Flüchtlinge Integration für 20 Euro pro Stunde

Lernen mit dem Buch "Deutsch im Alltag", hier in einem Kurs in Halle.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
  • In einem neuen Integrationspapier der CDU heißt es, man wolle eine bessere Vergütung von Lehrern in Deutsch- und Integrationskursen prüfen.
  • Derzeit arbeiten viele der Lehrkräfte auf Honorarbasis und können kaum von ihrem an sich wichtigen Job leben.
Von Johann Osel und Gianna Niewel

Aglaja Beyes spricht von Wertschätzung, und dass sich diese auch auf dem Lohnzettel bemerkbar machen solle. Die 61-Jährige ist Lehrerin in Integrationskursen und kann viel erzählen von der fordernden Aufgabe. "Ein Mann ist plötzlich aufgestanden, und hat die Geräusche von Maschinengewehren imitiert." Die Klassen könnten außerdem kaum heterogener sein: "Da sitzen minderjährige Flüchtlinge, die keinen Platz an der Berufsschule bekommen haben, neben Senioren über 60; Teilnehmer, die kaum schreiben können, neben welchen mit Studium." Das alles, sagt Beyes, die in Wiesbaden lehrt, sei zunächst nichts Schlechtes. Nur bräuchte es Zeit, sich individuell auf die Menschen einzulassen. Und dafür dann? Kaum Geld.

Die CDU hat am Montag ein Integrationspapier vorgelegt, viele Punkte sind strittig. Einer nicht: Man wolle eine bessere Vergütung von Lehrern in Deutsch- und Integrationskursen prüfen. Neu ist das Thema nicht, steht sogar im Koalitionsvertrag; Initiativen machen seit Jahren vergeblich Lobby-Arbeit. Die Gewerkschaft GEW hat den Lohn mal berechnet: Ein Integrationslehrer verdient 20 Euro pro Unterrichtsstunde, brutto. Meist sind es Akademiker mit einer Zusatzausbildung in Deutsch als Fremdsprache. Als Freiberufler bezahlen sie Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung selbst, erhalten kein Krankengeld. Unterm Strich bleiben weniger als 1000 Euro netto im Monat; für 25 Stunden Lehren pro Woche sowie - unbezahlte - Vorbereitung.

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Es ist ein kompliziertes System, das dahinter steht. Träger der Kurse können sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) anerkennen lassen, sie erhalten gut drei Euro pro Schüler und Stunde. Die Träger wirtschaften selbst, ein Mindesthonorar von 20 Euro ist vorgegeben. Laut Bamf versorgten die Volkshochschulen zuletzt 40 Prozent der Teilnehmer, der Rest ist ein buntes Geflecht etwa aus privaten Sprachschulen oder kirchlichen Einrichtungen.

Sie alle wissen, dass schlecht bezahlte Jobs die Arbeitsmoral und damit die Qualität der Kurse dämpfen. In der Szene klagt man über hohe Fluktuation. "Die Lehrtätigkeit muss angemessen honoriert und die Festanstellungsquote deutlich erhöht werden. Nur so können dringend benötigte Lehrkräfte dauerhaft an die Weiterbildung gebunden werden", sagte kürzlich die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbands. Es ist Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Sie denkt an eine Pauschale von 4,40 Euro pro Schüler. Bislang galt das Thema eher als Beritt der Fachpolitik. Das könnte sich ändern mit dem Partei-Papier.

"Integrationskurse auf Honorarbasis geben, das ist allenfalls okay, wenn man neben dem Studium unterrichtet", meint Lehrerin Beyes. Die meisten lebten jedoch davon. Ein Plus beim Geld reiche nicht aus, dafür sei die Aufgabe zu wichtig. "Die Lehrer sollten ganz normal über die jeweiligen Kultusministerien bezahlt werden, wie Kollegen an staatlichen Schulen auch." Mancherorts werden Träger flexibel, schichten um. Etwa Thüringens Volkshochschulen, die mit Anstellungen beginnen. Gut die Hälfte der Lehrkräfte habe sich auf sicherere Stellen, vor allem an Schulen, beworben.

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