Der erste G8-Jahrgang in Bayern war ungenügend auf das Abitur vorbereitet: Die schriftlichen Prüfungen fallen so schlecht aus, dass das Kultusministerium nun nachträglich die Standards für die Prüfungen korrigiert - damit mehr Schüler bestehen.
Jetzt hat sich also bestätigt, was Schüler, Eltern und Lehrer schon lange beklagten: Der erste G-8-Jahrgang war ungenügend auf das Abitur vorbereitet. Anders lässt sich nicht erklären, dass die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen so schlecht ausfielen, dass das Kultusministerium sich buchstäblich in letzter Minute zur Korrektur genötigt sah und die Messlatte niedriger hängte.
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Die Schulen möchten die Abitur-Ergebnisse erneut prüfen und neue Mitteilungen an die Schüler schreiben, forderte das Kultusministerium am Mittwoch. Aus "nicht bestanden" wurde dadurch in vielen Fällen "bestanden". (© Johannes Simon)
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Am Mittwoch dieser Woche - am letzten Arbeitstag vor der Rückgabe der Arbeiten - ging bei den Direktoren der Gymnasien im Freistaat ein Schreiben vom Ministerium ein: Die Anforderungen würden korrigiert, die Schulleiter möchten ihre Oberstufenbetreuer doch bitten, die Arbeiten erneut zu prüfen und neue Mitteilungen an die Schüler zu schreiben. Aus "nicht bestanden" wurde in vielen Fällen "bestanden" - die Betroffenen dürften Luftsprünge gemacht haben.
Bisher mussten in zwei von drei Kernfächern - Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache - fünf Punkte erreicht werden - also die glatte Note 4. Jetzt (und in Zukunft) genügt es, wenn der Prüfling in einem Kernfach mindestens fünf Punkte hat. In einem weiteren Kernfach muss er mindestens vier Punkte erreichen. Das Ministerium weicht damit von seiner härteren Gangart ab und schwenkt auf eine Linie ein, die in anderen Bundesländern verfolgt wird und die den allgemeinen Richtlinien der Kultusministerkonferenz entspricht. Die Korrektur bedeutet zwar nur eine Senkung des Niveaus um ein Drittel einer Note, scheint aber doch etliche Schüler gerettet zu haben, wie aus verschiedenen Schulen zu hören ist. Denn gerade Deutsch und Mathe sind die schweren Fächer, in denen jetzt wieder jeder Abitur schreiben muss, und für die die Vorbereitungszeit nach Meinung vieler Lehrer zu kurz war.
Das abrupte Vorgehen von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat Schulleiter und Oberstufenbetreuer verärgert. Schon die Korrekturzeit für das schriftliche Abitur war um drei Tage verkürzt worden, damit die Schüler noch länger Zeit hatten, sich auf die mündlichen Prüfungen vorzubereiten. Und nun auch noch diese "Nacht- und Nebel-Aktion", moniert ein fränkischer Gymnasiallehrer, die beweise "dass das G 8 nicht funktioniert". Er hat Abiturienten in zwei Fächern betreut und ebenso wie seine Kollegen "ohnehin schon schön gefärbt, um den Schülern zu helfen". Ähnliche Stimmen sind aus dem ganzen Land zu hören.
Die Änderung sei mit Eltern- und Lehrerverbänden abgesprochen, hieß es in dem Ministerschreiben. Max Schmidt, der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbandes, kann sich allerdings an kein Gespräch erinnern: "Wir wurden eine Stunde vor dem Versand des Briefes in Kenntnis gesetzt." Seine Meinung zu dem Vorgang ist eindeutig: Jetzt räche sich die mangelnde Sorgfalt bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Wenn ständig nachjustiert werden müsse, auf was könnten sich dann Lehrer und Schüler noch verlassen? fragt er.
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OB-Kandidatin Nallinger
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Meiner Meinung nach war der G8 Jahrgang, wie schon erwähnt, zum Erfolg verurteilt. Das Ministerium kann es sich doch nicht leisten das neue Abitur an das alte Niveau anzugleichen und somit womöglich gleich gute Ergebnisse zu erzielen. Da wäre ihr neues System auf ganzer Linie gescheitert.
Die wahren Leidtragenden sind doch die Schüler des letzten G9 Jahrgangs. Die müssen sich nun mit dem alten Abitur und den schlechteren Noten für die gleichen Studienplätze bewerben, wie die neuen Abiturienten. Zwar wurden "Vorzugsregelungen" eingeführt, aber diese können bei vielen Studienfächern nicht genutzt werden!
Es kommt mir so vor als würden alle auf die G8 Schüler schauen, weil die am meisten jammern, obwohl die Abiturprüfungen wohl wirklich in einigen Fächern mehr als machbar waren. Die G9 Schüler werden dabei vollkommen ausser Acht gelassen, oder wo ist ein Artikel über deren Situation?
Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefällscht hast hieß es immer, nun kann man das auf das bayrische Super-Abi erweitern. Ist das Ergebnis zu schlecht, werden im nachhinein einfach di Anforderungen gesenkt.
Ich bedaure die heutigen Abiturienten zutiefst, sie müssen in Deutsch und Mathematik eine Prüfung ablegen. Zu meiner Schulzeit war das normal, auch in Hessen. Wir hatten damals vier schriftliche Fächer, darunter immer Deutsch und Mathematik. Unsere Schule hatte noch eine Fremdsprache als Pflichtfach, meist Englisch und ein Wahlleistungsfach - das entsprach in etwa dem, was heute ein Leistungskurs ist. In Mathematik gab es außerdem zwei Stufen, normal hieß B-Kurs, der Leistungskurs wurde A-Kurs genannt.
Wir hatten allerdings keinen Bonus durch den schweren A-Kurs - nur deutlich schlechtere Noten, weil ja nur Schüler mit Vornoten gut und sehr gut diesen Kurs besuchten, aber nachher eben im Kurs alle Noten vergeben werden konnten.
So kam es nach dem Abitur zu der seltsamen Konstellation, daß schwächere Schüler im B-Kurs plötzlich gut hatten und die besseren Schüler die vorher gut hatten im A-Kurs nur ein befriedigend. Der ZVS war das egal, da zählte nur die Zahl.
Zwischenzeitlich gab es ja mal sehr lasche Regeln, bezüglich der geprüften Fächer aber das ist heute zum Glück wieder anders geworden.
Ich halte übrigens nichts von G8, das Allgemeinwissen bayrischer Abiturienten ist sowieso schon auf niedrigem Niveau, wenn es auch nur um Deutschland nördlich des Mains geht. Selbst Einser-Abiturienten haben da teilweise extreme Defizite. Wo liegt der Sinn, eine lange Zeit als normal angesehene Schulzeit zu verkürzen? OK, man spart theoretisch Lehrerstellen ein, aber mit welchen Folgen?
Noch was zu den Vermutungen ein nachträglich bestandenes Abitur sei weniger wert. Noten sind später im realen Leben vollkommen unwichtig. Was zählt ist das Abitur an sich.
In Berlin gehen die Gymnasiasten zusammen in die Oberstufe und schreiben dieselben Prüfungen. In manchen Schulen sind auch "Superschnelläufer" dabei, die das Gymnasium nach 4 Jahren Grundschule in 7 Jahren durchlaufen, also nach insgesamt 11 Jahren Schule das Abitur erreichen (sofern sie nicht vorher eine Klasse übersprungen haben, was auch vorkommt).
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Ein Leistungsrückstand der jüngeren Schüler ist hier nicht bekannt.
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Wem 12 Jahre Schle nicht reichen, der kan auch auf die Gesamtschule, dort kann man sich nach wie vor nach 13 Jahren Zeit für das Abitur nehmen.
"Das ist ja so, als ob Günther Jauch seine 10000-Euro-Frage zu einer 1000-Euro-Frage machen würde."
Wenn die Schüler von diesem Lehrer so einen Blödsinn vermittelt bekommen, wie es dieses Zitat zum Ausdruck bringt, wundert es mich überhaupt nicht, dass die Prüfungen so schlecht ausgefallen sind. Wenn man "1000-Euro-Frage" und "10000-Euro-Frage" austauscht, wird ein Schuh draus.
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