Bad Aibling Hunderte nehmen Abschied von den Opfern

Familien und Freunde haben am Sonntag in einem emotionalen Gottesdienst der Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling gedacht.

(Foto: dpa)

Fünf Tage nach dem Zugunglück gedenken Familien und Freunde, Kollegen und Helfer in einem bewegenden Gottesdienst der Toten und Verletzten. Über allem steht die eine Frage: "Warum?"

Von Daniela Kuhr

Fünf Tage nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern haben am Sonntagnachmittag Hunderte Trauergäste in einem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St.Georg in Bad Aibling der Opfer gedacht. Die drängende Frage nach dem "Warum" lasse sich "mit keiner noch so gescheiten Theologie" erklären, sagte die evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, in ihrer Predigt. "Es gibt ein Leid, für das wir keinen Grund finden. Ein Leid, das wir nur miteinander aushalten können, auf das wir aber keine Antwort geben können."

Der katholische Kardinal Reinhard Marx sagte, so etwas wie einen sinnvollen Tod gebe es nicht. Er wolle aber überzeugen, dass die elf Verstorbenen, "nicht einfach weg sind, sondern dass sie weiter mitgehen". Im Gedenken an sie wurden elf Kerzen angezündet. Zu dem Gottesdienst kamen Angehörige der Opfer, Unfallbeteiligte, Rettungskräfte, Bahnchef Rüdiger Grube sowie mehrere Politiker, darunter Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Unglücksursache steht noch nicht fest

Bei dem schweren Unglück auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor waren am Dienstag zwei Regionalzüge frontal zusammengeprallt. Elf Menschen kamen ums Leben, Dutzende Passagiere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Unglücksursache steht noch nicht fest. Die Auswertung der Blackboxen, die sich in beiden Zügen befanden, ergab bislang keine Hinweise darauf, dass einer der beiden Lokführer etwas falsch gemacht haben könnte, also etwa ein Haltesignal überfahren haben könnte. Um die Unfallursache endgültig zu klären, muss deshalb das Ende der Ermittlungen abgewartet werden.

Am Montag beginnen die Instandsetzungsarbeiten an der betroffenen Gleisstrecke. 120 Meter Gleisanlagen müssen repariert, 180 Meter Schwellen ausgetauscht und einige Tonnen Schotter verbaut werden, wie die Deutsche Bahn am Sonntag mitteilte. Die Strecke bleibt deshalb auch in den nächsten Tagen weiter gesperrt. Es ist ein Ersatzverkehr eingerichtet. Die Reparaturen an den Gleisanlagen sind auch Voraussetzung für die Bergung des letzten beschädigten Zugteils, der neben dem Gleis am Hang liegt.

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