Kraftwerkspläne am Jochberg:"Angriff auf den Alpenraum"

Die Schutzkommission Cipra lehnt ein Pumpspeicherkraftwerk auf dem Jochberg ab. Nach einem Jahr Meinungsfindung tritt der Dachverband von acht Organisationen geschlossen auf. Er befürchtet einen Dammbruch

Von Isabel Meixner

Die Alpenschutzkommission Cipra Deutschland lehnt das geplante Pumpspeicherwerk am Jochberg entschieden ab. In einer Pressekonferenz, auf der der Verein sein Positionspapier zur Energiewende in den Alpen vorstellte, nannte Herbert Barthel das Projekt einen "Angriff auf unseren bayerischen Alpenraum": Pumpspeicherwerke hätten eine schlechte Energie-Effizienz und seien somit eine schlechte Möglichkeit, Energie zu speichern, sagte der Energie- und Klimaschutzreferent des Bundes Naturschutz (BN). "Wir sollten uns gut überlegen, ob wir die letzten Naturräume für eine so ineffiziente, raumverbrauchende Methode hergeben."

Nicht nur der hohe Flächenverbrauch spricht aus Sicht der Cipra gegen den Bau neuer Pumpspeicherwerke: Neben dem "immensen Eingriff in die alpine Natur und die Kulturlandschaft" würde sich der Wasserhaushalt grundlegend verändern und der Lebensraum von Tieren und Pflanzen zerstört. Hans-Joachim Fünfstück vom Landesbund für Vogelschutz nannte als Beispiel den Zitronenzeisig, der am Jochberg lebt: "Wenn wir solche Anlagen bauen, war's das mit Arten wie diesen."

Fast ein Jahr lang hatte die Cipra um eine Position in der Energiewende gerungen. Warum es so lange gedauert hat, eine Haltung zu finden, wird beim Blick auf die Struktur des Vereins deutlich: In der Cipra, dem deutschen Zweig der Commission internationale pour la protection des Alpes, sind acht Organisationen vereint, unter anderem der Deutsche Alpenverein (DAV), der Landesbund für Vogelschutz und der BN, Verbände also mit differierenden Positionen. In Sachen Jochberg geben sich die Vertreter der einzelnen Verbände nun geschlossen. "Wir schließen neue Pumpspeicherwerke aus", sagte DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig. Erwin Rothgang, Präsident der Cipra Deutschland, äußerte die Befürchtung, ein genehmigtes Pumpspeicherwerk am Jochberg könnte Bahnen brechen und weitere im Alpenraum nach sich ziehen. "Und das wollen wir nicht", sagte er deutlich.

Die Pläne der Energieallianz Bayern, einem Zusammenschluss kommunaler Energieversorger wie den Stadtwerken Bad Tölz, sehen vor, unterhalb des Jochberg-Gipfels einen Speichersee anzulegen, in den zu Niedriglastzeiten mit dem überschüssigen Strom Wasser hochgepumpt wird. Durch Turbinen im Berginneren soll es dann aus dem See auf 1400 Metern in den 600 Meter tiefer gelegenen Walchensee abgelassen werden, wenn abends oder in der Früh vermehrt Strom benötigt wird. Damit sollen Schwankungen ausgeglichen werden, die durch Solar- und Windkraftanlagen im Stromnetz entstehen. Für BN-Energieexperte Herbert Barthel gibt es jedoch eine bessere Möglichkeit, die Energiewende zu bewerkstelligen: mit Kraft-Wärme-Kopplung. In Biogasanlagen beispielsweise würde Energie in Methan gespeichert werden, das wiederum verfeuert werden kann. Das Pumpspeicherwerk am Jochberg jedenfalls könne kein Konzept für die Energiewende sein, findet Barthel: "Wenn Sie 200 bis 250 Stück brauchen, bleibt nichts von den Alpen mehr übrig." Der See soll laut der Planung der Energieallianz Bayern drei Millionen Kubikmeter Wasser fassen können.

Friedl Krönauer, Sprecher des Aktionsbündnisses "Noch-Berg - der Jochberg bleibt", freute sich über das Positionspapier. Sowohl seine Initiative als auch die Cipra wollen vermehrt auf Öffentlichkeitsarbeit setzen, um Widerstand gegen das Pumpspeicherwerk zu organisieren. Krönauer will damit nach eigener Aussage vor allem einen "Kontrapunkt" zu den derzeitigen Informationsveranstaltungen der Gemeinde Jachenau setzen: "Das ist ein Hohn, dass man so etwas unabhängige Information nennt." Das Aktionsbündnis hat kürzlich den Landtags- und Bundestagskandidaten fünf Fragen gestellt, um ihnen in Sachen Pumpspeicherwerk Farbe auf den Zahn zu füllen. Die Antwort erwartet Krönauer bis zum heutigen Freitag.

© SZ vom 06.09.2013
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