Guttenberg als Filmstar "Wir bringen den Minister zurück"

Comeback für vier Minuten: In einem Film ist Karl-Theodor zu Guttenberg noch einmal als Minister zu sehen. Initiator Michael von Hohenberg über das Schauspiel-Talent des CSU-Mannes - und warum er nach der Plagiatsaffäre nicht rausgeschnitten wurde.

Interview: Tobias Dorfer

Seit einigen Wochen ist Karl-Theodor zu Guttenberg nicht mehr Verteidigungsminister. Doch in dem Film Legend of Brothers, der am 6. Mai im oberfränkischen Wunsiedel Premiere feiert, gibt der CSU-Mann für vier Minuten sein Comeback. Gedreht wurde das Werk im vergangenen Sommer, als Guttenberg noch Amt und Doktortitel trug. Regisseur und Initiator Michael von Hohenberg, 37, hat für sein gemeinnütziges Jugendfilmprojekt auch Model Monica Ivancan, Schauspieler Giovanni Arvaneh (Marienhof) sowie den Münchner Tatort-Ermittler Miroslav Nemec gewinnen können. Diskutiert wird jedoch vor allem eine Personalie: der Ex-Minister, der den Verteidigungsminister gibt.

Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (links) mit Michael von Hohenberg, dem Initiator des Jugendfilmprojekts. Auf der Leinwand erlebt der CSU-Mann ein Vier-Minuten-Comeback.

(Foto: oh)

sueddeutsche.de: Herr Hohenberg, in Ihrem Filmprojekt Legend of Brothers spielt Karl-Theodor zu Guttenberg sich selbst - als Verteidigungsminister. Haben Sie nach der Plagiatsaffäre und seinem Rücktritt nicht daran gedacht, Guttenberg rauszuschneiden?

Michael von Hohenberg: Nein. Karl-Theodor zu Guttenberg ist Teil des Projekts und er bleibt es auch. Wir haben den Film im vergangenen Sommer gedreht, als noch niemand von seiner Doktorarbeit sprach. Jetzt ist er halt Privatperson und spielt den Minister im Film.

sueddeutsche.de: Wie kamen Sie eigentlich zu Ihrem prominenten Darsteller?

Hohenberg: Der Film wurde in Oberfranken gedreht und Guttenberg war damals noch der ranghöchste Politiker in der Region. Außerdem kenne ich ihn von verschiedenen Veranstaltungen und hatte daher die Möglichkeit, an ihn ranzukommen. Er hat spontan zugesagt und kam im vergangenen Sommer für eine Stunde ans Set.

sueddeutsche.de: Ist Guttenberg ein guter Schauspieler?

Hohenberg: (lacht) Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Deshalb sage ich, dass er bei uns ein guter Schauspieler war. Guttenberg war ausgesprochen textsicher. Aber er hat ja auch sich selbst als Minister gespielt. Diese Rolle dürfte ihm nicht wirklich schwergefallen sein. Ob er auch in einer größeren Rolle als Schauspieler funktionieren würde, kann ich nicht sagen.

sueddeutsche.de: Was werden die Zuschauer im Film vom ehemaligen Verteidigungsminister sehen?

Hohenberg: Im Film zeichnet er als ranghöchster Minister der Region Jugendliche aus. Die haben einen Schatz gefunden, Uranschmuggel aufgedeckt und nebenbei russische Bösewichte ans Messer geliefert. Am Ende bekommen sie eine Auszeichnung des Bundespräsidenten - und die übergibt Karl-Theodor zu Guttenberg. Die ganze Szene dauert etwa vier Minuten.

sueddeutsche.de: Wird er auch als Doktor Guttenberg angeredet?

Hohenberg: Nein. Aber er tritt deutlich als Minister in Erscheinung. Das wird beim einen oder anderen Wehmut hervorrufen, bei anderen möglicherweise Häme. Aber ich kann doch einen Minister keinen Hanswurst spielen lassen.

sueddeutsche.de: Haben Sie nach der Plagiatsaffäre kein Bauchweh damit, Guttenberg in Ihrem Film auftreten zu lassen?

Hohenberg: Überhaupt nicht. Die Sache mit der Doktorarbeit war nicht okay. Und wir haben uns darüber auch Gedanken gemacht. Aber am Ende war für uns klar, dass Guttenbergs Auftritt in unserem Film mit dieser Geschichte nichts zu tun hat. Da hat sich einfach ein Minister Zeit genommen für die Jugendlichen in seiner Region. Wir hätten auch die finanziellen Mittel gar nicht, noch einmal nachzudrehen. Und, ganz nebenbei, ist das doch eine Bombensache: Wir bringen den Minister zurück.

sueddeutsche.de: Am 6. Mai wird der Film in der Fichtelgebirgshalle von Wunsiedel Premiere feiern. Ist Guttenberg eingeladen?

Hohenberg: Natürlich.

sueddeutsche.de: Wird er auch kommen?

Hohenberg: Das werden wir sehen. Bislang habe ich eine Zusage, allerdings unter Vorbehalt.

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