Psychiater im Fall Mollath Gutachten von Berlin aus

Mollath kommt nicht frei. Die Strafvollstreckungskammer beauftragt vielmehr 2008 Hans-Ludwig Kröber, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Charité, mit einem Gutachten. Mollath ist einverstanden, er will sich von Kröber untersuchen lassen. Mollath stellt aber zwei Bedingungen: Er will vorher seine Krankenakten einsehen, um eventuell dort falsch dargestellte Sachverhalte im Gespräch richtigstellen zu können. Und er will rechtzeitig über den Zeitpunkt der Untersuchung informiert werden. Mollath befürwortet Kröber als Gutachter, weil er einen Aufsatz gelesen habe, in dem Kröber beschrieben habe, dass ein ordentliches Gutachten damit anfange, dass man sich als Gutachter rechtzeitig anmelde.

Mollath, heißt es im Gutachten 2011, sei "aber ohne vorherige Ankündigung an einem Tag, als Kröber noch jemand anderen in Bayreuth untersuchte, um halb sechs aufgerufen" worden. Mollath habe deshalb gleich das Bauchgefühl gehabt: "Wie geht das schon los?" Deshalb habe er die Untersuchung an diesem Tag abgelehnt.

Kröber erstellt trotzdem ein Gutachten: von Berlin aus, nach Aktenlage. Er zitiert die Erlanger Ärztin und Leipziger, die Mollath nie untersucht haben. Beschrieben wird, wie Mollath bei der Aufnahme in Bayreuth "ungepflegt gewirkt" habe. Wie er gefordert habe, sich mit Kernseife waschen zu dürfen. Wohlgemerkt: Das war so während zweier Wochen im Februar 2005. Kröbers Gutachten entsteht im Juni 2008.

Auch für den Kollegen Simmerl findet Körber keine gnädigen Worte. Dessen Gutachten stützte sich im Wesentlichen "auf die einmalige Exploration". Simmerl habe es "offenbar durchaus für naheliegend halten" wollen, dass Mollaths Frau in "Geldverschiebegeschichten mit der Schweiz verwickelt war, dass die Beschuldigungen von Herrn Mollath mithin wahr sind." Kröber, der Professor aus Berlin, urteilt süffisant über den Psychiater aus Niederbayern: "Bei Kenntnis der Sachlage vermag dieses Gutachten Dr. Simmerl durchaus Verwunderung zu erwecken." Die wahnhafte Störung Mollaths sieht Kröber bestätigt.

Stimmt die Darstellung Mollaths, was den Ablauf der gescheiterten Untersuchung betrifft? Kröber antwortet auf SZ-Anfrage, er kündige seine Besuche auswärtiger Kliniken oder Haftanstalten an, meist ein bis zwei Wochen vorher. Er bitte darum, auch die Untergebrachten zu informieren: "In Bayern funktioniert das manchmal, manchmal auch nicht (besonders in Haftanstalten glauben mache, es sei sicherer, wenn der Gefangene erst am gleichen Tag informiert wird)." In der Straubinger Klinik habe man ihm erst mitgeteilt, Mollath wolle nicht untersucht werden. Am nächsten Tag habe ihm Mollath mitgeteilt, bevor er mit ihm rede, "müsse er Einblick in seine Krankenakten bekommen".

In der Zeit danach urteilen die Strafvollstreckungskammern aufgrund interner Stellungnahmen aus der Psychiatrie. Mollath wird attestiert, er sei unverändert der Ansicht, "Opfer des Bankensystems" zu sein. Erst danach überprüfen wieder externe Gutachter. Von beiden lässt sich Mollath 2011 untersuchen. Der eine hält die Unterbringung Mollaths für gerechtfertigt. Der andere Gutachter nicht, der von der zu diesem Zeitpunkt gegründeten "Arbeitsgemeinschaft Solidarität mit Gustl Mollath" beauftragt wurde. Die Strafvollstreckungskammer entscheidet sich daraufhin für eine weitere Unterbringung Mollaths.