Dispokredite in Bayern Teuer und riskant

Schnell geborgtes Geld lassen sich Banken und Sparkassen von den Kunden teuer bezahlen. Zu teuer, sagt eine Studie. Auch in Bayern langen die Geldhäuser ordentlich hin - vor allem die kleineren und regional tätigen Genossenschaftsbanken.

Von Katja Riedel

Es ist so schnell passiert. Gerade jetzt geht die Waschmaschine kaputt, wo doch schon das Auto in die Werkstatt muss, die nächste Miete fällig ist und das Kind auf Klassenreise fährt. Betrag für Betrag geht vom Konto ab. Und plötzlich ist dasselbe nicht nur leergeräumt, sondern auf dem Kontoauszug erscheint ein dickes Minus.

Dieses schnell geborgte Geld lassen sich Banken und Sparkassen von ihren Kunden teuer bezahlen - zu teuer, hat die Stiftung Warentest in dieser Woche in einer deutschlandweiten Studie veröffentlicht und heftig kritisiert, für die sie die Zinsen von knapp 1600 Banken erfasst hat. Die Geldhäuser seien "Abzocker", wirft die Stiftung Warentest ihnen vor. Denn obwohl sich die Banken selbst ihr Geld auf dem Markt gerade aufgrund der niedrigen Zinsen so günstig beschaffen können wie nie, kassieren deutschlandweit mehr als 100 Kreditinstitute mehr als 13 Prozent Zinsen für die Dispositionskredite. Sie selbst können sich derzeit bei der Europäischen Zentralbank Geld für 0,5 Prozent Zinsen leihen - und geben dieses für einen vielfachen Zinssatz an ihre Kunden weiter.

In Bayern langen die Banken ordentlich hin, vor allem die kleineren und regional tätigen Genossenschaftsbanken: 43 bayerische Kreditinstitute nehmen 13 Prozent Zinsen und mehr, drei sogar mehr als 14 Prozent - darunter eine Sparkasse und 42 Genossenschaftsbanken. Bayerns teuerste Dispokredite erhalten laut Stiftung Warentest mit 14,25 Prozent die Kunden der Raiffeisenbanken Dietersheim, München-Nord sowie in Weil und Umgebung. Bayerns günstigsten Dispokredit bekommt man bei der Sparkasse Miltenberg-Obernburg, wo dieser vergleichsweise akzeptable 7,38 Prozent kostet. Damit liegt diese Sparkasse deutlich unter dem deutschlandweiten Schnitt von 11,31 Prozent. Insgesamt bewegen sich die meisten bayerischen Banken im Umfeld zwischen zehn und zwölf Prozent. Vergleichsweise wenige nehmen unter zehn, nur eine Handvoll unter neun Prozent Zinsen für das kurzfristig zur Verfügung gestellte Geld.

Für den obersten bayerischen Genossenschaftsbanker Stephan Götzl sind diese Befunde der Stiftung Warentest jedoch kein Problem, sondern reines Getöse im Zuge des Bundestagswahlkampfes. Er steht an der Spitze des bayerischen Genossenschaftsverbandes, der unter seinem Dach auch 292 Volksbanken und Raiffeisenbanken vereint. Statt Aufklärung über den Mechanismus zu betreiben, der hinter der Höhe von Dispozinsen stehe, mokiere man sich ausschließlich über die Höhe der Zinsen, wettert Götzl. Überziehungskredite seien Kredite ohne Sicherheiten und für Banken darum "die teuerste Form der Kreditgewährung", sagt er. "Dass hier nach Risiko bepreist wird, ist schlichtweg eine kaufmännische Erfordernis." Hier eine Zinsobergrenze einzuziehen, lehnt Götzl vehement ab.

Verbraucherschützer haben eine solche Grenze immer wieder gefordert. Denn problematisch sind die Dispokredite auch deshalb, weil Menschen, die einmal in den Strudel des Dispos geraten, nur schwer wieder hinausfinden. Aktuelle Zahlen gibt es derzeit nicht, wie viele Haushalte in Bayern Dispokredite nutzen. Das bayerische Landesamt für Statistik ermittelt diese nur alle fünf Jahre und befragt aktuell Haushalte. Bei der letzten Befragung 2008 waren es mehr als 1,6 Millionen. Besonders viele der Dispoempfänger waren Angestellte (660.000), etwa 352.000 Arbeiter, 73.000 arbeitslos und 167.000 Rentner.

Und viele von ihnen wissen gar nicht, worauf sie sich bei den Dispositionskrediten einlassen. Stiftung Warentest wirft den Banken mangelnde Transparenz vor. Auch die Verbraucherzentralen beklagen, dass Kunden häufig nicht nachvollziehen könnten, auf welch horrende Zinsen sie sich einlassen. Dabei können die Folgen massiv sein, für manchen endet der Dispokredit in der Privatinsolvenz. Fast 10.000 Verbraucherinsolvenzen gab es 2012 laut Landesamt für Statistik.