Wiederwahl am Freitag Hauptsächlich dagegen

Heimatverbunden und aufbrausend: Gerhard Eck ist umstritten.

(Foto: Gebert/dpa)

Gerhard Eck ist Staatssekretär und Chef der Unterfranken-CSU, aber bekannt ist er nur als wütender Nationalpark-Gegner

Von Christian Sebald

Selbstverständlich hat Horst Seehofer keine Namen genannt, als er sich diese Woche über den Streit um einen dritten Nationalpark in Bayern beklagt hat. "Der Widerstand kommt sehr stark aus der CSU, auch von Abgeordneten", sagte der Ministerpräsident, "das ist betrüblich". Dabei dürfte Seehofer vor allem einen im Visier gehabt haben: den Innenstaatssekretär und Vorsitzenden der Unterfranken-CSU, Gerhard Eck. Den Zeitpunkt der Attacke dürfte Seehofer ebenfalls wohl bedacht haben. Diesen Freitag will sich Eck auf dem Parteitag wieder zum Bezirkschef wählen lassen - im Beisein von Seehofer. "Deutlicher hätte es Seehofer nicht sagen können, dass er nicht gut auf Eck zu sprechen ist", sagt einer, der beide gut kennt. "Gerhard Eck sollte es tunlichst unterlassen, ihn weiter zu reizen."

Gerhard wer? In München ist Gerhard Eck wenig bekannt. Das hat mit seiner Funktion als Innenstaatssekretär zu tun. Als solcher darf er vor allem Schecks für Straßenneubauten überreichen und bei deren Eröffnung die Bänder durchschneiden. Alle anderen Themen sind Sache seines Chefs Joachim Herrmann. Auch als Vorsitzender der Unterfranken-CSU hat sich Eck bisher wenig profilieren können. Denn die Partei hat dort mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm eine so populäre wie prominente Vertreterin, deren Präsenz in jeden Winkel Bayerns strahlt.

Bekanntheit über sein engeres Umfeld hinaus hat Eck bisher einzig als erbitterter Nationalpark-Gegner erzielt. Und zwar lange bevor Seehofer vor einem Jahr erklärt hat, dass er einen dritten Nationalpark einrichten will. Im fränkischen Steigerwald wünschen sich seit zehn Jahren Naturschützer, Lokalpolitiker und inzwischen ein sehr rühriger Verein einen Nationalpark für die urwüchsigen Buchenwälder. Auch Fachleute sagen, die Gegend sei bestens geeignet für ein Schutzgebiet, besser als der Spessart oder die Rhön. Allein Eck und sein Verein "Unser Steigerwald" kämpfen so massiv dagegen, dass die Region seit Langem komplett zerstritten ist - und Seehofer den Steigerwald als Nationalpark-Standort ausgeschlossen hat.

Auf den ersten Blick ist Eck ein durchaus gemütlicher Mann. Der gelernte Bauzeichner und Maurer lebt in Donnersdorf, einem ländlichen 2000-Einwohner-Ort im Landkreis Schweinfurt, direkt am Fuße des Steigerwalds. Im Gemeinderat hat der inzwischen 57-Jährige seine politische Laufbahn gestartet. Später war er Bürgermeister, 1998 zog er in den Landtag ein, 2009 wurde er Innenstaatssekretär, 2011 Chef der Unterfranken-CSU. Viele sagen, Eck habe sich seine Laufbahn hart erarbeitet - mit Fleiß, Heimatverbundenheit und Gespür für die Menschen. "Dank dieser Eigenschaften hat er sich auch im Kabinett ein gewisses Ansehen erarbeitet", sagt einer, der ihn dort fast jede Woche erlebt.

Dieses Ansehen ist freilich nicht ungeteilt - in Franken wie im Kabinett. In Franken hört man immer wieder, Eck verdanke seinen Aufstieg hauptsächlich der Tatsache, dass er zu den wichtigen Zeitpunkten einziger Anwärter für die jeweilige Funktion gewesen sei. "Innenstaatssekretär ist er nur geworden, weil die Unterfranken keinen anderen hatten, als sein Vorgänger Bernd Weiß aus Ärger über Seehofer hingeschmissen hat", sagt ein einflussreicher CSU-Mann. "Beim Bezirksvorsitz war es ähnlich." Andere klagen, dass Eck - gerade in Fragen des Naturschutzes - sehr impulsiv und aufbrausend ist. "Da kann er richtig ungehobelt werden, sogar gegenüber Parteifreunden", heißt es. "Er macht dann vor nichts und niemandem halt." In Franken erinnern sie sich noch gut daran, dass die Mitglieder von Ecks Anti-Nationalpark-Verein bei Kundgebungen lange Zeit komplett schwarz gekleidet aufgetreten sind. "Das war richtig übel, wenn die erschienen sind und ihre Parolen gebrüllt haben", sagt einer, der das oft erlebt hat. Mancher vermutet deshalb, dass sich Eck hinter den Kulissen massiv in die Proteste gegen einen Nationalpark im Spessart oder in der Rhön eingeschaltet hat.

Als Seehofer diese Woche im Kabinett die Entscheidung präsentiert hat, dass die Donau-Auen und die Rhön in die nächste Auswahlrunde kommen, soll er Eck auffällig ignoriert haben. So berichten es Teilnehmer der Sitzung. Nur ganz am Schluss seines Vortrags habe Seehofer den Innenstaatssekretär knapp gefragt, ob auch er mit der Vorlage leben könne. "Eck hat sofort versichert, dass er natürlich dafür sei", sagt ein Teilnehmer. Ob Seehofer Eck dieses Bekenntnis abgenommen habe, sei offen geblieben.