Neues Buch über den Fall Spekulationen um Peggy

Im Mai 2001 verschwand die damals neunjährige Peggy spurlos

(Foto: dpa)

Fast zwölf Jahre ist es her, dass Peggy verschwunden ist, zur Ruhe gekommen ist Lichtenberg seither nicht. Vergangene Woche rückte wieder einmal die Polizei an, jetzt präsentieren Buchautoren einen Bekannten als möglichen Mörder.

Von Katja Auer

Am 7. Mai ist es zwölf Jahre her, dass die neunjährige Peggy aus Lichtenberg verschwunden ist. Zur Ruhe gekommen ist das Städtchen im Frankenwald seitdem nicht. In der vergangenen Woche rückte wieder einmal die Polizei an und ließ ein Haus am Marktplatz des oberfränkischen Ortes durchsuchen. Der Hof wurde umgegraben, die Ermittler hofften, dort die Leiche des Mädchens zu finden. Aufgetaucht sind ein paar Knochenstücke, die zurzeit in der Erlanger Rechtsmedizin untersucht werden. Noch ist nicht klar, ob sie überhaupt von einem Menschen stammen.

Das Schicksal des Mädchens beschäftigt auch die Journalisten Ina Jung und Christoph Lemmer immer noch, die nun ein Buch vorgelegt haben, in dem sie Peggys Geschichte nachzeichnen. "Die Geschichte eines Skandals", wie es im Untertitel heißt. Denn die beiden sind überzeugt davon, dass mit dem geistig behinderten Ulvi Kulac 2004 der Falsche für den Mord an Peggy verurteilt wurde.

Die Journalisten durchforsteten die Ermittlungsakten, verfolgten die Ansätze der Ermittler und sprachen mit Zeugen von damals. Vorwürfe erheben sie vor allem gegen die Ermittler der Sonderkommission II, die eingesetzt wurde, nach dem die erste Soko den Fall nicht aufklären konnte.

So existiere ausgerechnet von jenem Verhör, in dem Ulvi den Mord an Peggy gestand, keine Tonbandaufzeichnung, sondern nur ein Gedächtnisprotokoll. Ausgerechnet bei diesem Gespräch sei das Gerät kaputt gegangen. Später widerrief der Gastwirtssohn aus Lichtenberg sein Geständnis, vor Gericht wiederholte er es ebenfalls nicht.

"Es ist eine Geschichte, die nie aufhört"

Noch mehr Verfehlungen wollen die Autoren ausgemacht haben. So seien Entlastungszeugen vor Gericht nicht gehört worden. Zwei Jungen, die Peggy noch nach dem Zeitpunkt, zu dem Ulvi sie umgebracht haben soll, gesehen haben wollen, hätten die Ermittler mit falschen Vorhaltungen eingeschüchtert, so dass sie ihre Aussage änderten. Im Gespräch mit den Autoren sollen die beiden Zeugen aber versichert haben, dass sie Peggy noch nach ihrem angeblichen Tod gesehen hätten.

Jung und Lemmer werfen den Ermittlern außerdem manipulative Verhörmethoden vor. Und ein Belastungszeuge, dem Ulvi in der Psychiatrie in Bayreuth von der Tat erzählt haben soll, habe später zugegeben, gelogen zu haben. Kurzum, der Falsche sei verurteilt worden. Stattdessen wollen die beiden einen Bekannten der Familie als potenziellen Täter ausgemacht haben. Beweise hätten sie zwar nicht. "Doch die Indizien gegen ihn sind stimmiger, belegbarer und weniger widersprüchlich als die Hinweise auf Ulvi Kulac", heißt es in dem Buch.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth, die seit dem vergangenen Jahr wieder ermittelt, gibt sich unbeeindruckt von dem Buch. Den Ermittlern sei das alles bekannt gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz. Die Lichtenberger Bürgermeisterin Elke Beyer, die am Donnerstagabend zur Buchvorstellung nach Hof gekommen war, wünscht sich endlich Ruhe für Lichtenberg. "Es ist eine Geschichte, die nie aufhört", sagte sie.

Ina Jung und Christoph Lemmer: Der Fall Peggy. Droemer, München, 322 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-426-27611-2.