Der Ex-Finanzminister nimmt Stellung: Zu Beginn seiner Regierungserklärung liest Ministerpräsident Seehofer einen Entschuldigungsbrief vor. Er ist von Kurt Faltlhauser.
2005 ist ein Jahr, an das sich Kurt Faltlhauser sicherlich gerne erinnert. Damals war er noch Finanzminister im Freistaat - und als erster Ressortchef der Bundesrepublik konnte er für das Jahr 2006 einen Etat ohne Neuverschuldungen vorlegen. Alle waren zufrieden. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber konnte einmal mehr betonten, dass der Freistaat der Klassenprimus unter den Bundesländern ist.
Bild vergrößern
Kurt Faltlhauser schickte einen Entschuldigungsbrief an Seehofer - und zeigte damit Größe. (© Foto: dpa)
Anzeige
Dem als eitel geltenden Finanzminister passte das auch gut ins Konzept. Einmal mehr konnte er damit seinem Ruf gerecht werden, einer der kompetentesten Finanzminister der Republik zu sein.
Keiner dachte zu dieser Zeit an die Geschäfte der Bayerischen Landesbank in den USA. Keiner interessierte sich offenbar wirklich für die Risiken, die der US-Immobilienmarkt barg. Die kleine Bayerische Landesbank, deren Kerngeschäft eigentlich in der Finanzierung des heimischen Mittelstandes liegt, verfiel dem Reiz hoher Renditen, wollte es den Privatbanken nachmachen. Bis die Blase platzte - und die Frage nach den Verantwortlichen für das Desaster immer lauter wurde.
Doch Faltlhauser nimmt Stellung, schreibt dem Ministerpräsidenten einen Brief, eine Entschuldigung. Ministerpräsident Seehofer liest ihn zu Beginn seiner Regierungserklärung dem Plenum vor. "Ich stehe zu meiner Verantwortung", schreibt Faltlhauser darin, und: Von dem Desaster sei er "in hohem Maße betroffen".
Zu Erwin Huber, der als sein Nachfolger im Finanzressort ebenso eine Teilschuld zu tragen hat, schreibt der einstmals bestangezogene Politiker der CSU: "Huber hatte ebenso wie ich keine persönliche Schuld", dennoch habe er die politische Verantwortung übernommen.
Da Faltlhauser selbst nun als Polit-Pensionär keine persönlichen Konsequenzen mehr ziehen könne, bleibe ihm nur die Möglichkeit, sich zu entschuldigen, vor allem bei den fast 5600 Mitarbeitern, die nun im Zuge der Krise ihre Arbeit verlieren werden. "Ich entschuldige mich", schreibt er an den Ministerpräsidenten.
Eine Geste, die Stoiber bislang noch nicht über sich gebracht hat. Er fühlt sich nach wie vor unschuldig an dem Desaster. Die BayernLB sei nie Thema im Kabinett gewesen, hat der ehemalige Ministerpräsident noch vor wenigen Tagen gesagt.
Faltlhauser übernimmt damit die Verantwortung für die Versäumnisse. Zu der Zeit, in der die Bank sich in hochriskanten Geschäftsbereichen verspekulierte, saß der Finanzminister als Vorsitzender im Verwaltungsrat der BayernLB, in dem Gremium, das die Geschäftsführung des Vorstandes überwachen soll - "in offenem Dialog mit dem Vorstand", wie es auf der Internetseite der BayernLB heißt.
Faltlhauser hätte also die Möglichkeit gehabt, in das Geschäftsgebaren der Bank einzugreifen. Er hat es aber nicht ausreichend getan. Im Gegenteil: Vor dem Untersuchungsausschuss des Landtages fragte er noch im Sommer: "Was soll ein kleiner Provinz-Finanzminister klüger sein als alle Banker dieser Welt?"
Nichts hätte ihn jedoch daran gehindert, einen ständigen Vertreter zu benennen, der in seinem Auftrag den Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden ausübt - so, wie es offenbar der jetzige Finanzminister Georg Fahrenschon plant. In Kürze wolle er einen ständigen Beauftragten ernennen.
- BayernLB-Desaster Ein Sonderkonto, das die Altlasten entsorgt 03.12.2008
- CSU und die Bayern LB Die frühe Blessur des Helden Seehofer 24.10.2008
- CSU und die BayernLB Missglückte Häutung 24.10.2008
- Bayerische Landesbank Zeil will BayernLB privatisieren 10.11.2008
- Landesbank-Desaster Kassieren in Klagenfurt 13.05.2010
- Hypo Group Alpe Adria Bank für Kriegsverbrecher und Terroristen? 12.05.2010
- BayernLB: Quartalszahlen Gewinn mit vielen Fragezeichen 11.05.2010
(sueddeutsche.de/gba)
Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
"Stoiber... aber selten für das gelobt wird, was er doch unstrrittig über viele Jahre geleistet hat"
Jemand gründet eine Firma hat gute Ideen, sammelt Geld von Anlegern dafür ein und setzt vieles gut um. Es passieren ihm auch Fehler und dafür wird er gescholten. Die FIrma wird immer schöner und größer (nach außen dargestellt) und spielt schließlich rein imagemäßig in der Champions-Ligue ihrer Branche mit. Nun passiert es, dass der Gründer ausscheiden muss und einem Nachfolger Platz macht. Als der ein wenig näher hinsieht, weil immer mehr Banken und Gläubiger anklopfen, stellt er fest, dass die nach außen so strahlend dargestellte Firma innen total hohl ist. Verluste in allen Jahren, Kapital aufgezehrt, riesiger Schuldenberg aufgehäuft. Der Gang zum Insolvenzrichter bleibt unausweichlich.
Wofür ist nun der Gründer zu loben:
Dass er ein tolles Image aufgebaut hat? Dass er tolle Gebäude hingestellt hat? Mit einer noblen Flotte geprotzt hat? Vielen Leuten Arbeit gegeben hat, die auf Pump bezahlt wurden und jetzt auf der Straße stehen?
Unterm Strich wird normalerweise zusammengerechnet und wenn da nur minus rauskommt, war alles andere nix. Tut mir leid, aber da gibts nichts zu loben!
Frau Haderthauer hat Schuld auf sich genommen und ist jetzt Ministerin.
Einmal mehr konnte er damit seinem Ruf gerecht werden, einer der kompetentesten Finanzminister der Republik zu sein.
"Was soll ein kleiner Provinz-Finanzminister klüger sein als alle Banker dieser Welt?"
Ein Finanzminister, der in der Rolle des Miteigentümers der Bank nicht in der Lage ist, die Geschäfte zu durchblicken, geschweige denn zu überwachen ist inkompetent.
Einen "ausgeglichenen" Haushalt aufzustellen, durch fast kaputtsparen wichtiger Bereiche zeugt auch nicht unbedingt von politischer Kompetenz. Abgesehen davon war er dafür noch nicht einmal wirklich verantwortlich. Seine Idee war es sicher nicht, möglichst schnell einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Wie ausgeglichen der war, bzw. auf welch tönernen Füssen er aufgestellt war, sieht man jetzt.
ist von Beruf Professor für Volkswirtschaft.
Volkswirtschaft- er verstand darunter offensichtlich die Kneipe um die Ecke, in der das Volk ein Bierchen trinkt.
Aber um jährlich seine Verwaltungsratstantiemen zu kassieren, dafür war er nicht zu dämlich
böse Bankspielsucht - war halt zu verlockend, vom Edi gelobt zu werden. Der eigentliche Auftrag des Bürgers -Schaden vom Land zu halten - war ihm völlig Wurscht, dem Geck, dem eitlen Pfau.
Paging