Pumspeicherwerk in Oberbayern Planungsstopp am Jochberg

Etwa 100 Standorte hat ein Unternehmen für seine Kraftwerkspläne in den oberbayerischen Alpen untersucht - und sich für den Jochberg entschieden. Nach heftigen Protesten rücken die Verantwortlichen nun davon ab - sie lassen sich aber ein Hintertürchen offen.

Von Heiner Effern

Die Energieallianz Bayern rückt in vorsichtigen Schritten vom Jochberg als einzig möglichem Standort für ihr geplantes Pumpspeicherwerk ab. Nach einem Beschluss der Gesellschafter des Unternehmens, in dem vor allem kleine und mittlere kommunale Energieversorger zusammengeschlossen sind, ruhen nun die Planungen. Geschäftsführer Joachim Martini betont aber: "Das ist nicht das Aus für das Pumpspeicherwerk. Wir fahren es nur auf Sparflamme weiter." Der Jochberg sei weiter "erste Priorität". Doch Martini öffnet ein Hintertürchen. "Sollten sich unüberwindbare lokale Hindernisse ergeben, die ich derzeit nicht sehe, werden wir auch Alternativen prüfen."

Die Energieallianz Bayern will für etwa 600 Millionen Euro ein Pumpspeicherwerk auf dem Jochberg, einem beliebten Aussichtspunkt oberhalb des Walchensees, errichten, um von der Energiewende zu profitieren. Im Jahr 2022 soll der letzte Atommeiler im Freistaat heruntergefahren werden, dann sollen Wind und Sonne einen Großteil der Energie liefern.

Um auch bei Flaute oder Dunkelheit Strom zu haben, werde man große Energiespeicher benötigen, heißt es bei der Energieallianz Bayern. Pumpspeicherwerke funktionieren da denkbar einfach: In Zeiten, in denen Sonne und Wind viel Strom liefern, drücken Pumpen von einem unteren Becken Wasser in ein deutlich höher gelegenes. Wenn Strom knapp und teuer ist, fällt das Wasser auf eine Turbine hinab und fließt in das untere Becken. Für mehrere Stunden kann so Strom erzeugt werden.

Die Energieallianz untersuchte nach eigenen Angaben etwa 100 Standorte in den oberbayerischen Alpen. Der Jochberg sei der ideale Platz: Auf der Jocheralm soll ein Speichersee gebaut werden, von dem das Wasser durch einen Felsschacht auf eine Turbine fällt und dann durch einen Tunnel in den Walchensee abfließt. Der Planungsstopp kommt deshalb überraschend.

Noch vor vier Wochen bekannte sich Martinis Kollege in der Geschäftsführung, Achim Thiel, zu einem straffen Zeitplan: Raumordnungsverfahren 2014, im Jahr darauf Beginn der Planfeststellung. Im Idealfall hätte die Energieallianz dann 2018 Baurecht, hatte Thiel gesagt. Nun soll die unsichere politische Lage in der Energiewende einer der Gründe für die Vollbremsung sein. Es fehle nach wie vor ein klares Bekenntnis der Politik, sagte Martini. "Wir als Verbund von kleinen und mittleren Stadtwerken können nicht stellvertretend die Energiewendediskussion führen."

Probleme mit dem Grundstück

Als zweiten Grund nennt die Energieallianz Probleme bei Verhandlungen in der Jachenau. "Die Grundstückssicherung ist noch nicht abgeschlossen", sagte Martini. Bürgermeister Georg Riesch erklärt seit Wochen, dass er auch deshalb den Zeitplan für unrealistisch hält. Es gelte, sich nicht nur mit den drei Grundstücksbesitzern auf der Jocheralm zu einigen, sondern auch mit den Besitzern der Forststraße, über die die schweren Lkw hinauffahren sollen. Daneben sei ungeklärt, auf welchen Flächen die Energieallianz etwa ihr wohl nötiges Betonmischwerk errichten wolle.

Auch die Gegner des Pumpspeicherwerks sehen noch keinen Anlass, "die Sektkorken knallen zu lassen", sagt Friedl Krönauer, Sprecher des Bündnisses "Nochberg - der Jochberg bleibt". Gerade jetzt dürfe der Widerstand nicht einknicken. "Wir müssen der Politik zeigen, dass wir da sind." Mögliche Alternativen zum Jochberg sind für Krönauer, der auch Vorsitzender des Bundes Naturschutz im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist, kein Anlass zur Beruhigung. Er zweifelt prinzipiell am Sinn und Nutzen der Pumpspeicherwerke. "Für uns ist es auch nicht besser, wenn woanders gebaut wird."