Entzug von Schavans Doktortitel "Die Beweise waren erdrückend"

Jan Scheddler und Timo Steppart

Jan Scheddler und Timo Steppat Eine klare Angelegenheit: Jan Scheddler (links) und Timo Steppart haben über die Doktorarbeit von Annette Schavan mitentschieden.

(Foto: Laura Díaz)

Hinter den Studenten Jan Scheddler und Timo Steppat liegen fünf anstrengende Monate. Sie saßen im Fakultätsrat der Uni Düsseldorf und haben über den Entzug des Doktortitels von Annette Schavan mitentschieden. Wie sie das Plagiatsverfahren erlebt haben.

Von Laura Díaz

Einmal im Monat zur Sitzung gehen, über Renovierungsarbeiten in der Bibliothek sinnieren und die Anwesenheitspflicht für Studenten diskutieren - ergebnislos versteht sich. Darauf hatten sich Timo Steppat und Jan Scheddler eingestellt, als sie am 1. Oktober 2012 den Job als Mitglieder im Fakultätsrat der Universität Düsseldorf antraten. Die gängigen Aufgaben eines Studentenvertreters eben.

Es kam anders: Am Dienstag haben sie zusammen mit der klaren Mehrheit der übrigen 13 Ratsmitglieder Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Doktortitel entzogen. "Sie hat mich fünf Monate meines Lebens gekostet", sagt Jan Scheddler, 22. Er spricht über Schavan wie über eine alte Bekannte. Eine Bekannte, an die man keine gute Erinnerung hat. "Ich bin froh, dass es vorbei ist."

Mit der Entscheidung im Fakultätsrat ist im Leben des angehenden Informationswissenschaftlers wieder Ruhe eingekehrt. Seit Anfang Januar haben sich die Studenten intensiv mit dem Plagiatsfall befasst, Gutachten und Gegengutachten gelesen, Stellungnahmen und Zitierregeln. Plötzlich war da diese große Verantwortung, sagt Steppat.

Misstrauen in der Fakultät

Er studiert im sechsten Semester Sozialwissenschaften, er war kurzfristig in das Gremium nachgerückt - weil zwei Kommilitonen, die vor ihm auf der Liste standen, abgesagt hatten. Keine Zeit, hieß es. Da hatten sie den richtigen Riecher.

Für die Entscheidung arbeitete Steppat stundenlang im Dekanat die Akten durch. Die Stimmung sei angespannt gewesen. Nachdem ein Gutachten des Judaistik-Professors Stefan Rohrbacher, der die Doktorarbeit federführend auf Plagiate prüfte, auf unbekanntem Weg an die Medien gelangt war, machte sich in der Fakultät Misstrauen breit - und auf dem Campus viele Journalisten.

Die bestürmten vor allem Scheddler mit Anrufen und Facebook-Anfragen, er schien der ideale Kandidat zu sein, um an Insider-Informationen zu gelangen. Einen Studenten würde man schon zum Reden bringen, leichter als einen Professor. So wirkte das. "Ich wollte mich vor der Entscheidung aber keinesfalls äußern, weil ich nicht das Verfahren gefährden wollte", sagt Scheddler.

Bald tauchte in einzelnen Medien der Vorwurf auf, Studenten könnten doch wohl kaum über eine Doktorarbeit entscheiden. Eine Unverschämtheit, finden beide. Zu überprüfen war nicht die Qualität der Arbeit, sondern die Einhaltung wissenschaftlicher Standards. "Und die werden uns Studenten schon im ersten Semester eingebläut", sagt Scheddler.