Kratzers Wortschatz Zu viel Kraft und zu wenig Hirn

Der dümmste Raser des Jahres entflammte sein eigenes Auto. Und eine Menge Kommentare, die von damisch über brunzdumm bis zu Unaussprechlichem reichen

Kolumne von Hans Kratzer

Krampfhenne

Kollege H. entstammt, wie seine Sprachfärbung verrät, der rar gewordenen Spezies eingeborener Münchner. Neulich hat er erzählt, ein Preuße habe in der Kneipe von ihm wissen wollen, was denn eine Krampfhenne sei. "Mei", antwortete H. sichtlich überrascht, "a Krampfhenna hoid." Wie so viele bairische Wörter ist dieser Begriff nicht leicht zu erklären, da er für sich selber spricht. Erstaunlicherweise ist die Krampfhenne in den einschlägigen Wörterbüchern nur selten zu finden. Dem Rest ist zumindest zu entnehmen, dass darunter eine Frau zu verstehen ist, die sich wichtig macht und Unsinn redet. Am 4. März 1992 ist das Wort bundesweit in die Schlagzeilen geraten, nachdem der damalige bayerische Ministerpräsident Max Streibl beim Politischen Aschermittwoch der CSU die SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt als Krampfhenne bezeichnet hatte.

brunzdumm

"Zu viele PS und zu wenig Hirn" - diese Charakterisierung eines Autofahrers war der Münchner Boulevardzeitung tz zu entnehmen. In der Tat gilt der Mann als heißester Anwärter auf den inoffiziellen Titel "dümmster Raser des Jahres". Nachdem er ein paar Halbe "getankt" hatte, ließ er auf dem Gelände des Autokinos Aschheim die Hinterreifen seines BMW so lange auf der Stelle drehen und qualmen, bis der Gummi brannte und die Flammen auf den Wagen übergriffen. Weder der Fahrer noch die Zaungäste konnten das Feuer löschen. Als die Feuerwehr eintraf, war das teure Auto bereits ausgebrannt. Die Polizei nahm dem Angeber Blut und Führerschein ab. "So ein damischer Hund!", sagte ein Kommentator der Szenerie. Andere urteilten härter: "So brunzdumm wie der muast erst amal sein!" Ein weiterer Beobachter verwendete eine Steigerung des Adjektivs brunzdumm, es heißt brunzkachelblöd. Hinter diesen Schimpfwörtern steckt das derbe Verb brunzen. Brunzkachel wird als Synonym für den Nachttopf geführt, der auch unter dem schönen Wort Potschamperl firmiert. Weitere Bedeutungen der Brunzkachel sollen hier wegen ihrer Derbheit nicht näher ausgeführt werden.