Verkehr Kiefersfelden und Kufstein kämpfen gegen den Stau - mit einer Ampel

  • In Kufstein und Kiefersfelden kommt es regelmäßig zu langen Staus, weil viele Autofahrer die Vignettenpflicht in Österreich umgehen wollen.
  • Samstags fahren etwa 13 000 Autos durch Kiefersfelden.
  • Nun gibt es eine Ampel, die bei zu viel Andrang schon auf Tiroler Seite auf Rot schaltet.
Von Matthias Köpf

Mit einem größeren Stau rechnen sie für diesen Samstag in Kiefersfelden sowieso. Auf der Staatsstraße durch den bayerischen Grenzort im Inntal staut es sich schon unter der Woche oft und am Wochenende fast immer, genau wie einen guten Kilometer weiter drüben in Kufstein.

Und speziell an diesem Wochenende werden sich wohl auch noch all die Skifahrer auf den Weg machen, die so lang auf Schnee warten mussten und nun endlich losbrettern wollen. Der Stau wird also kommen, glauben sie in Kiefersfelden und in Kufstein. Und weil sie davon allmählich genug haben, setzen die beiden Kommunen dem steten Stau jetzt ihren eigenen Stau entgegen: mit einer Ampel.

Der Vignette entkommen

Seit einem Jahr kassiert Österreich auch auf den ersten Kilometern der Inntalautobahn Maut. Die Folgen davon spüren vor allem die Grenzorte in Bayern - auf den Landstraßen. Die Mautpläne der deutschen Bundesregierung sehen sie deshalb skeptisch. Von Heiner Effern mehr ...

Wie die Ampel funktioniert

Diese "Pförtnerampel" steht zunächst versuchsweise für acht Wintersamstage auf Tiroler Terrain am Ortseingang von Kufstein, und sobald hochgerechnet mehr als 500 Autos pro Stunde vorbeifahren, schaltet sie auf Rot. Dann müssen die Autos erst einmal draußen bleiben aus Kufstein, und dass sie sich dann den einen Kilometer bis zur alten Grenzstation an der Ortsausfahrt von Kiefersfelden zurückstauen werden, ist genau so gewollt. Wird der Stau noch länger, schaltet die Ampel in Kufstein wieder auf Grün.

Am allerliebsten wäre es beiden Orten, wenn sie mit ihrem Stau auch gleich in den Verkehrsmeldungen vorkommen würden. Auf der A 93 sollen dann all die Fahrer, die in die nahen Tiroler Skigebiete unterwegs sind, die Meldung im Radio hören, einander vielleicht kurz anschauen und auf jeden Fall beschließen, dass sie lieber auf der Autobahn bleiben und eben doch die 8,80 Euro für das österreichische Zehn-Tages-Mautpickerl ausgeben, um zügig auf die Piste zu kommen. Die österreichische Autobahnmaut ist aus Sicht des Kiefersfeldener Bürgermeisters Hajo Gruber der Hauptgrund für den täglichen Stau im Dorf.

Eigentlich wäre eine Vignette auf der Autobahn schon seit 1997 nötig gewesen, aber die Österreicher haben zwischen den Ausfahrten Kiefersfelden und Kufstein ganz offen auf Kontrollen verzichtet. Erst seit Ende 2013 kontrolliert die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag die Vignetten auch auf dem kurzen Abschnitt bis zur Abfahrt in die nahen Skigebiete.

Warum sich Kiefersfelden und Kufstein probieren zu wehren

Gegen diese Maßnahme gingen sie in Kiefersfelden und Kufstein fast buchstäblich auf die Barrikaden und blockierten sogar zeitweise die Autobahn, was in Deutschland ein ziemlich einmaliger Vorgang ist, in Wien aber wenig bewirkt hat. Stattdessen sind bald die befürchteten Nebeneffekte der Mautpflicht eingetreten: Wenn die Leute schon nicht an ihrem Geländewagen und am Benzin dafür sparen, dann sparen sie am Pickerl, sagt Kiefersfeldens Bürgermeister Gruber. Viele Fahrer wollen also für die paar Kilometer Autobahn keine Vignette kaufen und weichen lieber durch die beiden Orte aus.

Auf der Autobahn sind im Wochenmittel um die 50 000 Autos pro Tag unterwegs. In Kiefersfelden waren es bei der jüngsten Zählung an zwei Februarsamstagen im Jahr 2015 mehr als 13 000. Der künstliche Stau sei da schlicht Notwehr, sagt Gruber. Zwar hilft die Ampel zunächst nur Richtung Kufstein, aber auf dem Rückweg haben die Autos das Pickerl ja schon auf der Scheibe.

Doch seit September gibt es einen neuen Grund, sich durch Kufstein und Kiefersfelden nach Deutschland zu kämpfen. Seither bringen die laufenden Grenzkontrollen die A 93 dauernd mit "Rückstau bei der Einreise nach Deutschland" in den Verkehrsfunk. Gruber könnte es als "reine Symbolpolitik" belächeln, dass die Kontrollen für jeden erkennbar praktisch nur auf der Autobahn stattfinden. Doch dafür ärgert es ihn wieder zu sehr. Womöglich brauche man bald noch eine zweite Ampel.