SPD-Kritiker Michael Adam Generalabrechnung eines talentierten Wahlkämpfers

"Speichellecker", "Ja-Sager", "Ballast" - deutlicher kann sich ein Politiker kaum vom Spitzenpersonal seiner Partei distanzieren. Im Bayerwald heißt es nun: Michael Adam habe nicht dank, sondern trotz der SPD das Landratsamt in Regen erobert.

Von Wolfgang Wittl

Inhaltlich hat er kein Wort zurückgenommen: Landrat Michael Adam.

(Foto: dapd)

Als Christian Ude vor sechs Wochen durch Niederbayern tingelte, schien die ostbayerische SPD-Welt noch in Ordnung zu sein. Die Begrüßung des Spitzenkandidaten übernahm der Bezirksvorsitzende Michael Adam - aber nur, weil der ebenfalls aus Niederbayern stammende Landeschef Florian Pronold verhindert war. Wer Pronold und seinen Fleiß kenne, der wisse, dass es triftige Gründe für sein Fehlen geben müsse, sagte Adam höflich.

Nichts deutete darauf hin, dass die Zusammenarbeit zwischen ihm und Pronold - sofern es denn je eine gegeben hat - seit längerer Zeit zerstört gewesen sein musste. Wie sehr es in dem Regener Landrat gärte, zeigte nun sein Ausbruch auf der Facebook-Seite einer Parteifreundin.

Obwohl Adam am Montag bedauerte, dass sein "Beitrag zur parteiinternen Diskussion Eingang in die mediale Berichterstattung gefunden hat", nahm er inhaltlich kein Wort zurück: "Speichellecker", "Ja-Sager", "Ballast" - CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wird sich vermutlich gefragt haben, warum ihm so etwas nicht selbst zur SPD eingefallen ist. Deutlicher kann sich ein Politiker kaum vom Spitzenpersonal seiner Partei distanzieren: Schon seit Monaten bitte er darum, den Bezirksvorsitz abgeben zu dürfen, teilte Adam schriftlich mit. Nachfragen blockte er allerdings ab. Offenbar hatte er unterschätzt, welch hohe Wellen seine Kritik schlagen würde. Am Dienstag erklärte Adam immerhin im BR, er wolle mit Pronold am Samstag reden.

Der Auslöser für die Generalabrechnung dürfte in der Nominierung zur Bundestagswahl zu finden sein, auch wenn Adam dies offiziell bestreitet. Adam hatte sich für die stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann eingesetzt, zum Zug kam die stellvertretende Bezirksvorsitzende Rita Hagl - angeblich dank einiger unterstützender Telefonate von Florian Pronold. In Adams Umfeld heißt es, die Versammlung am Wochenende habe das Fass zwar zum Überlaufen gebracht, doch das Verhältnis zu Pronold sei ohnehin nicht zu kitten gewesen.

Persönliche Ambitionen bestreitet Adam

Adams Meinung über den Landeschef soll demnach wenig schmeichelhaft ausfallen: Pronold fehle es an Selbstkritik, an Gestaltungsfähigkeit und an Integrität. Und in Nachwuchskräften sehe er vor allem mögliche Widersacher, die dann systematisch kaltgestellt würden. Ferner habe Pronold mehr sein eigenes Wohl als das der Partei im Blick. Persönliche Ambitionen bestreitet Adam ausdrücklich: Er betrachte sich weder als Nachwuchshoffnung der Bayern-SPD, noch verfolge er landes- oder bundespolitische Ambitionen.

Gleichwohl versteht sich Adam als der pragmatische Gegenpol zu Pronold. Während der 39-jährige Landeschef aus Deggendorf früh die klassische Parteikarriere durchlief, gilt Adam als talentierter Wahlkämpfer, der Menschen für sich einnehmen kann. Im Landkreis Regen kursiert das geflügelte Wort, der 27-Jährige habe nicht dank, sondern trotz der SPD das Landratsamt erobert. Zuvor war er in Bodenmais zum jüngsten Bürgermeister Deutschlands gekürt worden.

Dass die Parteizentrale ihm nun Undank vorwirft, weil er in seinen Kommunalwahlkämpfen tatkräftig aus München unterstützt worden sei, ruft bei den Genossen im Bayerischen Wald eher Verwunderung hervor. Adam habe von der Partei lediglich ein Darlehen erhalten, das er aus eigener Tasche bereits zurückbezahlt habe, berichten Vertraute. Einzig Christian Udes Aufritt sei hilfreich gewesen. Ansonsten habe Adam großen Wert darauf gelegt, dass die Münchner SPD-Führung in seinem Wahlkampf möglichst nicht in Erscheinung trete.