Flug in den Kongo Gewaltmarsch ins Paradies

Über der Wüste Sahara war das ganz anders. Dort gibt es keine Raupen, keine Schmetterlinge und auch keine anderen Insekten. Nur flirrende Hitze untertags, scharfe Kälte nachts und Sand, Geröll oder Felsen soweit das Auge reicht, kein Baum, kein Strauch, kein Fluss und auch kein See, höchstens ab und zu eine Oase - 2250 Kilometer weit von der libyschen Mittelmeerküste bis tief in den Sudan hinein. Nur drei Tage hat Käpt'n gebraucht, dann hatte er den Gewaltflug über die Sahara hinweg hinter sich gebracht. "Wir haben unsere Kuckucke ja schon im vergangenen Jahr dafür bewundert, mit welcher Energie sie ihre Sahara-Überquerungen durchziehen", sagt LBV-Mann Erlwein. "Aber auch dieses Jahr hatten wir einen Riesenrespekt, als wir die Vögel auf ihren Strecken verfolgt haben."

Die Kuckucke gehen es locker an

Käpt'n Kuck und seine Artgenossen machen auf dem Weg in die Winterquartiere manch überraschenden Abstecher. Oder drehen einfach mal um - ein paar Hundert Kilometer Umweg machen ihnen offenbar nichts aus. Von Christian Sebald mehr ...

Jetzt also das Tumba-Ladiima-Reservat. Das Schutzgebiet liegt ungefähr 180 Kilometer südlich des Äquators im Kongobecken direkt am Kongo-Fluss. Der wiederum ist der wasserreichste Strom Afrikas, es gibt Abschnitte, in denen er 16 Kilometer breit ist, und Stellen, an denen er 220 Meter tief ist. Das Kongobecken erstreckt sich um den Mittellauf des Kongos. Es ist ungefähr 1,7 Millionen Quadratkilometer groß und damit fünfmal größer als Deutschland. Im Kongo-Becken liegen einzigartige Sumpflandschaften und der nach dem Amazonas-Gebiet größte zusammenhängenden Regenwald der Welt. Die Artenvielfalt hier ist kaum zu übertreffen: Antilopen, Gorillas, Schimpansen, Meerkatzen, Krokodile, Flusspferde, Nashörner, Waldelefanten und viele andere exotische Tierarten sind dort anzutreffen.

Eine gigantische Tafel voller Leckerbissen

Käpt'n Kuck freilich interessiert sich vor allem für die schier unerschöpfliche Vielzahl an fetten Raupen, Schmetterlingen und anderen Insekten im Regenwald. Für ihn ist das Tumba-Ladiima-Reservat eine gigantische Tafel, auf der es vor Leckerbissen nur so wimmelt. Da stört es den SZ-Kuckuck überhaupt nicht, dass es im Kongo-Becken praktisch täglich regnet und zwar richtig kräftig. Aufs Jahr gesehen fällt dort mindestens doppelt so viel Regen wie in den Donau-Auen, wo der SZ-Kuckuck daheim ist.

Außerdem ist es im Kongo-Becken sehr warm und richtig schwül. Die Temperaturen dort pendeln konstant um 26 Grad herum. "Auch wenn sich das für uns Mitteleuropäer nicht wirklich angenehm anhört", sagt LBV-Mann Erlwein. "Für Käpt'n Kuck sind das ideale Bedingungen für die kommenden Monate." Gut möglich also, dass sich der SZ-Kuckuck dort nun fürs Überwintern einrichtet in der Region rund um das Tumba-Ladiima-Reservat.

Womöglich fliegt er aber noch etwas weiter. So wie Kucki, das Kuckucksweibchen, das die LBV-Leute im zweiten Jahr auf dem Winterflug beobachten. Seit ihrem Abflug aus den niederbayerischen Donau-Auen ist Kucki Käpt'n Kuck immer einen Tick voraus. So auch dieser Tage. Kucki hält sich 500 Kilometer südlich von Käpt'n Kuck in Angola aus. "Aber das macht kaum einen Unterschied aus", sagt Erlwein. "Die Bedingungen fürs Überwintern sind im Norden von Angola nicht wirklich anders als im Kongo-Becken."