wettstreit der Grundschüler

Timss und Iglu: Diese internationalen Studien bewerten die Leistung von Grundschülern in Mathe und beim Lesen. Am Dienstag werden die aktuellen Ergebnisse bekannt gegeben - und die große Frage ist: Wie schneiden die deutschen Grundschüler ab?

Von Roland Preuß

Es dürfte schwierig werden dieses Mal. Der Kreis der teilnehmenden Staaten ist deutlich größer geworden, und auch der Pisa-Sieger Finnland ließ sich diesmal auf den Wettkampf ein. Die Rede ist von Tims und Iglu, den großen internationalen Studien zum Leistungsvergleich von Grundschülern. Tims testet die Fähigkeiten von 600.000 Viertklässlern aus 63 Ländern in Mathematik und in den Naturwissenschaften.

Die Schwesterstudie Iglu steht für "Internationale Grundschul-Leseuntersuchung" und prüfte im vergangenen Jahr 300.000 Viertklässler aus 49 Staaten auf ihr Lese- und Verständnisniveau. An diesem Dienstag sollen die Ergebnisse offiziell vorgestellt werden. Die Grundschulen rücken damit in den Mittelpunkt der Bildungsdebatten. Iglu ist ein Projekt der internationalen erziehungswissenschaftlichen Vereinigung IEA.

Bei den vergangenen Untersuchungen von 2006 und 2007 hatte Deutschland überdurchschnittlich abgeschnitten - die Viertklässler zählten mit dem elften (Iglu) und dem zwölften (Tims) Platz zum oberen Leistungsdrittel, eine Aufschlüsselung nach Bundesländern attestierte Thüringen sogar, beim Lesen zusammen mit Russland und Hongkong an der Weltspitze zu stehen. Die Grundschule sei die beste Schule in Deutschland, hieß es damals mit Blick auf das eher mäßige Abschneiden deutscher Jugendlicher bei der Pisa-Studie.

Nun ist die Frage: Haben deutsche Grundschüler sich weiter gesteigert oder wenigstens das Niveau gehalten? Wie gut gehen die Schulen mit der immer unterschiedlicheren Klientel in den Klassen um, vor allem mit Migrantenkindern? Und wie erfolgreich sind sie darin, Nachteile von Armut oder einem bildungsfernen Elternhaus auszugleichen?

Gerade beim letzten Punkt hatten die Forscher bei der Iglu-Studie von 2006 Defizite festgestellt. In der Grundschule ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen besonders stark. Demnach hat zum Beispiel das Kind eines Arztes bei gleicher Intelligenz und Leistung eine zweieinhalb mal höhere Chance auf eine Gymnasiallaufbahn als ein Arbeiterkind. Das liegt auch an den Eltern und deren Willen, das Kind aufs Gymnasium zu schicken. Migranten-Kinder konnten deutlich schlechter lesen als Schüler aus einheimischen Familien, Staaten wie die USA oder Kanada erzielten hier bessere Ergebnisse.

Auffällig war bei Iglu 2006 außerdem, dass es in Deutschland nur wenige sogenannte Spitzenleser gibt, also Schüler, die Texte hervorragend lesen und verstehen können. Ihren Anteil von elf Prozent eines Jahrgangs müsse dringend erhöht werden, forderten die Iglu-Autoren, er sei "unbefriedigend". Das liegt wesentlich an den Eltern, die das Lesen vor und in der Grundschule zu wenig fördern. Hier liegt Deutschland bisher überraschenderweise unter dem internationalen Mittelwert. An den Schüler liegt das nicht: Ihnen attestiert Iglu nach den Russen die international größte Lust am Lesen.

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