VDA-Präsident im SZ-Interview Wissmann fordert Geduld bei Elektroautos

Ob im Jahr 2020 nun eine Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren oder nicht - Matthias Wissmann findet es wichtiger, dass die deutsche Industrie in der Entwicklung und den Marktanteilen vorne ist. Die Regulierungswut der EU sei dafür nicht förderlich, sagt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie im SZ-Gespräch.

VDA-Präsident Matthias Wissmann bereitet die Auto-Branche auf einen langsamen Übergang hin zum Elektroauto-Zeitalter vor. So werde die Industrie gerade am Anfang einen langen Atem brauchen.

"Wir können nicht über Nacht den Markthochlauf erwarten", sagte der Chef des Verbandes der Automobilindustrie im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Mit anderen Worten: Es dürfte einige Zeit dauern, bis die Hersteller ihre Elektroautos in großen Mengen verkaufen.

Wissmann rückt damit auch von dem ursprünglichen Ziel ab, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Entscheidend sei nicht, dass das Ziel pünktlich erreicht werde. "Wenn wir das Ziel ein oder zwei Jahre später erreichen, wäre das auch kein Beinbruch", so der Auto-Lobbyist. Entscheidender sei, "dass wir Deutschen bei der Technologieentwicklung und beim Marktanteil führend sind". An der Elektromobilität führe jedoch kein Weg vorbei.

Während Hersteller wie Renault und Nissan bereits mit eigenen E-Modellen am Markt sind, werden die deutschen Autobauer erst im Laufe des nächsten Jahres mit ihren elektrischen Fahrzeugen auf die Straße kommen.

Bislang halten sich die Kunden zurück. Die Gründe dafür: Die Stromer sind wegen der teuren Großbatterien kostspieliger als normale Autos, gleichzeitig ist ihre Reichweite wegen der Batterie auf kürzere Strecken beschränkt. Auch gibt es bislang - anders als bei normalen Tankstellen - für Elektroautos noch kein flächendeckendes Netz von Aufladestationen. 2012 habe es 4157 Neuzulassungen bei Elektroautos gegeben, so Wissmann. Insgesamt seien damit 8500 Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs.

"Nicht strangulieren, sondern stimulieren"

Da Elektroautos in den kommenden Jahren kein Massenprodukt werden dürften, dringt die deutsche Automobilindustrie auf eine Mehrfachanrechnung von Elektro-Fahrzeugen auf die durchschnittlichen Abgasemissionen der Hersteller. Diese sollen nach Plänen der EU-Kommission ab 2020 nur noch bei 95 Gramm CO2/Kilometer liegen. "In China werden emissionsfreie Elektroautos mit dem Faktor 5 auf die Gesamtflotte der Hersteller angerechnet", kritisierte Wissmann. "In Europa hingegen sollen wir ab 2020 nur höchstens Faktor 1,3 oder 1,5 anrechnen dürfen. Das ist viel zu wenig."

Europa solle wie die USA mindestens eine 3-fach-Anrechnung haben. "Eine kluge europäische Regulierung sollte nicht strangulieren, sondern stimulieren." Der frühere Bundesverkehrsminister glaubt, dass "der eine oder andere in Europa" ein Interesse daran habe, "den Vorsprung der Deutschen regulatorisch zu beschränken". Allerdings gehe es um viele Arbeitsplätze hierzulande. "Deswegen müssen wir uns zur Wehr setzen", so der VDA-Chef.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.

Am kommenden Montag findet in Berlin eine Konferenz der Bundesregierung zur Elektromobilität statt. Politiker und Vertreter der Industrie - unter anderem VDA-Präsident Wissmann - diskutieren vor allem die Pläne der Regierung ("Plattform Elektromobilität"), bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu holen. Lesen Sie mehr dazu auf Süddeutsche.de.