Schulreform in Bayern CSU bewegt sich in Richtung G9

Bayerische Schule sollen ab dem kommenden Schuljahr in einer Pilotphase das G9 wieder ermöglichen.

(Foto: dpa)

Vom kommenden Schuljahr an sollen bayerische Gymnasien in einer Pilotphase wieder das Abitur in neun Jahren ermöglichen. Das könnte teuer werden.

Von Mike Szymanski

Das Gymnasium in Bayern steht vor der einschneidendsten Reform seit vielen Jahren. Die CSU-Fraktion will bei der am Montag beginnenden Klausurtagung im fränkischen Kloster Banz den Weg für ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten freimachen. Beginnend mit dem nächsten Schuljahr sollen in einer zweijährigen Pilotphase in allen Landesteilen an einzelnen Schulen auch wieder neun Jahre auf dem Weg zum Abitur für Schüler möglich sein.

Jahrelang hatten Eltern, Lehrer und Schüler wieder mehr Zeit zum Lernen eingefordert. Dies will die CSU jetzt in der Mittelstufe mit einem vierjährigen Zug einführen. Daneben sollen der Lehrplan entrümpelt und die Lehrerausbildung deutlich verbessert werden. Regierungschef Horst Seehofer (CSU) sagte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: "Ich meine, das wäre eine ganz organische Fortentwicklung des bayerischen Gymnasiums und würde uns den Spitzenplatz in der Qualität sichern."

Schule mit Frühwarnsystem

Der Unterrichtsstoff wurde in elf der 25 Fächer gekürzt, für schwache Schüler soll es eine spezielle Förderung geben: Nach den Sommerferien gilt an den Gymnasien ein entrümpelter Lehrplan. Sogar zusätzliche Lehrerstellen sind geplant. Tina Baier mehr ...

Im Entwurf für das Diskussionspapier, das die Bildungsexperten der Fraktion für die Tagung erarbeitet haben, heißt es: "Bloße G8-G9-Strukturdebatten halten wir für deutlich verkürzt und sachlich verfehlt." Es gebe "ein bayerisches Gymnasium". Der Stoffumfang bleibe bei dem des achtjährigen Gymnasiums. Jedoch zeigt sich Kultusminister Spaenle flexibel, was die Lernzeit angeht. Im Entwurfspapier - und dies dürfte für die nun anstehende Debatte über die Ausgestaltung entscheidend sein - legen die Bildungspolitiker fest, dass "alle Maßnahmen sowohl im städtischen wie auch im ländlichen Raum umsetzbar" sein müssten. Seehofer spricht von einem "lernenden System", das überall in Bayern, an städtischen und ländlichen Schulen erprobt werden solle.

Er wolle die Fehler bei der überhasteten Einführung des achtjährigen Gymnasiums unter keinen Umständen wiederholen. "Wir haben schlechte Erfahrungen mit verordneten Systemen gemacht", sagte Seehofer. Im Konzeptpapier der Fraktion heißt es, jede Schule werde über das "Ob und Wann" selbst entscheiden und dies mit der "gesamten Schulfamilie einschließlich des Sachaufwandträgers" diskutieren. Demnach hängt es im Wesentlichen vom Wunsch der Schüler, Eltern und Lehrer ab, welches System sich langfristig in Bayern durchsetzt.

Pauken am Samstag?

Mit der G8-Reform steigt der Druck auf Gymnasiasten. Experten warnen, der Stress führe zu Depressionen und Süchten. Als Lösung steht nun eine Wiedereinführung des Samstagsunterrichts zur Debatte. mehr ...

Seehofer erklärte, es könne sein, dass die achtjährige Zeit zum Abitur für die Mehrheit der Schüler die Regel bleibt, womöglich sei dies in ein paar Jahren aber auch der neunjährige Zweig. Seehofer sagte, das sei das Wesen der Wahlfreiheit. Wie auch immer die Gymnasiallandschaft in Bayern in ein paar Jahren aussehen werde, das müsse man akzeptieren. Er sieht darin auch das "Prinzip unserer bayerischen Lebensart" erfüllt.

Am Geld werde die Reform des Gymnasiums nicht scheitern, versicherte Seehofer. Fest steht, dass das Gymnasium, so wie es sich die CSU neuerdings vorstellt, auch mehr Lehrer brauchen wird. "Wir haben den Bildungsetat nie als feststehende Größe betrachtet." Sollte sich in den kommenden Jahren herausstellen, dass die Schulen mehr Geld für die Reform bräuchten, dann "müssen wir das leisten".

Unpopuläres "Flexijahr"

Neben den faktischen G9-Zügen soll auch das von Kultusminister Ludwig Spaenle vor einigen Jahren entwickelte, aber bei den Schülern unpopuläre "Flexijahr" zur individuellen Förderung erhalten bleiben. Damit könnten den Gymnasien mehrere Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, auf den Wunsch nach mehr Lernzeit zu reagieren.

Beim neuen Lehrplan, der erst vom Schuljahr 2017/2018 an voll zum Tragen kommen soll, wird abermals entrümpelt. Im Entwurfspapier der Fraktion heißt es über das Ziel: "Verzicht auf kleinteiliges und isoliertes Detail- und Abfragewissen, statt dessen Konzentration auf relevantes Fachwissen, kreative Anwendung von Wissen, vernetztes Denken, selbständiges Problemlösen und Erschließen neuen Wissens." Die Schulen sollen mehr Freiheiten bekommen, wie sie den Unterricht künftig gestalten. Lehrer sollen unter anderem schon in ihrer Ausbildung durch stärkere Praxiszeiten besser auf ihren Beruf vorbereitet werden. Die Persönlichkeitsbildung solle stärker im Mittelpunkt stehen, sagte Seehofer. Dies gehe vor allem auf den Wunsch der Eltern zurück.