Leser-Fragen zum Fall Mollath Hatte Mollath denn keinen Anwalt?

Bei dem Einsatz im Haus des Ehepaars Mollath wurde eine Waffe gefunden. War Gustl Mollath vielleicht doch nicht so friedensbewegt, wie er sich selbst immer dargestellt hatte?

Tatsächlich wurde eine Waffe im Haus Mollaths gefunden, das dieser nach dem Auszug seiner Frau alleine bewohnte. Es handelte sich um ein Luftdruckgewehr. Die damalige Ehefrau hatte bei der Kriminalpolizei angegeben, sie habe im zweiten Obergeschoss des Hauses "ein Gewehr" gesehen.

Überdies gab die Frau an, ihr Mann habe angeblich davon geredet, "im Besitz einer Pistole" zu sein, wie die Staatsanwaltschaft auf SZ-Anfrage erklärt. Daraufhin habe das Amtsgericht Nürnberg einen Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Es habe der Verdacht bestanden, dass Mollath "die tatsächliche Gewalt über nicht näher bekannte Schusswaffen" ausübe. Mollath erinnert sich, dass mehrere Polizeibeamte in seiner Wohnung aufgetreten seien. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lassen sich anhand der Akten "keine Einzelheiten zum Ablauf des Einsatzes" feststellen. Gefunden wurde: Ein nach Angaben Mollaths verrostetes, gar nicht mehr funktionstüchtiges Luftgewehr, das seine Eltern - die zuvor in dem Anwesen gewohnt hatten - angeschafft hätten. Laut Staatsanwaltschaft lassen sich keine Aussagen über den Zustand dieses Luftgewehrs machen. Es sei aber nicht eingezogen worden, denn es sei nicht genehmigungspflichtig gewesen.

Das Wichtigste aber: Eine Pistole fand sich nicht. Nach Angaben eines Nachbarn habe die Durchsuchung bei Mollath den Verdacht erhärtet, dass ihm nun mit allen Mitteln etwas angehängt werden sollte. Und dies möglicherweise von Personen, die er dunkler Geldgeschäfte bezichtigt hatte - unter anderem seiner damaligen Ehefrau. Diese will auf SZ-Anfrage nichts zu den Vorwürfen sagen.

Hatte Mollath denn keinen Anwalt?

Doch: den Pflichtverteidiger Thomas Dolmany, mit dem Mollath aber kaum redete, weil er ihm offenbar misstraute. Dolmany sagt, Mollath habe sich ihm gegenüber nicht geöffnet. Nicht einmal von dem Einsatz im Anwesen Mollaths habe er, soweit er sich erinnern könne, etwas gewusst. Der Anwalt wird von damaligen Prozessbeobachtern kritisiert, er habe sich kaum spürbar für Mollath eingesetzt. Dolmany erwidert im SZ-Gespräch, Mollath habe das Amtsgericht im Jahr 2003 "provoziert". Er habe sich kaum in der Lage gesehen, seinem Mandanten zu helfen.

Es gab doch ein Attest, das die Gewalteinwirkungen auf die ehemalige Frau von Gustl Mollath belegen soll.

Tatsächlich war die Frau Mollaths nach der angeblichen Tat ihres Mannes - er soll sie im August 2001 in der gemeinsamen Wohnung geschlagen und gewürgt haben - bei einer Ärztin. Das Attest stellte die Ärztin aber erst mehr als neun Monate nach der angeblichen Tat aus. Die Ärztin kann sich nach Auskunft ihres Mannes, mit dem sie eine Gemeinschaftspraxis betrieben hat, nicht mehr an den Vorgang erinnern. Persönlich möchte die Ärztin keine Stellungnahme dazu abgeben. Eine so große Rolle, sagt ihr Mann, könne das Attest im Verfahren vor dem Landgericht Nürnberg 2006 aber kaum gespielt haben: "Sonst wäre meine Frau doch als Zeugin vorgeladen worden. Das wurde sie aber nicht", sagt der Arzt im SZ-Gespräch.