Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünfte Seehofer verurteilt "schändliche Tat"

150 Feuerwehrleute sind in der Nacht im mittelfränkischen Vorra im Einsatz, um brennende Flüchtlingsunterkünfte zu löschen.

(Foto: dpa)
  • In der Nähe von Nürnberg haben am Donnerstagabend drei geplante Flüchtlingsunterkünfte gebrannt. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
  • An einem der umliegenden Gebäude wurden Hakenkreuze und fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt.
  • Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte an, die Sicherheitsmaßnahmen für Asylbewerbereinrichtungen in Bayern verschärfen zu wollen.

Brandanschlag auf Flüchtlingsunterkünfte

Nach dem Brand in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften in Mittelfranken ermittelt der Staatsschutz. "Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt", sagte am Freitag Polizeisprecher Robert Sandmann. An einem der benachbarten Gebäude im Ortskern von Vorra (Kreis Nürnberger Land) wurden Hakenkreuze und andere fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt. Die Ermittler suchen nun nach Spuren und Zeugen.

Wie Bayerns Politiker reagieren

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verurteilte die mutmaßliche Brandstiftung am Freitag als "schändliche Tat". Braunes Gedankengut habe "keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft. Die Menschen in Bayern lassen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus dieser Tat sprechen, nicht beirren."

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete die Tat im Bayerischen Rundfunk als "einfach schrecklich" und kündigte an, dass alles getan werde, um die Täter so schnell wie möglich zu identifizieren. Zudem werde man "sicherheitshalber den Schutz anderer Asylbewerbereinrichtungen in ganz Bayern noch verstärken".

Auch Bayerns Europaministerin, Beate Merk (CSU), meldete sich zu Wort. "Es muss klar sein: Wir dulden keine Ausländerfeindlichkeit oder Gewalt gegen Flüchtlinge", sagte sie. "Deutschland steht für Flüchtlinge offen und bietet ihnen Schutz."

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Verletzter Feuerwehrmann und hoher Sachschaden

Eine Anwohnerin hatte den Brand in der Gaststätte entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Kurze Zeit später wurde bemerkt, dass auch die anderen Gebäude in Flammen standen. Es gelang der Feuerwehr rasch, die Brände zu löschen.

Im Einsatz waren 150 Kräfte der Feuerwehr. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten verletzt. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf etwa 700 000 Euro. Die Häuser sind nun unbewohnbar.

Weiterer Vorfall in Hannover

Es ist bereits das zweite Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft innerhalb von zwei Tagen. Am frühen Donnerstagmorgen hatten in Hannover zwei Zelte in einem Flüchtllingscamp gebrannt, die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger oder vorsätzlicher Brandstiftung. Seit Mai demonstrierten sudanesische Flüchtlinge in dem Camp für ein Bleiberecht in Deutschland.

Die Polizei bittet Zeugen, die etwas zur Aufklärung des Anschlags in Vorra beitragen können, sich an den Kriminaldauerdienst Mittelfranken unter folgender Telefonnummer zu wenden: 0911/ 2112 - 3333.