Lektion für die Politik: Der Erfolg des bayerischen Volksbegehrens "für echten Nichtraucherschutz" ist nicht nur eine weitere bittere Niederlage für die CSU. Er zeigt auch: Die Wähler haben genug von den faulen Kompromissen der Politiker.
Der Erfolg des bayerischen Volksbegehrens zum Nichtraucherschutz ist weit mehr als eine weitere bittere Niederlage für die CSU. Es ist eine Lektion von den Bürgern für die gesamte Politik. Sie zeigt, dass die Menschen sich nicht einfach abspeisen lassen mit faulen Kompromissen der Politiker, wenn sie ein Anliegen für wichtig halten. Und ein wirksamer Schutz der Nichtraucher, den die Politik bisher nicht zustande gebracht hat, ist den Menschen so wichtig, dass sie ihn jetzt eben selber in die Hand genommen haben.
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Das Volksbegehren zum Nichraucherschutz war erfolgreich. Mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten in Bayern haben sich für ein strenges Rauchverbot ausgesprochen. (© Foto: ddp)
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Der Erfolg ist umso höher zu bewerten, als die Hürde dafür extrem hoch ist. Ein Zustimmungsquorum von zehn Prozent, das hört sich nach wenig an, es ist aber viel. Für eine Partei, die ins Parlament will, reichen schon fünf Prozent. Die Eintragungsfrist von nur zwei Wochen ist extrem kurz, die Listen liegen in den Rathäusern aus, mit Öffnungszeiten, die Berufstätigen oft nur wenige Möglichkeiten lassen.
Diese Hürde zu überwinden ist schwer, deshalb scheitern auch die meisten Volksbegehren in Bayern. Die Initiative für mehr Nichtraucherschutz hat diese Hürde nicht nur mal gerade so eben genommen, sie hat weit mehr Stimmen gesammelt als notwenig - ein grandioser Erfolg.
Damit sollte endlich die verquere Diskussion um den Nichtraucherschutz in Deutschland beendet werden. Es ist eben keine Frage der Toleranz, wie viele Gegner eines strengen Nichtraucherschutzes immer wieder beklagen. Rauchen, auch Passivrauchen, ist gesundheitsschädlich, das haben unzählige Studien längst bewiesen.
Wer sich durch Rauchen schädigt, entscheidet darüber selbst. Der Passivraucher, der den schädlichen Rauch einatmen muss, hat keine Wahl, er wird gezwungen.
Und das Argument, der Nichtraucher könne ja die Nähe von Rauchern meiden, also auch Kneipen, in denen geraucht wird, stellt das Verursacherprinzip auf groteske Weise auf den Kopf. Nicht der Nichtraucher muss darum bitten, nicht geschädigt zu werden, es muss sichergestellt sein, dass der Raucher nicht andere gegen ihren Willen schädigt. Es geht also nicht um eine möglichst große Bequemlichkeit für die Raucher, es geht um einen möglichst wirksamen Schutz der Nichtraucher. Und dafür ist es durchaus zumutbar, wenn Raucher in einer Kneipe für einen Moment vor die Tür gehen, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Das klappt mittlerweile in vielen Ländern.
Zusammengebrochen ist mit dem überwältigenden Sieg auch die Legende von CSU und FDP. Die CSU hat geglaubt, auch wegen eines strengen Anti-Raucher-Gesetzes bei der Landtagswahl im Herbst 2008 verloren zu haben und die Regelung danach zusammen mit der FDP wieder aufgeweicht. Das war, wie sich jetzt zeigt, politischer Selbstbetrug.
Die bayerische Lebensart ist keineswegs bedroht, wenn man in Gastwirtschaften nicht mehr rauchen darf, ebenso wenig, wie die italienische oder die spanische Lebensart durch ein Rauchverbot Schaden gelitten hat.
Wenn die CSU klug ist, lernt sie aus der Lektion, die ihr die Bürger erteilt haben. Die ersten Äußerungen sprechen indes dafür, dass die Regierung stur bleibt. Dann wird sie eben die zweite schmerzhafte Lektion erhalten, beim Volksentscheid in wenigen Monaten. Der ist nämlich die weitaus einfachere Übung. Dort gibt es kein Quorum, es reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
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(sueddeutsche.de/bica/gba)
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das kennen wir schon: niemand bestreitet, das Passivrauchen schädlich ist - na ja, fast niemand...
aber von der Feststellung bis zur Rauchfreiheit gibt es noch viel Tabak-Lobbyismus!
Ein guter Ansatz wäre, Raucher gezielt zum Aufhören zu bewegen, indem man z. B. höhere Krankenkassenbeiträge für Raucher einführt.
Alle Leute die ich kenne und die für das Bürgerbegehren waren - egal ob Kollegen oder Verwandte - sind nie in Kneipen gegangen und werden auch in Zukunft nicht in Kneipen gehen. Hätte es ein Bürgerbegehren zu Abschaffung von Kneipen gegeben so hätten sie ebenfalls dafür gestimmt.
Ich selbst rauche nicht, bin aber trotzdem in ca. 5 Kneipen Rauchermitglied. Viele Kneipen haben sich mit dem Nichtrauchergesetz arrangiert und müssen schon wieder alles umstellen.
Vor 15 Jahren wurde viel mehr geraucht und niemand hab auf den Gedanken dies verbieten zu lassen. Man kann alles übertreiben!
...aber das neunmalkluge, betroffenheitsfanatische Tamtam auf beiden Seiten, geht mir schon irgendwie auf den Sack. Ich denke die Regelungen vor der letzten Novelle waren doch angemessen. Und das wurde auch von einer halbwegs neutralen Instanz bestaetigt. Fuer alle fundamentalistischen Gegner UND Befuerworter hier nochmal zum Nachlesen:
http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20080806_1bvr319807.html
Dass man in Deutschland immer gleich so harsch formuliert oder sind meine Schweizer Ohren mit Formulierungen wie "und kommen Sie mir nicht mit ..." etwas übersensibel?
Zu Ihrem Nicht- oder Raucherthema: mir ist das völlig gleich, abgesehen davon, dass ich mit dem Rauchen keine Erfahrungen habe...
Stellen Sie sich einfach mal vor Sprachspieler, dass da jemand - ich - so ganz leichtfüssig eine Frage aufgeworfen hat.
Ob Sie mit strikten Regeln Jugendliche schützen werden? Keine Ahnung - möglich.
Ich habe eine ganz andere Einstellung zu Eigenverantwortlichkeit und gar keinebnFundi-Debatten-Ehrgeiz. Ich würde einfach niemals in irgendjemandes Entscheidungen eingreifen - daher: es ist mir vollkommen gleich, ob jemand raucht oder nicht. Also - nur die Ruhe mit mir... :))
... mir erschliest sich die Aufregung ueber ein Verbot nicht.
Ein Nein gegen Minarette ist doch kein Nein gegen die islamische Religionsangehoerigkeit, ein Nein gegen Rauchen an oeffentlichen Orten ist doch kein Nein gegen Raucher - die Menschen koennen privat beten oder rauchen was und wie haeufig sie wollen, die Betonung liegt auf privat! der Schutz des Gemeinwohles hat Prioritaet vor der Moeglichkeit eines einzelnen Individuums, seine persoenlichen Beduerfnisse ausleben, die andere stoeren oder auch gefaehrden, es ist doch egal, ob jemand in der Stadt rasen, sein Auto auf der Strasse waschen oder in einem Cafe rauchen will - es geht halt nicht und Punkt, wo ist das Problem? Wenn jemand wirklich rasen will, kann er gegen wenig Geld auf dem Nuerburgring fetzen, waschen kann man fuer wenig Geld an der Tankstelle und im Englischen Garten kann jemand drei Packungen Rothaendle ohne Filter rauchen, ohne dass sich jemand darn stoeren wuerde; nur Raser haben nichts in der Oeffentlichkeit verloren, oelhaltige Abwaesser gehoeren nicht in die Kanalisation und Raucher haben nichts in einer Lokalitaet verloren, die eine oeffentlichkeitsgueltige Konzession besitzen.
Dass RaucherLokalitaeten aufgrund der veraenderten Rchtslage Pleite gehen koennen, tut mir natuerlich leid - aber das Risiko, das Veraenderungen in einer Gesellschaft negative Konsequenzen fuer Geschaeftsleute haben koennen, ist leider Berufsrisiko, siehe Absatzproblem von z.B. SUVS.
Ich wuerde auch gerne eine Volksentscheid herbei fuehren wollen bzgl. der Frage, ob Raucher einen hoeheren Beitrag zur Krankenversicherung zahlen muessen - sie koennen ja rauchen wie sie wollen, aber es kostet halt extra - warum soll die Gemeinschaft fuer die Krankheitskosten von Rauchern aufkommen, wenn diese Gelder z.B. fuer die bekaempfung von Krankheiten verwendet werden koennten, wie z.B. Tumoren im Kindesalter oder chronische Rueckenleiden?
Natuerlich ware es schoen, wenn eine Gesellschaft mit eine Minimalkonsenz an Gestzen auskaeme - die "Gemeinschaft" ist jedoch so arm an Geist, dass selbst die Menschenwuerde per Gesetz festgelegt werden musste,
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