Hygiene-Skandal bei Müller-Brot Rote Ampel für den Verbraucherschutz

Die Verbraucher hätten schon deutlich früher von den Missständen bei Müller-Brot erfahren. Wenn denn die Verbraucherschutzminister in 2011 eine Hygiene-Ampel eingeführt hätten. Haben sie aber nicht, denn ausgerechnet Bayern hat ein Veto eingelegt.

Von Daniela Kuhr

Mäusekot, Kakerlaken und Motten - die Zustände in der Münchner Großbäckerei Müller-Brot haben die Öffentlichkeit weit über die Grenzen von Bayern hinaus empört. "Seit 36 Jahren bin ich in der Lebensmittelüberwachung tätig, aber so etwas hätte ich niemals für möglich gehalten", sagt Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, der nur zufällig den gleichen Nachnamen hat wie der Bäckereigründer. Was ihn besonders ärgert: Insgesamt 21 Mal war der Betrieb seit 2009 von der zuständigen Behörde kontrolliert worden, mehrmals mussten Waren zurückgerufen werden, 69.000 Euro an Buß- und Zwangsgeldern wurden verhängt - "und der Einzige, der nichts von alledem erfuhr, war der Verbraucher".

Bemerkenswert ist: Als die Verbraucherschutzminister der 16 Bundesländer im vergangenen Jahr darüber abstimmten, ob künftig alle Restaurants, Bäckereien, Fleischereien und Einzelhändler das Ergebnis der amtlichen Lebensmittelkontrollen veröffentlichen müssen, da gab es nur ein Land, das dagegen stimmte: Bayern.

Die Idee damals war, dass jeder Betrieb die Ergebnisse der jüngsten amtlichen Kontrollen anhand eines Barometers in den Ampelfarben veröffentlichen muss. Grün sollte anzeigen, dass es keine Bedenken hinsichtlich der Hygiene gab. Rot dagegen hätte für gravierende Mängel gestanden. Der damalige Gesundheitsminister Markus Söder (CSU), in dessen Zuständigkeitsbereich die Überwachung der Lebensmittelsicherheit fiel, hielt das Modell jedoch für nicht praktikabel, alle anderen Verbraucherschutzminister befürworteten es.

"Rot dürfte es eigentlich überhaupt nicht geben. Bei gravierenden Mängeln muss der Betrieb geschlossen werden" - unter anderem damit hatte Söders Sprecherin die ablehnende Haltung begründet. Das war im Mai 2011. Damals wusste das Gesundheitsministerium seit fast zwei Jahren von den Mängeln bei Müller-Brot. Doch nichts wurde geschlossen und kein Verbraucher informiert. "Wir brauchen die Hygiene-Ampel", stellt Lebensmittelkontrolleur Müller daher fest. "Nur wenn die Kunden wissen, wie sauber es in einem Betrieb zugeht, können sie Hygiene nachfragen und vor allem: mangelnde Hygiene abstrafen."

Für die Position Bayerns hat er keinerlei Verständnis, genauso wenig wie für die Haltung der Wirtschaftsminister der Länder, die sich mittlerweile - anders als die Verbraucherschutzminister - mit großer Mehrheit gegen die Hygiene-Ampel ausgesprochen haben. Sie fürchten eine "prangerähnliche Wirkung" sowie Mehraufwand für die Verwaltung. "Ihnen steht die Wirtschaft offenkundig näher als der Verbraucher", stellt Müller fest. Ärgerlich sei das vor allem deshalb, weil 95 Prozent der Betriebe sauber arbeiteten. "Nur fünf Prozent machen uns Sorge." Doch die Länderminister hätten mit ihren Bedenken "eine Minderheit majorisiert".

In diesem Jahr wird es erneut einen Versuch geben, die Hygiene-Ampel bundesweit einzuführen. Eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter von Wirtschafts- und Verbraucherschutzministerien mehrerer Länder sitzen, soll bis Herbst einen Kompromiss finden. Verbraucherschützer hoffen dringend auf Einigung. "Das Hygiene-Siegel bringt nicht nur Klarheit für Verbraucher, sondern belohnt auch diejenigen Unternehmen, die ordentlich arbeiten", sagt Gerd Billen, Vorsitzender des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Wie Bayern mittlerweile dazu steht, ist nicht klar. Man werde sich "in diese Arbeitsgruppe einbringen", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums lediglich.