Referendar über ersten Unterrichtsversuch Mit Splatter fängt man Mäuse

Laptop und Beamer habe ich bereits am Vortag getestet. Glücklicherweise, denn tatsächlich war ein Kabel defekt, das um acht Uhr morgens nicht so schnell aufzutreiben gewesen wäre. So aber klappt mein ambitioniertes Programm: das Abspielen eines kurzen Films, der Wechsel von Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit - und sogar den Zeitplan kann ich, abgesehen von minimalen Abweichungen, einhalten.

Als ich zwischenzeitlich merke, dass die Konzentration schwindet, warte ich mit detaillierten Schilderungen der Gräueltaten an den mexikanischen Ureinwohnern auf. Mit Splatter fängt man Mäuse. (Liebe Eltern, sehen Sie diese Geschichten einfach als intellektuell stimulierendes Pendant zu Egoshootern.)

"Um ganz ehrlich zu sein, das Thema langweilt mich"

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4. Retardierendes Moment: Lief doch super

Als der Gong die Stunde beendet, bin ich dann doch kurz aufgelöst - denn die Schüler applaudieren spontan. Ich erwäge, Hausmeister Sepp für eine "Siegeszigarette danach" in seinem Kellerkabuff zu besuchen, entscheide mich aber für ein Kaffeepäuschen mit meinen Referendarskollegen im Seminarraum. Auch hier anerkennendes Schulterklopfen, ich habe das gute Gefühl, dass mir die stets geforderte "runde Stunde" gelungen ist.

5. Katastrophe: Seminarlehrerin Loblos

Meine Selbstzufriedenheit währt allerdings nur kurz. In der Nachbesprechung macht mir die Seminarlehrerin - eine Dame um die 50, pfiffig, fordernd, schwer zu durchschauen - deutlich: Beifallwürdig ist mein Unterricht noch lange nicht. Es gilt, unzählige Dinge zu verbessern. Immer mit einem Stift, niemals mit dem Finger auf die Folie zeigen; selbst bei kurzen Texten immer Zeilenangaben dazuschreiben; auch bei den "großen Elftklässlern" mehr Begriffe an die Tafel schreiben.

Den Overhead-Projektor hatte ich ebenfalls ausprobiert - allerdings am Nachmittag vorher. Ein Fehler, wie mir jetzt bedeutet wird. Denn morgens scheint die Sonne nun mal direkt in dieses Klassenzimmer, selbst bei heruntergelassenen Jalousien ist es zu hell im Raum, um die Folien richtig lesen zu können.

Harte Kritik, aber bis hierhin für mich nachvollziehbar. Schwerer tue ich mich, als meine Seminarlehrerin dem widerspricht, was mir jahrelang an der Uni eingebläut wurde. So habe ich beispielsweise gelernt, dass gerade in höheren Klassen die Schüler selbst entscheiden sollen dürfen, ob sie eine Aufgabe lieber alleine oder mit ihrem Banknachbarn bearbeiten wollen. Meine Seminarlehrerin sieht das ganz anders: Als Junglehrer müsse ich darauf achten, immer klare Ansagen zu machen und stets die Zügel in der Hand zu behalten.

Ernüchterung: Habe ich an der Uni gar nichts gelernt? Oder das Falsche? Ich zweifle schon, ob ich das mit dem Unterrichten jemals ordentlich hinbekommen werde, da lächelt meine Seminarlehrerin und sagt ein Wort: "Routine".