Olympia 2018 in München Gegner in Garmisch bleiben hart

Noch immer verhandeln die Münchner Olympia-Bewerber mit den Garmischern um Grundstücke. Nun sollen die Gegner Staatskanzleichef Schneider Nazi-Methoden vergeworfen haben.

Von Heiner Effern

Bund und Land sind dafür, der Stadtrat von München und der Marktgemeinderat in Garmisch-Partenkirchen haben am 6. Oktober mit breiter Mehrheit zugestimmt: Die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 ist bestens legitimiert.

Doch etwas fehlt noch: Einen Monat vor Abgabe der Unterlagen am 11. Januar 2011 haben die Bewerber immer noch nicht alle Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen, die sie für ihre derzeitigen Pläne benötigen. Bei einer ergebnislosen Verhandlungsrunde am Freitag zwischen Grundbesitzern, ihrem Anwalt Ludwig Seitz und Staatskanzleichef Siegfried Schneider soll nun sogar von Nazi-Methoden die Rede gewesen sein.

Anwalt Seitz soll, so berichten es Teilnehmer, an die Enteignungen in Garmisch-Partenkirchen im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 1936 erinnert haben. Wenn Menschen damals schlechte Erfahrungen gemacht hätten, müsse man Verständnis dafür haben, dass mancher Grundbesitzer auch der heutigen Regierung nicht trauen könne, soll er gesagt haben.

Schneider soll den Vergleich mit dem NS-Regime scharf zurückgewiesen haben. Äußern wollte er sich öffentlich dazu nicht. Der Vergleich verwundert auch deswegen, weil der Staatskanzleichef bisher stets von allen Parteien als ruhiger, besonnener Verhandlungspartner beschrieben wurde.

Bisher sprach Schneider bei seinen erfolgreichen Verhandlungen mit den Vertretern der alteingesessenen Vereine. Nun tritt bei den letzten Verhandlungen um noch fehlende Grundstücke auf der anderen Seite Ludwig Seitz als Verhandlungsführer auf. Für eine Stellungnahme stand er bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zur Verfügung.

Schon im August hatten den Anwalt aus der Münchner Kanzlei Labbé und Partner angeblich mehr als 150 Grundeigentümer beauftragt, sie bei ihrem Nein zu den Olympischen Spielen zu vertreten. Später war noch von 57 Eigentümern die Rede, die ihrem Rechtsanwalt vor allem eines mitgaben: Sie wollen und werden ihr Eigentum für die Winterspiele nicht hergeben und auch mit niemandem darüber verhandeln.

In den ersten Wochen hörte man wenig von Seitz, der wiederum laut eigener Aussage darauf wartete, dass irgendjemand auf sein erstes Schreiben, in dem er sich und sein Mandat vorstellte, antworten würde. "Es kann gut sein, dass man nach dem Beschluss feststellen wird, dass man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat", hatte Ludwig Seitz Anfang Oktober in der SZ über die noch nicht abgeschlossenen Grundstücksverhandlungen gesagt.

Am 6. Oktober stimmte der Marktgemeinderat den Eckdaten zu. Das war insofern bemerkenswert, weil in den Unterlagen und dem Vertrag die Bewerber garantieren, dass sie alle nötigen Grundstücke für die Planung zur Verfügung haben. Doch schon nach dem Gemeinderatsbeschluss am 6. Oktober 2010 sagte der Garmisch-Partenkirchener Bürgermeister Thomas Schmid: "Es gibt Ausweichmöglichkeiten, sodass es keine Blockade-Grundstücke mehr gibt."

Vier bis fünf Grundstücke, deren Besitzer Seitz vertritt, liegen den Bewerbern besonders am Herzen, ohne diese müssten sie die bereits beschlossenen Pläne nochmals überarbeiten. Sportstätten, so heißt es, seien aber nicht betroffen, sondern Flächen für Catering-Zelte oder Besucher.

Lange soll sich niemand deswegen bei Rechtsanwalt Seitz gemeldet haben, nun kam es aber offenbar auf seine Einladung doch zu einem Treffen: Die wild entschlossenen Neinsager, angeblich ungefähr 50 an der Zahl, und Siegfried Schneider, der weiter für die Bewerbungsgesellschaft verhandelt, kamen im Gasthof zum Lamm zusammen. Die Atmosphäre soll von Anfang an aufgeheizt gewesen sein, die Front der Gegner war geschlossen. Wie es nun in den kommenden Wochen weitergeht, bleibt offen.

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