Mehr Jungen in Begabten-Klassen Hochbegabte Mädchen werden seltener gefördert

Unter den Geschlechtern ist Hochbegabung erwiesenermaßen gleich verteilt, doch in den bayerischen Hochbegabtenschulen liegt das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen bei 2:1. Offenbar wird im Freistaat nicht gezielt nach Begabung gesucht.

Von Tina Baier

Hochbegabte Mädchen werden in Bayern offenbar weniger gut gefördert als hochbegabte Buben. "In den Hochbegabten-Klassen der bayerischen Gymnasien sitzen doppelt so viele Jungen wie Mädchen", sagte Ulrike Gote (Grüne) am Montag in München. Dabei sei Hochbegabung unter den Geschlechtern erwiesenermaßen gleich verteilt.

Spezielle Klassen für hochbegabte Schüler gibt es in jedem bayerischen Regierungsbezirk an je einem Gymnasium. Ausnahme ist Oberbayern, wo es zwei Schulen mit diesem Angebot gibt. Ziel ist es, besonders begabte Schüler in kleinen Klassen individuell zu fördern. Die Schüler bekommen dort zusätzliche Angebote, und das Lerntempo ist höher als anderswo.

An sieben der insgesamt acht Hochbegabtenschulen liege das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen in den Förderklassen bei 2:1, sagte Gote. Einzige Ausnahme sei das Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting bei München, wo das Geschlechterverhältnis ausgeglichen sei.

Angesichts der Tatsache, dass mehr Mädchen als Jungen den Übertritt von der Grundschule auf das Gymnasium schaffen und die Mädchen außerdem seit Jahren die besseren Abiturnoten haben, ist dieses Missverhältnis zu Ungunsten der Mädchen noch unverständlicher.

Es bleibt dem Zufall überlassen, ob gefördert wird

Nach Ansicht von Petra Barchfeld, die sich an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München mit dem Thema beschäftigt, gibt es dafür mehrere Gründe: Zum einen würden hochbegabte Jungen in der Schule öfter verhaltensauffällig, beispielsweise indem sie aus lauter Langeweile den Unterricht stören. "Dadurch wird die Hochbegabung schneller erkannt", sagt Barchfeld. Außerdem steige der Druck auf Eltern und Lehrer, etwas zu unternehmen.

Zudem würden sich Eltern von Jungen öfter als Eltern von Mädchen dafür entscheiden, ihr Kind in einer Hochbegabten-Klasse anzumelden und es dadurch auch einem erhöhten Druck auszusetzen. "Es ist ein Fehler, dass in Bayern nicht gezielt nach Begabungen gesucht wird, sondern dass es eher dem Zufall überlassen bleibt, ob ein Kind in den Genuss der Hochbegabten-Förderung kommt oder nicht", sagt Gote.

"Wir sind uns der Problematik bewusst und wollen die Mädchen und ihre Eltern motivieren, bei der Hochbegabten-Förderung mitzumachen", heißt es aus dem Kultusministerium.