Bruno Merk zum 90. Geburtstag Kantig, grantig, unverwechselbar

Bayerns früherer CSU-Innenminister Bruno Merk wird 90 Jahre alt. Er hat dem Freistaat sein modernes Gesicht gegeben. Und wenn er heute denkt, die Staatsregierung baue Mist, schickt er ihr einen blauen Brief.

Von Andreas Roß

Die böse Post aus Günzburg ist schon legendär: Wenn der Schreiber den Eindruck gewonnen hat, dass die Staatsregierung Mist baut, dann stellt er ihr blaue Briefe zu. Weder Stoiber noch Seehofer hat er in der Vergangenheit verschont, und sein vorerst letztes Werk galt dem Atomausstieg. Ein Auszug: "Ich will da auch raus, aber doch nicht als Entscheidung aus dem Bauch heraus und mit Jahreszahlen, die kein Mensch seriös kalkulieren kann."

Bruno Merk ist auch mit 90 Jahren noch streitbar, scharfzüngig und immer um klare Aussagen bemüht. Aber auch ohne Abmahnschreiben wäre er seinen politischen Nachfahren in München noch ein Begriff. Denn Minister kommen und gehen, von den meisten bleibt kaum mehr als das Porträtfoto in der Ahnengalerie. Ihre Namen sind rasch vergessen. Bei Bruno Merk aber ist das anders: In seinen elf Jahren von 1966 bis 1977 als bayerischer Innenminister hat der Schwabe bleibende Spuren hinterlassen. Die von ihm in den 70er Jahren ins Werk gesetzte Gebietsreform gilt auch heute noch als Jahrhundertwerk. Merk hat mit seiner Staats- und Verwaltungsreform Bayern ein modernes Gesicht gegeben. Der CSU-Mann aus Günzburg zählt damit zu den herausragenden Landesministern nach dem Krieg.

An diesem Sonntag wird Bruno Merk 90 Jahre alt. Doch eine große Feier wird es mit dem Jubilar nicht geben. Schon bei seinem 85. Geburtstag mussten sich die lokalen CSU-Größen den Wünschen des kantigen Merk beugen. "Wenn schon eine Ehrung sein muss, dann zwischen sonntäglichem Kirchgang und anschließendem privaten Mittagessen", ließ der Jubilar damals wissen. Und so geschah es dann auch. Am Sonntag wird Bruno Merk nur mit Ehefrau Martha und Tochter Maria den Ehrentag begehen.

"Ich bin zufrieden, ich glaube, meinem Land und den Bürgern gut gedient zu haben. Und ich bin allen dankbar, die mir dabei geholfen haben", lautet sein Fazit. Es wäre jedoch falsch, Merks Lebensleistung nur auf die Gebietsreform, die Verstaatlichung der kommunalen Polizei oder die Neuordnung des Rettungsdienstes einzuengen. Schließlich wurde ihm sein Aufstieg zu einem führenden Landespolitiker nicht in die Wiege gelegt. Die Aussichten damals waren düster.

Bruno war das jüngste von sechs Kindern, das der Familie Merk 1922 in Großkötz südlich von Günzburg geboren wurde. Der Vater, ein Fabrikarbeiter, starb nur sieben Jahre später, und die Mutter hatte alle Hände voll zu tun, um die Familie als Tagelöhnerin und Heimarbeiterin durchzubringen. "Wir waren verarmt", schrieb Merk dazu in seinem Buch "Klarstellungen". Da war es ein Glücksfall, dass in einem Internat des Pallotiner-Ordens in Bruchsal ein Platz für den überaus begabten und intelligenten Schüler Bruno frei wurde. In dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, Pater zu werden und in die Mission zu gehen. Merk absolvierte nach dem Abitur sogar ein einjähriges Noviziat. Doch dann begann der Krieg, und er wurde eingezogen.