"Werbekostenzuschuss" aus der Vereinskasse ADAC-Präsident machte Geschäft mit Club-Funktionär

ADAC-Präsident Peter Meyer muss sich nun wegen fragwürdiger Geschäfte mit einem TV-Produzenten erklären.

ADAC-Präsident Peter Meyer ist laut Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" und des NDR in ein fragwürdiges Geschäft unter Club-Funktionären verwickelt. Die Firma eines Funktionärskollegen erhielt 200 000 Euro "Werbekostenzuschuss" für ein TV-Studio auf dem Nürburgring. Das Geld kam aus der Vereinskasse.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Peter Meyer, der Präsident des ADAC, ist in diesen Tagen schwer gefordert. Ständig werden mögliche Missstände bekannt, kleinere und größere. Der Präsident will durchgreifen. "Wir nehmen sämtliche Vorwürfe ernst und werden nicht ruhen, bis alles aufgeklärt ist", sagte Meyer in der Club-Zeitschrift "Motorwelt".

Mit der Aufklärung muss der Präsident wohl bei sich selber anfangen. Er ist in ein Geschäft unter Vereinsfreunden verwickelt, das merkwürdig anmutet. Der von Meyer geleitete ADAC Nordrhein e.V. gab der Firma eines Funktionärs-Kollegen 200 000 Euro "Werbekostenzuschuss" für ein Fernsehstudio auf dem Nürburgring, der legendären Rennstrecke in der Eifel.

Man kennt sich, man schätzt sich

Im November 2009 schloss der Regionalverband Nordrhein einen Vertrag (hier im Wortlaut) mit einer Firma namens Wige Performance, die zur Wige Media AG gehört, einem Unternehmen, das unter anderem Fernsehbilder von Sportereignissen produziert. Etwa von Autorennen, auch von solchen, die der ADAC veranstaltet.

Bei der Wige Media AG saß damals der ADAC-Funktionär Peter Geishecker im Vorstand, er war zudem Großaktionär. Im gehörten 31,25 Prozent an Wige Media. Geishecker war zugleich einer der beiden Chefs von Wige Performance. Meyer und Geishecker kennen sich seit Langem aus dem ADAC Nordrhein. Meyer steht diesem Regionalverband seit 2005 vor und war dort zuvor schon aktiv. Geishecker ist seit mehr als drei Jahrzehnten Funktionär im ADAC Nordrhein und saß dort zeitweise mit Meyer im Vorstand; auch im Jahr 2009, als der Vertrag zwischen dem Regionalverband und Wige Performance zustande kam. 2011 schied Geishecker aus Altersgründen aus dem Vorstand des ADAC Nordrhein aus.

In der aktuellen ADAC Motorwelt verspricht Peter Meyer eine schonungslose Aufarbeitung der Missstände.

"Satzungsgemäße Förderung des Motorsports"

Motorsportfan Geishecker hat Hobby und Beruf kombiniert, hat die Firma Wige mit aufgebaut und sitzt dort heute im Aufsichtsrat. Im Herbst 2009, als der Werbevertrag zustande kam, hatte die Wige Media AG große finanzielle Probleme. Sinkende Umsätze, Verluste, eine Sanierung war nötig (die dann auch erfolgte). Und ausgerechnet in dieser prekären Lage sagte der von Meyer geleitete ADAC Nordrhein der vom ADAC-Funktionärsfreund Geishecker geleiteten Wige Performance 200 000 Euro zu. Wollte ADAC-Präsident Meyer mit Vereinsgeldern seinem ADAC-Kumpel Geishecker helfen?

Nein, antwortet der Autoclub. Es sei um die "satzungsgemäße Förderung des Motorsports gegangen". Auch Geishecker dementiert, dass es sich um eine Hilfsaktion unter Club-Kollegen gehandelt habe.

"Mit 200 000 Euro wäre uns nicht zu helfen gewesen", sagt Geishecker. Außerdem habe er so etwas nicht nötig. "Das würde ich nie im Leben machen."

Unterzeichnet haben das Werbe-Abkommen für den ADAC zwei Leute: ein Vorstandsmitglied des ADAC Nordrhein und dessen Vorsitzender Peter Meyer. Auf der anderen Seite, bei Wige Performance, hat allerdings nicht Geishecker unterzeichnet, sondern dessen damaliger Geschäftsführer-Kollege. Weil das ziemlich unschön ausgesehen hätte, wenn links Geisheckers Name gestanden wäre und rechts daneben der seines ADAC-Funktionärsfreundes Meyer? Nein, antwortet Geishecker. Der Geschäftsführer-Kollege habe solche Dinge eben alleine abgewickelt.

Solche Dinge, das sah in diesem Fall so aus: Das "Gläserne Studio" auf dem Nürburgring sollte nach dem ADAC benannt werden. Außerdem sollte ein Hubschrauberlandeplatz als "ADAC-Heliport" ausgewiesen werden. Hinzu kam ADAC-Reklame auf dem Wegweisersystem am Ring, auf sogenannten Stelen. TV-Studio, Heliport, Stelen mit ADAC-Werbung, das also fällt beim Autoclub alles unter "satzungsgemäße Förderung des Motorsports".

Die Ausnahme von der Regel

Eigentlich ist es ADAC-Funktionären untersagt, mit Vereinsvermögen untereinander Geschäfte zu machen. "Selbstkontrahierungsverbot" heißt das in der ADAC-Sprache. Doch wo eine Regel, da auch eine Ausnahme. Der sechsköpfige Vorstand des ADAC Nordrhein, in dem Meyer und Geishecker zusammen saßen, und der 20-köpfige Vorstandsrat hatten nach Angaben des Autoclubs für dieses Geschäft das "Selbstkontrahierungsverbot" aufgehoben.

Von langer Dauer war die Studio-, Heli- und Stelen-Partnerschaft zwischen ADAC und Wige Performance allerdings nicht. 2012 ging der Nürburgring pleite. Es entstand, so formuliert das der ADAC heute, ein "Geschäftsvakuum", auch beim Gläsernen Studio. Der Vertrag wurde aufgelöst, die Wige Performance zahlte 100 000 Euro zurück.

Wer hat eigentlich wem geholfen?

Dem ADAC Nordrhein sei kein Schaden entstanden, betont der Automobilclub. Mit dem Vereinsvermögen werde sorgsam umgegangen. Und Präsident Meyer legt Wert auf die Feststellung, dass seine Kontakte zu Geishecker nur im Zusammenhang mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim ADAC Nordrhein e.V. standen. "Persönliche Kontakte oder Verbindungen außerhalb dieser ehrenamtlichen Tätigkeit fanden nicht statt."

Geishecker sagt seinerseits, man habe alles "sauber getrennt" und die Leistungen seiner Wige Performance für den ADAC Nordrhein seien deutlich mehr wert gewesen als die vereinbarte Summe. Hätte der ADAC nicht die Werberechte gekauft, dann hätte man diese an einen anderen Interessenten vergeben, betont Geishecker. So gesehen muss der ADAC Nordrhein froh gewesen sein, dass er die begehrte Werbung so billig bekommen hat. Nach dieser Lesart hätte Geishecker seinem Funktionärsfreund Meyer einen Gefallen getan, statt umgekehrt.