Eklat bei der Bayern-SPD Gegner aus den eigenen Reihen

Am Wochenende hat er seine Kontakte in seiner Heimat Niederbayern spielen lassen. Nicht die vom Bezirksvorsitzenden Adam bevorzugte Kandidatin bekam den aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl, sondern die von Pronold - eine Parteisoldatin, die bereits vor vier Jahren erfolglos angetreten war. Einen Tag später ließ Adam alles raus, was sich Monate aufgestaut hatte. Er wusste, dass sein Eintrag im Internet von einer Landtagsjournalistin gelesen werden würde. Adam war mit ihr zur Schule gegangen.

Adam und Pronold konnten nie recht miteinander: hier der Pragmatiker, dort der Taktiker, der den Jüngeren so lange belächelt haben soll, bis der auf einmal Bürgermeister und Vorzeige-Genosse wurde. Pronold weiß um Adams Wirkung auf Menschen, vielleicht fürchtet er sich vor ihr, weil sie ihm selbst abgeht. Pronold, sagen ostbayerische CSU-Granden, würde niemals eine Kommunalwahl gewinnen können. Adam hingegen sähen sie nur zu gerne in der eigenen Partei.

In der niederbayerischen SPD will niemand etwas vom Zerwürfnis ihrer Spitzenmänner mitbekommen haben, dabei ist Adams Misstrauen heute noch größer als früher. Er wirft Pronold vor, die "traurigen Realitäten" nicht an sich heranzulassen. Die Bayern-SPD dümpelt in Umfragen bei 20 Prozent - trotz Spitzenkandidat Ude.

Pronold, 39, war in der Partei nie so richtig beliebt. Je weiter es mit der SPD in Bayern bergab ging, desto größer wurde der Wunsch nach einem starken Mann an der Spitze. Nach den desaströsen 18,6 Prozent bei der Landtagswahl 2008 blieb am Ende aber nur noch der Bundestagsabgeordnete Pronold übrig, "den Karren zu ziehen".

"Super-Männlein" Pronold

Seine äußerlich brave wie schmale Erscheinung brachte ihm den spöttischen Titel "Super-Männlein" ein. In der SPD ist und bleibt er: der Flori. Die Genossen haben sich mit ihm arrangiert, richtige Begeisterung für ihn ist bis heute nicht aufgekommen, obwohl er die maroden Parteistrukturen nach übereinstimmender Meinung ganz ordentlich reformiert hat.

Seit Ude Spitzenkandidat ist, haben sich die Machtverhältnisse in der SPD verschoben: Pronold, Fraktionschef Markus Rinderspacher und Generalsekretärin Natascha Kohnen bilden Udes engste Mannschaft, aber der Mannschaftsführer ist: Ude. Und der zeigte erstaunlich viel Verständnis für Adams Wutausbruch.

Der stellvertretende Juso-Chef Thomas Asböck, ebenfalls Niederbayer, forderte am Dienstag Pronolds Ablösung. Es ist Wahlkampf, und die SPD zerlegt sich selbst. Einen "Höllenritt" hatte Pronold seiner Partei in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner prophezeit. Aber dass der Gegner ausgerechnet aus den eigenen Reihen kommen würde?