Methoden der Polizei Oberstaatsanwalt mit Sündenkatalog

Amtsrichter Suttner hielt dem Oberstaatsanwalt in seiner Urteilsbegründung einen ganzen Sündenkatalog vor: Er habe einen Tatverdächtigen als Zeugen vernommen und ihm damit seine gesetzlichen Rechte vorenthalten. Er habe pflichtwidrig die Vernehmung nicht selbst geleitet, sondern sie drei Polizeibeamten überlassen. Und er habe den Zeugen mit Vorwürfen unter Druck gesetzt, die mit den Ermittlungen im konkreten Fall nicht das Mindeste zu tun hatten.

Auch die drei Polizeibeamten, die Heinrich H. damals vernommen hatten, hinterließen vor Gericht einen verheerenden Eindruck. Eine Kriminalhauptkommissarin sagte, sie habe dem Zeugen einen besonders harten Stuhl hingestellt, damit er unbequem sitze.

"Haarscharf an einer Falschaussage vorbeigeschrammt"

Ihr Kollege K., der angeblich die Pistole gezückt hatte, weigerte sich hartnäckig anzugeben, mit wem er seine dienstliche Stellungnahme zu dem Vorfall abgesprochen hatte.

Der Polizeibeamte sei "haarscharf an einer Falschaussage vorbeigeschrammt", sagt Amtsrichter Suttner. Und auch Hubert Krapf, der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft, musste sich einiges ins Stammbuch schreiben lassen. Er hatte den Angeklagten in seinem Plädoyer als "Abschaum der Menschheit" bezeichnet. "Ein solches Wort hat in einem Gerichtssaal nichts, aber auch gar nichts verloren", rügte der Richter.

"Es ist zu begrüßen, dass endlich ein Richter klare Worte gefunden hat", kommentierten H.s Verteidiger Regina Rick und Klaus Wittmann die Entscheidung. "Eigentlich müsste die Justiz jetzt Ermittlungen gegen die beteiligten Polizeibeamten und die zuständigen Staatsanwälte einleiten."