Insolvenz für Hochschule Pleite einer Kaderschmiede

Gesine Schwans "Humboldt-Viadrina School of Governance" ist insolvent. Die Pleite offenbart ein Grundproblem solcher Fantasie-Hochschulen: Das Geld der Mäzene wäre in bestehenden Universitäten wohl besser angelegt.

Von Johan Schloemann

Wenn es gesellschaftliches und privatwirtschaftliches Engagement für die Ausbildung künftiger Eliten gibt - warum nur muss dieses Engagement immer aus den großen deutschen Universitäten herausgetragen werden? Anstatt in diese hinein? Diese Frage stellt sich angesichts der Nachricht, dass die "Humboldt-Viadrina School of Governance" in Berlin jetzt Insolvenz angemeldet hat.

Überhaupt erst seit dem Wintersemester 2009/2010 bietet diese School, symbolträchtig in der Berliner Wilhelmstraße residierend, eine berufsbegleitende Ausbildung zum "Master of Public Policy" an. Die Absolventen sollen "für bessere Demokratie" tätig werden und zu diesem Zweck "Schlüsselfähigkeiten für ein erfolgreiches Umsetzen von Politikentwürfen" vermittelt bekommen.

Gesine Schwan, Politikwissenschaftlerin und frühere Präsidentschaftskandidatin, leitet die Einrichtung seit 2010. Am vergangenen Freitag nun erklärte Schwan in einer Pressemitteilung: "Die derzeit sehr schwierige finanzielle Situation lässt leider keine andere Wahl, als eine Insolvenz zu beantragen. Gleichzeitig bemühen wird uns unermüdlich um den Fortbestand der School."

Der Lehrbetrieb für derzeit 58 Studierende aus vierzehn Ländern soll weitergeführt werden, während neue Geldgeber gesucht werden. Auch ein Ort der politischen Debatte, so hofft Gesine Schwan, soll das Haus, das vom Land Berlin gemietet wird, bleiben.

Sehr gut gemeint und von ehrenwerten Personen betrieben

Die Berliner Humboldt-Universität und die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder kooperieren mit dieser "School of Governance" und leihen ihr ihre Namen. Aber sie finanzieren sie nicht. Der Betrieb muss sich durch hohe Studiengebühren, Spenden und Drittmittel tragen; Governance heißt ja schließlich auch: gute Buchführung. Damit ist angedeutet, was der Konstruktionsfehler dieser und ähnlicher Aus- und Neugründungen in der deutschen Hochschullandschaft der letzten Jahre sein könnte.

Allein in Fußnähe der Humboldt-Universität gibt es auch noch eine private "European School of Management and Technology", die von großen Unternehmen gefördert wird, sowie, offenbar bislang erfolgreicher als die Konkurrenz von Gesine Schwan, die "Hertie School of Governance", die ebenfalls einen "Master of Public Policy" anbietet.

Unabhängig davon, wie sinnvoll und kommerziell tragfähig diese Projekte sind - die "Humboldt-Viadrina School" ist sehr gut gemeint und wird von ehrenwerten Persönlichkeiten betrieben -, es bleibt das Problem, dass das (erhoffte) mäzenatische Geld aus der Wirtschaft wohl besser in die bestehenden Universitäten investiert werden sollte als in neue Fantasie-Institutionen. Im großen Fächerkanon ließe sich vielleicht auch besser darüber disputieren, ob man Regieren überhaupt im Unterricht lernen kann.