Doktorarbeit von 1980 Anonyme Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Schavan

Ausgerechnet die Bundesbildungsministerin: Ein anonymer Blogger wirft Annette Schavan vor, bei ihrer Dissertation vor 32 Jahren unsauber gearbeitet zu haben. Die Ministerin will aufklären - und fordert den Blogger auf, aus der Deckung zu kommen.

Nach den anonymen Plagiatsvorwürfen gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will sich die Universität Düsseldorf mit dem Fall befassen. Dort wurde Schavan 1980 promoviert. Die Promotionskommission der Uni werde sich bald mit der Doktorarbeit Schavans beschäftigen, teilte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin mit. Für den Nachmittag kündigte die Universität eine Erklärung an.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan sieht sich dem anonymen Vorwurf von Plagiaten in ihrer Doktorarbeit ausgesetzt. Sie soll demnach Quellen nicht immer ausreichend benannt haben.

(Foto: dpa)

In einem Blog werden zahlreiche Stellen aus der Dissertation zitiert. Schavan soll demnach Quellen nicht immer ausreichend benannt haben. Angeführt sind 56 von 325 Textseiten. Teilweise handele es sich um schwerwiegendere Plagiate.

Schavan forderte den oder die Autoren des Blogs auf, sich zu erkennen zu geben. Zugleich versicherte sie, aufklären zu wollen. "Ich habe mir heute diese entsprechende Seite angeschaut, es ist eine anonyme Seite, deshalb ist meine erste Antwort: Wer sich mit meiner Dissertation beschäftigt hat, mit dem bin ich gerne bereit, über diese Dissertation zu sprechen, über das Zustandekommen", sagte sie. Sie gebe gerne jedem Rechenschaft über die Quellen. "Mit anonymen Vorwürfen kann man schwerlich umgehen", betonte Schavan aber.

Die studierte Theologin und Philosophin Schavan wies die Behauptung zurück, in ihrer Arbeit ein Zitat des Kirchenlehrers Thomas von Aquin nicht original zitiert, sondern aus anderen Werken übernommen zu haben. Die heute 56-Jährige promovierte vor 32 Jahren mit der philosophischen Arbeit "Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung"

In den vergangenen Monaten waren mehrere Politiker über Plagiate in ihren Doktorarbeiten gestolpert. So trat Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vom Amt des Verteidigungsministers zurück, nachdem ihm Internet-Nutzer zahlreiche Plagiate nachgewiesen hatten.