Von Katja Auer und Heiner Effern

Manche in der CSU sehen keine Zukunft mit Beckstein. Ein Aufstand droht, wird gemunkelt. Die Entscheidung fällt heute.

In der ersten Sitzung der neugewählten CSU-Landtagsfraktion droht am heutigen Mittwoch ein offener Aufstand gegen Ministerpräsident Günther Beckstein. Gut ein Dutzend Münchner und oberbayerische Abgeordnete kündigte bereits an, Beckstein nicht zu wählen, sollte er erneut als Ministerpräsident kandidieren wollen.

Bild vergrößern

Das desaströse Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl könnte auch Ministerpräsident Günther Beckstein sein Amt kosten. (© Foto: AFP)

Anzeige

"Ich gehe davon aus, dass der neue Ministerpräsident Horst Seehofer heißt", sagt der Münchner Thomas Zimmermann. Nach dem "verheerenden Ergebnis" bei der Landtagswahl nützten kein Pflaster und keine Salbe, "da muss ein Schnitt her.

Jede Position wird in Frage gestellt". Das schließe auch Fraktionschef Georg Schmid mit ein. Schmid hält zu Beckstein und könnte im Strudel der Ereignisse selbst untergehen.

Auch der Rosenheimer Klaus Stöttner, Vorsitzender des größten CSU-Kreisverbands in Bayern, sieht für Beckstein keine Zukunft. "Wir gewinnen die Bundestagswahl nur, wenn Bayern insgesamt stark ist. Und Bayern war immer stark, wenn der CSU-Parteichef und Ministerpräsident eine Person war." Sein Kollege Ernst Weidenbusch aus dem Landkreis München appelliert an Beckstein, freiwillig zurückzutreten. "Es ist eine Frage der Ehre, aus einem solchen Ergebnis seine Konsequenzen zu ziehen", sagt der Münchner Abgeordnete nach einem Treffen der Oberbayern.

Doch die Forderung nach einem kompletten Neuanfang kommt nicht nur aus Oberbayern, wo die CSU mit mehr als 20 Prozent minus die empfindlichsten Verluste hinnehmen musste. Auch aus Niederbayern gibt es klare Worte: Konrad Kobler, der Vizechef der Arbeitnehmer-Union der CSU (CSA), regt eine Abschaffung der Doppelspitze an. Die Aufteilung der Ämter sei "nicht optimal" gewesen.

Wer Parteichef und Ministerpräsident werden soll, daran lässt er ebenfalls keinen Zweifel: Zu Horst Seehofer gebe es keine Alternative. Andere Abgeordnete geben zu bedenken, dass Seehofer vor einem Jahr aus gutem Grund nicht zum Parteichef gewählt worden ist: weil der Bundeslandwirtschaftsminister als unberechenbar gilt und gerne einsame Entscheidungen trifft.

Um zehn Uhr kommen die 92 CSU-Abgeordneten zu ihrem ersten Treffen im Landtag zusammen - auch Seehofer wird daran teilnehmen. Alles könne an diesem Tag passieren, heißt es, auch deswegen, weil unter den Abgeordneten 17 Neuzugänge sind. Deren Verhalten weiß noch keiner einzuschätzen. Die Franken wollen zum Großteil Beckstein im Amt halten.

Es sei nicht klug, jetzt auch noch den Ministerpräsidenten auszutauschen, heißt es. Zudem sollten sich die Oberbayern nicht so weit nach vorne wagen. Immerhin hätten sie längst nicht mehr die alte Stärke, merken einige Franken an. Der Lichtenfelser Christian Meißner appelliert an die Vernunft.

Parteichef Erwin Huber habe Konsequenzen gezogen, und nun müsse wieder Ruhe einkehren. Beckstein sei der Richtige, "um die Wochen und Monate des Übergangs zu moderieren".

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Sein oder Nichtsein
  2. Sein oder Nichtsein
Leser empfehlen