Die Telekom will Menschen verbinden, Christian Köster hingegen macht sie einsam: Bereits drei Mal wurde er gegen seinen Willen aus dem Telefonbuch getilgt. Ein Anruf bei dem 83-Jährigen, der seit Jahren um einen Telefonbuch-Eintrag kämpft.
Christian Köster, 83, ist völlig wider Willen aus dem Telefonbuch getilgt worden - und das nun schon zum dritten Mal hintereinander. Olaf Przybilla hat mit dem ehemaligen Zeitungsredakteur Kontakt aufgenommen.
Anzeige
SZ: Herr Köster? Wir wollten Ihnen eine Freude bereiten und Sie einfach mal ohne konkreten Anlass anrufen.
Christian Köster: Oh, das ist aber nett von Ihnen. Sie müssen wissen: Mein Berufsleben lang war ich Zeitungsjournalist. Da lebt man doch praktisch mit dem Telefon. Jetzt bin ich 83 Jahre alt, habe Zeit und Lust auf Gespräche. Und dann schmeißt mich die Telekom jahrelang aus dem Telefonbuch raus. Ist doch grausam.
SZ: Aber wie kann denn das passieren?
Köster: Also, ich habe jetzt mit vielen Damen und Herren der Telekom das Vergnügen gehabt, gute und verständnisvolle Gespräche geführt. Aber was dazu geführt hat, dass mein Name seit dem Jahr 2007 aus dem Buch getilgt und danach nie wieder aufgenommen wurde - ich weiß es bis heute nicht ganz genau. Ein technischer Fehler, sagt man mir.
SZ: Haben Sie sich denn nicht gewehrt?
Köster: Aber selbstverständlich habe ich mich gewehrt. Gleich im ersten Jahr bin ich in den Telekom-Laden marschiert, zu den freundlichen Kundenbetreuern. Der Mann hat alles ganz verständnisvoll eingegeben, Name, Adresse, Nummer. Alles war wunderbar.
SZ: Und dann?
Köster: Und dann habe ich im Mai das neue Telefonbuch aufgeschlagen. Wer steht drin? Viele stehen drin. Wer steht nicht drin? Der Köster.
SZ: Furchtbar.
Köster: Ich beschwer' mich natürlich bei der Telekom. Warte bis zum Mai, neues Telefonbuch, alter Sachstand. Der Kunde Köster darf nicht ins Buch.
SZ: Um Himmels willen.
Köster: Es gab sogar Leute, die haben mich angerufen. Und die sagten mir: Sie stehen fei nicht drin im Buch.
SZ: Woher hatten die denn Ihre Nummer?
Köster: Ich wohne auf dem Dorf, in Bronnamberg bei Zirndorf. In ihrer Not haben die einfach bei den Nachbarn angerufen.
SZ: Was macht Sie so sicher, dass Sie im Jahr 2011 drin sind im Buch?
Köster: In den letzten Wochen haben mich mehrere Mitarbeiter der Telekom angerufen, einer aus Cottbus, dann kam zweimal Post aus Bonn. Im nächsten Buch soll nun stehen, die haben mir das versprochen: Köster Christian, Dr., Adlerstraße 7, Journalist, dann die Nummer.
SZ: Würde es Ihnen etwas nutzen, wenn wir Ihre Nummer schon vorher etwas bekannter machen würden?
Köster: Das würden Sie tun? Das wäre großartig. Also: 0911/69 56 66. Danke.
SZ: Kein Thema.
Köster: Verstehen Sie: Ich telefoniere einfach gerne.
- 125 Jahre Telefonbuch Die ganz große Nummer 13.06.2006
- Telekom Verlorene Pfründe 07.08.2006
- Finanzfirmen auf Kundenfang Zwielichtige Geschäfte am Telefon 21.07.2006
- René Obermann Telekom-Chef stimmt Konzern auf harte Jahre ein 10.11.2011
- Telefonauskunft in der Krise Katzenjammer unter 118000 29.08.2011
- Stiftung Warentest bewertet Mobilfunknetze Wo man am schnellsten surft 21.08.2011
- Kommune gegen Telekom Bad Heilbrunn bleibt an der Strippe 06.05.2011
(SZ vom 16.07.2010/hai)
Gewalt in Syrien
Die neueste Antwort
Für alle, die ihren Telefonbucheintrag gerne selbst unter Kontrolle haben, hab ich einen Tipp: www.telefonbucheintrag.de
Da kann man den Eintrag selbst verwalten! No problem!
also im online telefonbuch steht er drin.... hab grad nachgesehen.
Umgezogen und Vertragsunterlagen erhalten. Angegeben, dass wir NICHT ins Telefonbuch oder online Medien aufgenommen werden wollen. Tage später finde ich unseren Eintrag online. DANKE TELEKOM.
Nach ca.5 Anrufen hat man es dann geschafft, unseren Eintrag wieder zu löschen. Bravo.
Telekom fragt nach, ob ich den Eintrag so und so haben will - falschen Familiennamen.
Rufe an, da ja die Rechnungen auf den richtig geschriebenen kommen.
Entschuldigung - so einfach geht das nicht, da muss ich Ihnen ein"Änderungsformular" senden!!! ;>) Noch Fragen?
Über die Unmenschlichkeit der Telekom könnte ich auch eine lange Geschichte erzählen.
Das rechtmäßige Umgehen von Gesetzen usw.
Bei einer Klage würde ich evtl. Schmerzensgeld und Schadensersatz bekommen,
aber ich habe dazu keine Zeit und keine Lust.
Nur wenn die Justiz und die Politik tätig wird werden sich diese Zustände ändern
D.h. harte Strafen und Wiedergutmachung, sonst ändert sich nichts.
Was war die Telekom denn für eine tolles Unternehmen.
Paging