Goldener Wegweiser in Schwangau Ach du liebe Göttin!

Schwangau hat den wohl protzigsten Wegweiser der Welt: Eine fünf Meter hohe Aphrodite-Statue steht zu Füßen der Allgäuer Alpen - und weist den Weg zu einem Schwimmbad. Was wohl der Kini zu der Dame gesagt hätte?

Von Stefan Mayr

Plötzlich stand sie da, in ihrer ganzen Pracht. Drei Meter groß, auf einem zwei Meter hohen Sockel. Goldenes Gewand, in ihren ausgestreckten Händen ein Kristall. Sie trägt den Namen der griechischen Liebesgöttin, Aphrodite. Allerdings tritt die aphrodisierende Wirkung nicht bei allen Menschen ein, die sie erblicken. Bei manchen löst sie eher abtörnende Reaktionen aus. "Wie kann der Schwangauer Gemeinderat so einen Schmarrn absegnen?", fragt eine Leserbriefschreiberin in der Allgäuer Zeitung. Die goldene Statue steht seit einigen Tagen auf einer Wiese vor den Toren Schwangaus.

Die Bürger der Gemeinde wussten vorher nichts davon, und viele fragen sich: Was hat eine fünf Meter hohe Figur aus der griechischen Mythologie bei uns zu suchen, im Ostallgäu zu Füßen der Allgäuer Alpen und des Schlosses Neuschwanstein? Ganz einfach: Die goldene Göttin neben der Bundesstraße B 17 dient als Wegweiser zur "Königlichen Kristalltherme am Kurpark Schwangau".

130.000 Euro ließ sich Badkönig Heinz Steinhart den 5,4 Tonnen schweren Protz-Wegweiser kosten. Gefertigt wurde er aus echtem Marmor, überzogen mit 24 Karat Blattgold, alles Made in China. Allein der Sockel ist bombastisch: türkisfarben und gülden verziert.

Er wirkt wie eine Anfertigung für einen fernöstlichen Tempel, die beim Transport von der Ladefläche purzelte und einfach irgendwo auf der Wiese liegen blieb. Zum Gesamtkunstwerk trägt auch die Internetseite der Therme bei mit einem großartigen Œuvre der Sprach- und Dichtkunst: "Diese nun das Allgäu zierende Aphordite (sic!) möge die Menschen der Region erfreuen allen den Weg zu unserem Schwangauer Jungbrunn (sic!) weisen."

Dem Kini hätte die Statue sicher gefallen

Dennoch ist die Frau mit dem griechisch-chinesischen Migrationshintergrund nicht allzu willkommen. Der Bayerische Rundfunk - nicht gerade bekannt für übermäßigen Sarkasmus - stellt fest: "Das Urteil Kitsch ist noch die höflichste Formulierung." Etwas drastischer drückt sich ein Leserbriefschreiber aus: "Das wirkt wie ein überdimensioniertes, kitschiges Grabmal. Hier wurde der gute Geschmack beerdigt."

Mit viel Wohlwollen könnte man argumentieren: Dem Kini hätt's wahrscheinlich gefallen. Die Liebesgöttin passt dermaßen gut in den Königswinkel mit seinem prächtigen Märchenschloss Neuschwanstein - viel besser als diese Kühe, ihre Fladen und das ganze landwirtschaftliche Gedöns. Die Väter der Schwangauer Aphrodite, Bürgermeister Reinhold Sontheimer und Thermen-Chef Steinhart, sind jedenfalls mächtig stolz auf ihre Schöpfung: "Über Geschmack lässt sich streiten", sagen beide. "In ganz Deutschland gibt es kein derartiges Hinweisschild", jubiliert der Bürgermeister. Da kann man ihm nicht widersprechen.

Den Titel "Der unpassendste und auffälligste, damit also genialste Wegweiser der Welt" scheint für alle Ewigkeit gesichert zu sein. Thermen-Betriebsleiter Ernst Wallinger berichtet bereits von steigenden Besucherzahlen.

Kritiker meinen dagegen, hier hätten sich der Thermen-König und das Gemeinde-Oberhaupt ein Denkmal gesetzt. Sontheimer bezeichnet das als "vollkommen verkehrt". Fest steht aber, dass der Gemeinderat die Wegweiser-Entwürfe in nicht-öffentlicher Sitzung beschloss. Die "Jungbrunn-Aphordite" kam also quasi wie von Gottes Hand verordnet auf Schwangau nieder. So gesehen passt sie wenigstens in die politische Landschaft.