Milchbauern in der Krise Die Krise kam nicht über Nacht

Bernhard Pointner ist seit 2012 Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land.

(Foto: oh)

Was sagen denn Tengelmann, Rewe und die anderen Einzelhandelsketten dazu, dass Sie Ihren Bauern weiter 38 Cent bezahlen?

Die Milchkrise ist ja nicht über Nacht hereingebrochen. Sie hat sich seit Langem angekündigt. Wir haben unseren Kunden von Anfang an offen gesagt, dass wir die 38 Cent für unsere Bauern unbedingt halten wollen. Anfangs waren sie sehr skeptisch. Aber letztlich haben sie das akzeptiert, unter der Voraussetzung, dass die Verbraucher bei der Stange bleiben und weiter unsere Produkte kaufen. Es wird ja derzeit viel über den Lebensmittelhandel und seine Preisstrategien geschimpft. Ich kann nur sagen, dass sich unsere Abnehmer fair verhalten.

Und die Verbraucher? Machen sie ebenfalls mit?

Wir haben ebenfalls sehr viel dafür getan, dass sie bei der Stange bleiben. Wir haben viel Geld in Werbespots im Radio, aber auch im Internet investiert. In ihnen erklären unsere Bauern, was unsere Milchprodukte alles auszeichnet. Natürlich können wir auch werbemäßig nicht mit den Großen unserer Branche mithalten. Dennoch sind unsere Aktionen sehr wichtig.

Das klingt alles so gut, dass man sich fragt, warum es Ihnen die anderen Molkereien nicht einfach nachmachen?

Es ist ja nicht so, dass wir nicht kopiert werden. Aber der entscheidende Grund, warum andere Molkereien unser Konzept nicht so ohne Weiteres übernehmen können, ist, dass nur 20 Prozent der Verbraucher in Deutschland ein wirkliches Markenbewusstsein haben. Den anderen 80 Prozent geht es in erster Linie darum, möglichst preisgünstig einzukaufen. Der Markt für Markenprodukte ist also so groß nicht. Außerdem kann man ein Markenkonzept, wie wir es haben, nicht einfach mal ebenso entwickeln, sich dann überstülpen und erwarten, dass die Kunden sofort aufspringen.

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Die Marke muss bei den Verbrauchern also tief verankert sein.

Wir haben die Marke Berchtesgadener Land seit 1985 aufgebaut, seit 30 Jahren also. Wir sind nur in sehr langsamen Schritten gewachsen. Es hat viel Zeit gebraucht, bis wir groß und so bekannt waren, wie wir es heute sind.

Wie lange werden Sie die 38 Cent für Ihre Milchbauern durchhalten?

So lange wie möglich. Momentan bin ich ganz optimistisch. Obwohl unsere Branche jetzt schon einige Zeit tief in der Krise steckt, es keine Anzeichen für eine Wende gibt und sich die Discounter Rabattschlachten liefern, sind uns die Verbraucher bei der Stange geblieben. Wir haben keine rückläufigen Umsatzzahlen. Wir werden alles dafür tun, dass wir weiter durchhalten.

Die Milchwerke

Ein jeder kennt die grünen Verpackungen mit dem Watzmann-Motiv. Sie sind das unverwechselbare Markenzeichen der Milchwerke Berchtesgadener Land. Schon in den Achtzigerjahren hat die Molkerei mit Sitz in Piding auf die Farbe Grün gesetzt, um bekannt zu werden. Von der Konkurrenz wurde sie dafür belächelt - Blau und Weiß, das waren und sind noch heute die dominierenden Farbe in den Milchregalen der Supermärkte. Es ist aber nicht nur die ungewöhnliche Farbe ihrer Verpackungen, die die Milchwerke zu etwas Besonderem machen. Berchtesgadener Land ist außerdem eine Genossenschaftsmolkerei. Das heißt, sie ist im Besitz der 1700 Milchbauern, welche die Milch ihrer Kühe an sie liefern. Aber nicht nur das. Die Milchwerke waren die erste Bio-Molkerei Bayerns. Seit 1973 stellen sie auch Bio-Milchprodukte her. Inzwischen sind gut ein Viertel ihrer Lieferanten Biobauern. Insgesamt verarbeiten die Milchwerke etwa 250 Millionen Liter Milch im Jahr: zu Frischmilch und H-Milch, zu Buttermilch, Kefir und Dickmilch, zu Joghurt und Quark und natürlich zu Sahne und Butter. Ihr Jahresumsatz beträgt 200 Millionen Euro.cws