Bad Reichenhall Sex-Party im Kurhaus

"Entweihung der Gemäuer": Im Juni haben 400 Frauen und Männer im staatlichen Kurhaus von Bad Reichenhall eine Fetisch-Party gefeiert. Das Finanzministerium fordert Aufklärung, doch die Kurdirektorin ist entspannt: Nach einer Abi-Party würde es dort schlimmer aussehen.

  • Im staatlichen Kurhaus von Bad Reichenhall haben im Juni 400 Frauen und Männer eine Sex-Party gefeiert.
  • Die Kur-GmbH hatte den Veranstaltern das Haus zur Verfügung gestellt. Jetzt fordert das Finanzministerium einen Bericht.

Fetisch-Party verärgert Politik

Eine freizügige Party im staatlichen Kurhaus von Bad Reichenhall beschäftigt jetzt das bayerische Finanzministerium. 400 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 80 Jahren haben sich am 21. Juni in dem Königlichen Kurhaus unter dem Motto "Maskenball" zu einer freizügigen Party getroffen. Die örtlich zuständige Kur-GmbH hatte den Veranstaltern das Kurhaus des Staatsbades für das Treffen zur Verfügung gestellt. Mehrheitsgesellschafter der Kur-GmbH ist der Freistaat. Das Finanzministerium fordert nun von der GmbH einen umfassenden Bericht, sagte eine Sprecherin am Montag.

Zuvor hatte die CSU-Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber gegen die Vergabe der Räume protestiert und auf ein persönliches Gespräch mit Finanzminister Markus Söder (CSU) gedrängt. Im Trostberger Tagblatt sprach die Politikerin von einer "Entweihung der Gemäuer". "Wenn das alles so passiert ist, dann brauchen wir über Imagepflege und Kultur nicht mehr zu reden", sagte die CSU-Politikerin dem Blatt. Sie selbst hatte in dem Kurhaus ihre Hochzeit gefeiert.

Laut Tagblatt sollen bei der Party Fesselwerkzeuge und Betten im Séparée benutzt worden sein. Auf den Nachttischchen hätten Kondome bereitgelegen, ließ sich die Zeitung von Anwesenden berichten: "Da ging es schon richtig zur Sache." Viele Gäste seien in Latex erschienen.

Der Ruf des Kurhauses

Im Königlichen Kurhaus finden sonst unter anderem Kongresse oder Empfänge mit dem Ministerpräsidenten statt, Veranstaltungen mit eher repräsentativem Charakter also. Im Internet wird das Kurhaus als "einmalige Schönheit in Architektur und Fassadengestaltung" und "Visitenkarte der Kur- und Kongressstadt Bad Reichenhall" angepriesen. Außerdem folgt der Hinweis: "Mit optimaler Kontrolle über Licht und Ton kann nun jegliche Veranstaltung perfekt inszeniert werden."

Kur-GmbH äußert sich offziell

Kurdirektorin Gabriella Squarra habe von keinen Auffälligkeiten nach der Party gehört, berichtet die "Bayernwelle". Nach einer Abi-Party würde es dort schlimmer aussehen. Dennoch werde sie den Vorwürfen nachgehen, versprach sie.

Am Montag nun gab es eine offzielle Stellungnahme der Kur-GmbH. Darin heißt es laut Bayernwelle, dass das Kurhaus von einer Veranstaltungsagentur unter dem Betreff "Maskenball für Erwachsene" als nichtöffentliche Veranstaltung gebucht worden sei. Zudem sei bei den Vertragsverhandlungen kein fragwürdiger Aspekt der Veranstaltung ersichtlich gewesen. Die Kur-GmbH versichert außerdem, dass das Thema bei der nächsten Gesellschafterversammlung diskutiert werde.