Von Klaus C. Koch

Weltweit wächst das Netz für Hochgeschwindigkeitszüge, wobei neue Technik auch mehr Sicherheit bringen soll.

Wer in einem dieser rasenden Kolosse sitzt, wirft kaum mehr einen Blick aus dem Fenster. Denn statt an der Landschaft, die im Tiefflug vorbeihuscht, sucht das Auge Halt an den Leuchtziffern der Fahrgastinformation, deren Anzeige auch bei Tempo 300 nicht Halt macht. Ständig neue Rekorde sind Trumpf im Konkurrenzkampf zwischen Schiene, Straße und Flugverkehr. Momentan gibt es weltweit knapp 10.000 Kilometer Hochgeschwindig-keitsstrecken; an weiteren 8295 Kilometer wird gebaut, 37.000 sollen es nach Angaben des Internationalen Eisenbahnverbandes UIC bis 2025 sein. Über Stahlbetonbrücken queren ICE, Eurostar, Thalys & Co. Flüsse und Täler, durch Röhren den Ärmelkanal und die Alpen.

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Schnellst-Zug: Acela ist auf der Strecke Washington-New York-Boston unterwegs. (© )

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China fährt auf die Überholspur

In den neunziger Jahren staunten Reisende in Japan noch darüber, wenn bei einer Fahrt mit dem Shinkansen auf einem Nachbargleis ein Super-Hikari zum Überholen ansetzte. Heute ist das Land der aufgehenden Sonne mit seinen 2452 Kilometer Schnelltrassen, die überwiegend auf Stelzen verlaufen, zwar immer noch Spitze. Doch schon befindet sich China auf der Überholspur. Dort wird an 3404 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut, bis in zwei Jahren sollen es noch 600 mehr sein. Die 1320 Kilometer zwischen Peking und Shanghai werden dann mit Tempo 350 von ICE-ähnlichen Zugverbänden durcheilt, die auf den Spitznamen Hexie getauft sind - was so viel wie Harmonie heißen soll.

Bereits seit August dauert so die 120 Kilometer lange Reise von Peking nach Tianjin weniger als 30 Minuten. Bei einer Versuchsfahrt Ende Juni brachte es Hexie auf dann exakt 394,3 Kilometer pro Stunde und wurde umgehend als "schnellster Serienzug der Welt" gefeiert. An den französischen TGV allerdings, der im April 2007 zwischen Paris und Straßburg mit Tempo 574,8 unterwegs war, reicht das chinesische System bei weitem nicht heran. Wer also braucht da noch einen Transrapid?

Hauptargumente gegen die Einführung von Systemen wie dem Transrapid sind, dass sie separate Fahrwege brauchen, mit herkömmlichen Schienensystemen nicht harmonieren und nach enormen Investitionen verlangen. Außer in Shanghai und in Aichi (Japan) gibt es daher auf der ganzen Welt keine Strecke, auf der ein solcher Zug bislang fahrplanmäßig verkehrt.

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