Selbstverteidigung für Menschen mit Behinderung Von wegen kleines Mäuschen

Selbstverteidigung für Menschen mit und ohne Behinderung SZ-Auftrag erteilt von Petra Payer am 25.08.2014 KARIN THIEL, Trainerin Selbstverteidigungskurse für Menschen mit und ohne Behinderung, aufgenommen am 27.08.2014 in Tütschengereuth (Bayern). * Jede Nutzung des angebotenen Bildmaterials ist honorarpflichtig * Foto: David Ebener / fototronik.de

(Foto: David Ebener / fototronik.de)

Für Karin Thiel gibt es kein "aber", sie findet immer einen Weg. Vor allem wenn sie sich selbst verteidigen muss. In der Hinterhand hat sie immer noch üble Tricks und Gemeinheiten.

Von Sabine Cygan, Bamberg

Karin Thiel aus Bamberg leidet an Multipler Sklerose und ist seit zehn Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch hilflos fühlt sie sich nicht. Für Menschen mit und ohne Behinderung gibt sie Unterricht in Selbstverteidigung.

SZ: Frau Thiel, mussten Sie sich schon einmal selbst verteidigen?

Karin Thiel: Nein, zum Glück noch nicht, aber es hilft mir zu wissen, dass ich es könnte. Wenn mich ein Mann blöd anspricht, dann gehe ich auf ihn zu, ich weiche nicht zurück. Und wenn ich müsste, dann würde ich die Zwölf ganz gut treffen, denn die ist genau auf meiner Höhe.

Wurden Sie schon einmal wegen Ihrer Behinderung blöd angemacht?

Vor einigen Jahren wollte ich meine Schwester beim Einparken einweisen und habe mich dafür in eine Parklücke gestellt. Dann kam ein Auto mit einer vierköpfigen Familie und hat mich mit dem Rollstuhl einfach aus der Parklücke heraus gedrängt. Danach musste ich mir anhören, ich solle doch daheim bleiben, wenn ich nicht laufen kann. Gegen die kam ich verbal einfach nicht an. Ich holte schließlich die Polizei, die Familie musste eine Strafe zahlen. In der Situation habe ich mir gedacht: So etwas passiert mir nicht mehr.

Wie sind Sie zur Selbstverteidigung gekommen?

Ich wollte schon immer eine Kampfsportart lernen, habe mich aber immer geschämt, weil ich dachte, ich bin körperlich dazu nicht in der Lage. Vor 13 Jahren hat dann die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft in Bamberg einen Selbstverteidigungskurs angeboten. Mich hat das so begeistert, dass ich meinen Fachübungsleiterschein gemacht habe.

Wie sieht ein Selbstverteidigungskurs bei Ihnen aus?

Jeder Teilnehmer braucht einen Partner. Bei Menschen im Rollstuhl ist das meist die Begleitperson. Wir üben am Anfang immer grundsätzliche Bewegungen, die müssen bei jedem ins Blut übergehen. Das richtige Abblocken zum Beispiel, wenn mich jemand von hinten, von vorne oder von der Seite angreift. Da können ziemlich viele mitmachen.