Dialysepatient im Hospiz Lieber sterben als warten

Der junge Mann mit den kaputten Nieren musste jahrelang zur Dialyse. Zuletzt litt er dabei unerträgliche Schmerzen. Er hat sich deshalb entschieden, in ein Hospiz zu gehen und dort zu sterben (Symbolfoto).

Ein junger Mann hoffte jahrelang auf eine neue Niere - vergeblich. Weil er die Quälerei nicht mehr aushält, hat er sich für den Tod entschieden. Der 30-Jährige will noch eine letzte Botschaft transportieren.

Von Dietrich Mittler

Hans Bechler (Name geändert) hat sich über viele Jahre hinweg ehrenamtlich für Menschen eingesetzt, die Hilfe brauchen - für alte und gebrechliche Menschen, für Menschen, die durch Krankheit oder andere Schicksalsschläge vom Erwerbsleben ausgeschlossen sind. Doch nun will er selbst angesichts seiner schweren Krankheit einen Schritt gehen, der verzweifelter nicht sein könnte.

Über die Augsburger Allgemeine wurde die Öffentlichkeit im schwäbischen Landkreis Donau-Ries auf sein Schicksal aufmerksam: Bechler, vor wenigen Wochen erst 30 Jahre alt geworden, harrte mehr als ein Drittel seines Lebens auf eine zweite Spenderniere. Nun aber hat er keine Kraft mehr. Er hat außerhalb Bayerns ein Hospiz für sich gefunden, um dort zu sterben. Die zum Überleben dringend notwendige Dialyse-Behandlung hat er abgebrochen. Vergangene Woche ließ er sich zudem im Transplantationszentrum München von der Warteliste für Spendernieren streichen, wie Ärzte bestätigten.

Drei Menschen, so ergaben Recherchen der Süddeutschen Zeitung, stehen mittlerweile bereit, Bechler per Lebendspende eine Niere zur Verfügung zu stellen. Zunächst war es lediglich ein älterer Herr, der sich spontan meldete. Als junge Stimme seines Verbandes hatte sich Bechler immer wieder für alte Menschen und ihre Angehörigen stark gemacht, auch bei kontroversen öffentlichen Diskussionsveranstaltungen.

Das Angebot des älteren Herrn aber hätte er nicht einmal nutzen können. "Eine Lebendspende ist nur zulässig zwischen Verwandten ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragenen Lebenspartnern, Verlobten oder besonders nahestehenden Personen", heißt es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. Der Gesetzgeber habe mit dieser Beschränkung die Freiwilligkeit der Organspende sichern und der Gefahr des Organhandels begegnen wollen, teilte eine Sprecherin mit.

"Damit hat sich alles erledigt"

Offenbar sollen sich inzwischen auch zwei Verwandte von Bechler zu einer Lebendspende entschlossen haben. Allein, der Betroffene selbst sieht - mehr als eine Woche nach dem Abbruch der Dialyse - kaum mehr eine Chance für sich. Die Strapazen und Schmerzen, die ihn erwarten würden, wären immens. Menschen, die ihn durch sein soziales Engagement seit Langem kennen, hoffen immer noch, dass er doch noch eine andere Entscheidung für sich trifft - denn letztlich bedeutet dieser Schritt, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht einmal mehr das nahende Weihnachtsfest zu erleben.

Doch der 30-Jährige will auf jeden Fall noch eine Botschaft transportieren: Viele betroffene Menschen wie er selbst könnten überleben, gäbe es in der Bevölkerung eine höhere Bereitschaft zur Organspende. Als Träger dieser Botschaft hat sich Bechler ein Nachrichtenmagazin auserkoren. Weitere Gespräche mit der Presse will er offenbar nicht mehr führen, und dies gilt auch für die SZ. Am Handy legte er mit der kurzen Bemerkung auf: "Damit hat sich alles erledigt."