Streit um Artenschutz Kartell des Schweigens

Ein Luchs im Wildpark Poing. Hier sind die Tiere sicher, in freier Wildbahn sind sie das nach Ansicht von Umweltverbänden nicht.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Vergiftet und erschossen: Zwei tote Luchse haben Tierschützer aufgeschreckt, sie fordern Spezialeinheiten gegen Wilderei. Doch im Landtag haben sie jetzt einen Rückschlag erlitten.

Von Christian Sebald

Für Artenschützer, Umweltverbände und die Landtags-Grünen ist es ein Unding sondergleichen. "Da gibt Umweltminister Marcel Huber offen zu, dass es nur mit Wilderei zu erklären ist, wenn seit Jahren im Bayerischen Wald ein jeder Luchs spurlos verschwindet", sagt der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Umweltausschusses im Landtag, Christian Magerl. "Aber Innenminister Joachim Herrmann sieht keinen Anlass, eine Ermittlungsgruppe einzusetzen, damit solche Straftaten ein Ende haben."

Auch Claus Obermeier von der Gregor-Louisoder-Umweltstiftung ist verärgert. "Ob England, Österreich oder Nordrhein-Westfalen, viele Länder haben die Wilderei geschützter Tierarten mit Spezialeinheiten eingedämmt", sagt er. "Die Staatsregierung dagegen, weigert sich zu handeln." Der Grund für Obermeiers Verärgerung: Unlängst hat der Landtag eine Petition mit 12 000 Unterschriften abgelehnt, die eine solche Ermittlungseinheit forderte.

Es waren zwei spektakuläre Fälle im Bayerischen Wald, welche die Tierfreunde überall in Bayern aufgeschreckt haben. 2012 und 2013 wurden dort die Kadaver von zwei Luchsinnen entdeckt, die eine war vergiftet worden, die andere erschossen. Der Kadaver der erschossenen Luchsin war sogar so direkt an einem Wanderweg drapiert worden, dass Tierschützer dies als bewusst gesetztes Signal des Wilderers gegen eine Rückkehr der Raubkatzen in die Region empfanden. Doch obwohl Umweltverbände in beiden Fällen hohe Belohnungen aussetzten, verliefen die Ermittlungen der Polizei im Sande.

Dabei werden nicht nur Luchse gewildert. Erst im Frühjahr ersäufte ebenfalls im Bayerischen Wald ein Unbekannter einen Fischotter. Zumeist aber stellen Wilderer Greifvögeln nach. 2013 wurden in Ostheim vor der Rhön binnen zwei Wochen die Kadaver von neun Mäusebussarden, neun Rotmilanen, einem Schwarzmilan und einer Elster entdeckt. Alle waren von dem selben Täter vergiftet worden. Obwohl er bekannt war, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Ihr fehlte das öffentliche Interesse. Der Fall ist nur die Spitze des Eisbergs, sagen Spezialisten. "Das Vergiften von Greifvögeln ist extrem verbreitet", sagt Magerl, der ein anerkannter Ornithologe ist, "überall in Bayern."

Gams oder gar nicht

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Aber warum kümmert das keinen? "Es gibt einfach viel zu viele Leute, die denken, Greifvögel und Raubtiere haben hier bei uns nichts zu suchen", sagt Magerl. "Greifvögel genießen auch längst nicht die Aufmerksamkeit wie der Luchs oder der Wolf." Und warum werden Wilderer nur ganz selten erwischt? "Ja mei", sagt Magerl. "Für solche Straftaten ist in ländlichen Polizeiinspektionen viel zu oft ein Beamter zuständig, der auch Jäger ist, da kann nichts herauskommen."

Experten teilen diese Einschätzung. Deshalb haben der Bund Naturschutz, der Ökologische Jagdverband und andere Organisationen die Petition unterstützt. Auch wenn sie jetzt abgelehnt wurde, wird das Bündnis nicht aufgeben. "Bei jeder neuen Wilderei eines Luchses oder Wolfes setzen wir 10 000 Euro Belohnung für Hinweise aus", sagt Obermeier. "Irgendwann brechen wir dieses Kartell des Schweigens."